28. Oktober 2014 Lesezeit: ~3 Minuten

Favourite Ghost

Die Idee für diese Serie kam mir in zwei Teilen. Es gab einen Abend, an dem ich mit meinem besten Freund Paul ausprobierte, was man so bewerkstelligen kann, wenn man im Besitz einer demontierten Straßenlaterne und einer Nebelmaschine ist.

Eine neblige Landschaft, Licht und ein Baum.

Sie schoss mir wieder durch den Kopf, als ich gerade dabei war, meine Schwester Nelly zu portraitieren. Ich hatte bereits meine anderen drei Schwestern, meinen Bruder und meine Eltern in Arten und Weisen gezeigt, mit denen ich zufrieden war, die ihnen gerecht wurden, als Kombination der beiden Kriterien „wer sind sie“ und „wie sehe ich sie“.

Nur Nelly fehlte noch, in ihrer oft wirren, unnachgiebigen und offensiven Art als Ausdruck ihrer geistigen Behinderung, bedingt durch den Drogenkonsum ihrer leiblichen Mutter während der Schwangerschaft.

Wir sehen eine Frau auf Knien hockend mit dem Rücken zu uns.

Etwas liegt unter einem weißen Laken.

Der Name „Favourite Ghost“ ist dem gleichnamigen Song der Band Team Me entliehen. Er handelt von einer vergangenen Liebe, die aber weiterhin als Favourite Ghost im Kopf herum spukt, zunehmend undeutlicher und verschwommener, aber immer da. Das zum einen. Zum anderen die vielen Menschen, denen man begegnet, mit denen man innig eine bestimmte, gemeinsam verbrachte Zeit teilt, die aber an anderen Orten, in anderen Ländern zuhause sind.

Ich bin nicht so der Kontakthalter. Man könnte mein Nicht-Antworten auf elektronischem oder postalischem Weg als Beleidigung ansehen. Ich finde nur, es gibt keinen Ersatz für Anwesenheit. Ich bin stattdessen jederzeit bereit, die Lieben zu beherbergen, die mich besuchen kommen möchten und zu versuchen, mit jedem dort anzuknüpfen, wo wir bei der letzten Begegnung aufgehört haben.

Außerdem bin ich selber viel unterwegs, um wiederzusehen. Und manchmal wird ein Wiedersehen eben nicht stattfinden.

Zwei Geister stehend am Schwimmbeckenrand.Ein Geist geht die Treppe hoch.

Viele Geister unter Bäumen.

Die Bilder könnten ohne Vertrautheit nicht entstehen. Ich sage: „Los, komm(t) mit, ich möchte Dich (Euch) an dem und dem Ort mit einem Laken über dem Kopf fotografieren.“ – „Hä!?“ – „Ja. Vertrau mir mal. Es wird gut!“

Das mit voller Überzeugung jemandem zu sagen, den ich nicht kennen gelernt habe, dafür bin ich nicht der Typ Mensch und mir liegt dann auch einfach nichts daran.

Ein leuchtender Geist im Dunkeln.Zwei Menschen am Rand eines Schwimmbeckens.

Die Bilder sind für mich ein Symbol für die gemeinsam verbrachte Zeit. Natürlich kann man das als persönlichen Aspekt nicht ohne Worte transportieren.

Was aber dann noch bleibt, ist die Ästhetik des Bildes, der gewählte Ort in Kombination mit dem „Geist-Thema“ und vielleicht ruft sie dann – im Ergebnis sicher purer Pop und leicht zu durchdringen – doch noch Assoziationen und Stimmung beim jeweiligen Betrachter hervor.

Zwei Lakengeister rennen in den Wald.

Ein Mensch unter einem Laken leuchtet und Du siehst die Hand.

Ich betreibe die Sache mit den Bildern aus Freude und Schmerz, aus Langeweile und Stress, aus Liebe und sicher auch aus Hass. Vielleicht bin ich unter dem Namen „blaueturnschuhe“ einigen von Euch bereits auf Flickr begegnet. Dort gibt es mittlerweile nichts mehr zu sehen.

Dafür auf Tumblr, das einen viel spezielleren, freieren und chaotischeren Umgang mit Inhalten ermöglicht. Ich lade Euch ein, mal vorbei zu schauen, auch die Serien „Who thought we have no one“ und „Full of Fire“ zu betrachten und mich dann – langsam aber stetig – wieder zu vergessen.

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