26. Oktober 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Amador Rabal, Totengräber

Amador Rabal ist Totengräber. Jeden Tag bestattet er auf seinem Friedhof zwei bis drei Tote. Jesús Pastor ist Fotograf und fasste eines Tages den Entschluss, Amador bei seiner Arbeit zu dokumentieren. Entstanden sind dabei eindringliche und sehr emotionale Bilder.

Ich war schon immer fasziniert von Geschichten, die am Rande des Normalen, Alltäglichen liegen. Auf dem Friedhof wandert ein Mann entlang der Kruzifixe und Grabsteine​​, reinigt die goldenen Buchstaben und pflegt bunte Blumen. Ich beobachte ihn, während er in der Erde gräbt. Nach täglichen Gesprächen mit ihm verspürte ich den Drang, seine Geschichte in Bildern zu erzählen.

Amador Rabal © Jesús Pastor

Amador Rabal © Jesús Pastor

Und diese Bilder zeigen den Alltag auf dem Friedhof, die Raucherpause dazwischen, aber auch ganz private Momente zu Hause, nach der Arbeit. Sie sind voller Würde. Etwas, das Jesús auch an der Art, mit der Amador seiner Arbeit nachgeht, bewundert.

Seine Arbeit wirkt auf einige beängstigend, aber er trägt es mit der Würde eines Gärtners, der seine Pflanzen mit Liebe und Hingabe pflegt und sorgfältig wässert.

Amador Rabal © Jesús Pastor

Amador Rabal © Jesús Pastor

Selbst das Foto der täglichen Rasur bekommt bei Jesús beinahe etwas Mystisches und wirkt alles andere als banal. Die Geschichte vom Leben des Totengräbers erzählt er anrührend und ich empfinde Sympathie für ihn und tiefen Respekt für seine Arbeit an einem Ort, an dem ich mich nicht behaglich fühle.

Fotograf Jesús hingegen ist nahezu besessen von Tod, Mysterium und Seele. Für ihn ist das Fotografieren eine Selbsfindung. Und das Foto eine Zusamenfassung gelebter Erfahrungen.

Die Bilder denken, glauben, handeln. Für mich ist Fotografie ein Weg, näher an die Transzendenz zu gelangen.

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  1. Blogartikel dazu: Links vom Rhein, 28. Oktober 2013 | Hendryk Schäfer