Eine Ballerina steht auf einer Brücke.
13. April 2016 Lesezeit: ~4 Minuten

Körper

Tanzen ist die körperlichste und künstlerischste Ausdrucksform des Menschen. Tanzen geschieht in der Bewegung und im Raum; in der Zeit und der Sichtbarkeit. Da mich diese Art der Bewegung seit geraumer Zeit fasziniert, entschied ich mich im Rahmen eines Studienprojektes, das das Thema „Körper“ behandeln sollte, mich dem Tanz zu widmen.

Ich begann meine Recherche über den menschlichen Körper, seine Flexibilität und seine Belastungsgrenzen. Da ein Projekt über Tänzer*innen bereits länger geplant war, hatte ich schon ein großes Sammelsurium an Inspirationsquellen. Dazu gehörten unter anderem Bertil Nilsson, Andreas H. Bitesnich sowie der realtiv unbekannte Berliner Künstler Dean Barucija.

Die Fotografie ist in der Lage, die Dynamik und Dramatik des Tanzes sehr realitätsgetreu darzustellen. Der Fotografie gelingt es, die fortlaufenden Bewegungsabläufe und die Präzision des körperlichen Ausdrucks bildhaft zu erfassen und zu dokumentieren. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass die Fotografie selbst ein dynamisches Ausdrucksmedium ist, das die Realität bewegter Körper im Raum zeigen kann.

Eine Tänzerin in schwarzem Anzug springt unter einem Pavillon.

Eine Ballerina tanzt vor einem Schloss.

Der Raum selbst sollte nicht das gewohnte Umfeld der Tänzer*innen, also eine Bühne im Scheinwerferlicht oder ein Trainingsraum sein, sondern etwas zeigen, was der Betrachter so nicht erwartet. Deshalb entschied ich mich, die Tänzer*innen mitten in der Stadt tanzen zu lassen. Da es am einfachsten in der Stadt zu realisieren war, in der ich gegenwärtig auch lebte, entschied ich mich für Darmstadt.

Die Tänzer*innen habe ich speziell für diese Serie gesucht. Da ich selbst nicht tanze, mit keinen Tänzer*innen befreundet bin und mich auch nicht in ihren Kreisen aufhalte, fiel mir die Suche erst einmal schwer. Ich kontaktierte Tanzschulen und fragte im Freundeskreis, ob jemand jemanden kennt. Als ich dann schließlich einen Fuß in den richtigen Kreisen hatte, ergab sich vieles von selbst.

Eine Tänzerin verdreht ihren Körper unter einer Brücke.

Ein Breakdancer steht Kopf.

Meine Regieanweisung war, das Umfeld genau zu analysieren, es als Tanzpartner zu betrachten und in der gewohnt eleganten Haltung und Körperspannung die Formen der Architektur im Hintergrund nachzuempfinden. Ich habe mich ganz bewusst für dieses recht statische Umfeld entschieden, da so der starke Kontrast zwischen der körperlichen Flexibilität und Belastungsgrenze zum unbeweglichen Umfeld am leichtesten nachvollziehbar wird.

Die Kompositionen aus Tänzer*innen und Architektur wirken wie aus einem Guss und bringen eine gewisse Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit mit sich, sodass der Betrachter nicht zu fragen wagt, wieso ein Tänzer in dieser Kulisse mit seinem Auftritt beginnt. Die abgelichteten Tänzer*innen wirken wie ein ästhetisches Spiegelbild der sonst so steifen Architektur.

Eine Ballerina steht auf einer Brücke.

Da ich sieben Tänzer*innen aus verschiedenen Tanzrichtungen (Hip-Hop, Ballett, Breakdance und Improvisationstanz) fotografiert habe, war es bemerkenswert, wie unterschiedlich die Tänzer*innen ihr Umfeld wahrnahmen und welche Formen für sie am einfachsten zu erfassen waren.

Manche entschieden sich für Ecken und Kanten, andere wiederum bevorzugten organische Formen, die sie sehr sinnlich nachahmten. Eines hatten sie jedoch alle gemeinsam: die Fusion von Intuition, Emotion und athletischer Körperbeherrschung. Ich war bei jedem einzelnen beeindruckt von dieser künstlerischen Befähigung.

Eine Ballerina macht eine Figur vor einer Kirche.

Eine Tänzerin mit offenem Haar springt in die Luft.

Der Name der Serie entstammt dem ursprünglichen Studienprojekt. Da sich in meinen Kompositionen ein statischer sowie ein flexibler „Körper“ verbinden, habe ich diesen Titel beibehalten.

Fotografiert habe ich mit der Canon EOS 5D Mark II und mit dem Objektiv Canon EF 24–105 mm f/4L IS USM. Ich habe jedes Bild mit demselben Blenden- und Brennwert aufgenommen, um eine einheitliche Bildsprache zu erzielen. Das setzte auch eine ordentliche Nachbearbeitung voraus, da es im Stadtbild viele störende Elemente gab, die auf den unbearbeiteten Bildern sehr unruhig wirkten.

Die sieben Fotografien entstanden im Zeitraum November 2015 bis Januar 2016. Die Temperaturen in diesem Zeitraum erschwerten die Aufnahmen erheblich, jedoch musste die Qualität der einzelnen Fotos darunter glücklicherweise nicht leiden, was letztendlich entscheidend ist. Dieser Umstand spornt mich allerdings dazu an, das Projekt im Sommer fortzusetzen bzw. ein ähnliches Projekt zu beginnen.

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4 Kommentare

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  1. Die Photos wirken so statisch und undynamisch, dass ich der Autorin sofort glaube, dass sie selber keine Tänzerin ist. Eine etwas intensivere Vorbereitung auf das Thema, mehr Sensibilität und Empathie gegenüber dem Geschehen vor der Kamera könnte den Photos gut tun. So erinnern sie ein wenig an Monty Pythons Ministerium „of silly walks“.

  2. Hmm… Der Text liest sich intensiv und gewaltig, alles ist geplant und durchdacht und die grundsätzliche Projektidee bietet viel Raum für Interpretation und Umsetzung. Leider fallen die Bilder deutlich zurück und schöpfen das Potential der Idee nicht aus. Die Körperlichkeit von Tanz, kann ich nur auf einem Bild entdecken.
    Arbeite weiter an der Idee und baue sie aus!

  3. Ich finde die Serie toll. Gerade im Kontrast zu den starren Gebäuden wirken die Menschen eigenartig, wenn auch nicht gerade lebendig, sondern eher eingefroren und im Stillstand. Aber das macht die Serie für mich eigentlich noch interessanter, weil es eben nicht „nur“ Tänzer neben Häusern sind, sondern Standbilder, aus Bewegungen hervorgegangen.

  4. Ich glaube das man gerade bei dieser Serie ein wenig mehr rausholen hätten können. Tanzen verbinde ich mit Dynamik und Geschwindigkeit. Vielleicht hätte man mehr mit der Blende und dem Licht spielen können und auch mal längere Verschlusszeiten ausprobieren sollen. So ist es für mich Mittelmaß und eigentlich nicht beachtenswert.