Eine Frau liegt unter einem Wäscheberg vergraben.
11. März 2016 Lesezeit: ~3 Minuten

Das Fantastische lässt sich nicht logisch erklären

Meine Inspiration kommt von alltäglichen, manchmal chaotischen Momenten. Ich übe mich darin, allein zu sein und die Stille zu ertragen, weil ich so den Raum um mich herum vollständig erleben kann. Geschichten kann man sowohl hinter jede Ecke finden als auch in der Masse von nutzlosen Gegenständen.

Ich frage mich, wie unsere Körper in diesem materialistischen Raum leben können. Was für Dialoge führen sie miteinander? Ich experimentiere mit Selbstportraits als einer Möglichkeit, Körpersprache und Empfindungen auszudrücken. Mal ist Dein Körper müde, schlapp und passt nicht zu dem, was die Gesellschaft eigentlich von Dir erwartet. Darum versuche ich, mich zu tarnen – wie in dem Bild, in dem der Baumstamm eine Verlängerung meines Körpers darstellt.

Ein Oberkörper und nackte Beine schauen auf beiden Seiten eines hohlen Baumstammes hervor.

Eine Frau im rosa Kleid springt von einem Hügel mit Bäumen.

Ich mag es, mit der Beschaffenheit des menschlichen Körpers zu spielen und ihn in Kontrast zur Natur zu setzen. Es ist auch spannend, den gleichen Ort zu verschiedenen Jahreszeiten zu besuchen und zu sehen, wie er altert, ähnlich einem Menschen. Sensibilität und Zerbrechlichkeit können auch als kritische Parodie verwendet werden.

Oder in „Entre interiores“, in dem die Tapete die Wand ähnlich wie Kleidung meinen Körper überdeckt. Es bringt mich dazu, zu fragen: Was steckt dahinter? Vielleicht kann ich so Geschichten aufdecken.

Eine Frau knöpft ihr Kleid auf, darunter sind Buchseiten.

Ein Hundefoto hängt neben einem verfärbten Abdruck eines Hundegesichtes an der Wand.

Im Bild „Curious things happen“ erscheint das Fantastische. Ich entdecke einen Abdruck in der Wand: Das Gesicht meines Hundes. Diese Tatsache erinnert mich an ein Interview mit Julio Cortazar, einem argentinischen Schriftsteller, in dem er sagt:

Weißt Du, wenn man Dinge zufällig an die Wand hängt und dann eine Stromleitung bemerkt, die durch das Profil einer Person läuft und dann durch ein Haus nach unten in eine Wiese geht, die sie durchschneidet, um dann wiederum in einem Foto von Louis Armstrong zu landen, dann ist das ein Beweis dafür, dass sich das Fantastische nicht logisch erklären lässt. Es ist einfach da und basta.

Scheinbar unreale Dinge machen das Leben sanfter; genau an diesen bin ich interessiert und zeige sie in meinen Bildern.

Eine Frau hat Tintenfische als Hände.

Um ein Foto zu machen, bereite ich mich gut vor und investiere Zeit in die Nachbereitung. Zuvor recherchiere ich über Symbole, durchforste meinen Ausschuss, stöbere in alltäglichen Objekten und suche mir diese zusammen. Ich bemühe mich, alles Menschenmögliche im Moment der Aufnahme zu machen, aber dennoch benutze ich Photoshop als ein legitimes Werkzeug, vor allem für Fotomontagen und Retusche.

Zum Beispiel beim Foto „Sanguche de cansancio“, bei dem ich meinen müden Körper mehrere Male in verschiedenen Ansichten präsentieren wollte, um ihn schließlich als Vervielfältigung zwischen gestapelten Matratzen zu haben.

Nackte Menschen liegen gestapelt unter Matratzen.

Eine Frau liegt in der Badewanne und trägt ein Sauerstoffgerät.

Eine Frau mit geschlossenen Augen isst Haare.

Letzten Endes sehe ich die digitale Nachbearbeitung von Fotografien nur als Mittel, meine Geschichten zu visualisieren. Die Digitalkamera und Fotomontage sind meine Werkzeuge.

Dieser Artikel wurde für Euch von Anne Henning aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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3 Kommentare

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  1. Surrealismus hatte zuletzt in den 70ern noch größere Aufmerksamkeit. Es ist bezeichnend dass seine Traumhaftigkeit, Sensibilität und kommerzielle „Unbrauchbarkeit“ oder „Unverwertbarkeit“, und der Widerspruch den er zu jeder „Coolness“ darstellt, nicht mehr so gefragt waren die letzten Jahrzehnte.
    Diese Bilder sind für mich in einem positiven Sinne surreal, nämlich nicht als Effekt, sondern als authentischer Ausdruck einer „anderen Realität“.