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07. Juli 2011 Lesezeit: ~ 3 Minuten

Du bist, was du isst.

Mark Menjivar ist ein paar Jahre durch die USA gereist und hat sich währenddessen mit Fragen rund um das Thema Ernährung beschäftigt. Dabei ist die 20-teilige Serie “You Are What You Eat” entstanden, die den Kühlschrankinhalt in Privathaushalten portraitiert.


Links: Schülerlotse/Altenpfleger | Austin, Texas | 6-Personen-Haushalt | Eltern und drei erwachsene Kinder leben in einem kleinen Apartment.
Rechts: Gemeindearbeiter | San Angelo, Texas | 1-Personen-Haushalt | Vollständig blind und lebt allein.

Während seiner Reise hat Mark mit vielen verschiedenen Menschen gesprochen, ihre Geschichten gehört. Das führte dazu, dass er mehr und mehr darüber nachdachte, was wir essen und welchen Einfluss es nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere Art zu Leben, unsere Gesellschaft hat.

Der eigene Kühlschrankinhalt spricht Bände darüber, auf welche Art und Weise wir uns um uns selbst und unseren Körper kümmern. Marks Serie zeigt exemplarisch einige Extreme auf: Von sauber bis schmutzig, von leer bis überfüllt, von vegan bis fleischgefüllt, von frisch bis Fast Food.

Die Welt das sehen zu lassen, ist also ein sehr intimer Vorgang. Einer der Kühlschrankbesitzer aus Marks Serie sagte ihm sogar, dass die Frage, ob Mark seinen Kühlschrankinhalt fotografieren dürfe, für ihn ungefähr so sei, als hätte er ihn um ein Aktfoto gebeten.


Tischler/Fotograf | San Antonio, Texas | 3-Personen-Haushalt | Auf Familienbesitz erlegter 12-Ender.

Die Serie “You Are What You Eat” ist die anekdotenhafte Dokumentation des Ernährungszustandes in den USA. Die Fotografie als Medium und Mittel zum Zweck tritt hier in den Hintergrund und macht Platz für nüchterne, klare Bestandsaufnahmen.

Zu jedem Bild der Serie gibt es nur eine sehr knappe Beschreibung des Kühlschrankbesitzers, die wahlweise Auskunft über Beruf, Alter, Familienstand, Herkunft oder persönliche Lebensstationen gibt. Diese erst geben den abgebildeten Kühlschränken ein “Gesicht”.

Dass Mark darauf bestanden hat, dass wir diese kurzen Bildunterschriften hier übernehmen, überrascht nicht mehr, wenn man einmal die eigenen Assoziationen und Erwartungen zu einem Bild der Serie sammelt, indem man den Blick im abgebildeten Kühlschrank schweifen lässt und anschließend erst die Beschreibung liest.


Links: Barkeeper | San Antonio, Texas | 1-Personen-Haushalt | Geht täglich um 8 Uhr morgens in Bett und steht um 16 Uhr wieder auf.
Rechts: Außenwerber | San Antonio, Texas | 1-Personen-Haushalt | Lebt von monatlich $432.

Ich finde es höchst interessant, auf diese Weise eine sehr persönliche Ebene anderer Menschen kennenzulernen, wie unterschiedlich sie sich ernähren, mit wie verschiedenen Lebensmitteln ihr Kühlschrank also gefüllt sein kann, wie sauber er ist oder wie voll.

Es ist vergleichbar damit, dass auch unsere Wohnungen unterschiedlich eingerichtet, voll oder leer, sauber oder schmutzig sein können, wie viele verschiedene Arten und Weisen es in unserer Gesellschaft also gibt, um für unser äußeres und auch inneres Wohl zu sorgen.

Mark Menjivar lebt und arbeitet als freier Fotograf in San Antonio, Texas. Wir legen Euch seine Webseite ans Herz, auf der Ihr noch mehr seiner Serien findet.

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8 Kommentare

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  1. Einfach und simpel, aber dennoch erstaunlich, wunderbar und gut! Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viel kleine Details über uns verraten. Zwar ist “ein Kühlschrank pro Charakter” sicherlich nicht repräsentativ, aber Unterschiede lassen sich durchaus feststellen. Erinnert mich ein wenig an “Created equal”, wenn auch ich Letzteres noch besser finde, aber nichtsdestotrotz: genial!!

  2. Es mag pedantisch klingen, aber dafür, dass “Mark Menjivar ein paar Jahre durch die USA gereist” ist, empfinde ich die rein texanische Kühlschrankauswahl als ziemlich einseitig. Nichtsdestotrotz eine gute Idee! Großartig finde ich, dass der familiäre/soziale Hintergrund unter jedem Foto zu finden ist … mein Favorit: Das Gefrierfach voller Wildfleisch! :D

  3. Ein wirklich einfaches Projekt, auf so eine Idee könnte nun wirklich jeder kommen. Nun ja, mir gefallen so simple Projekte! Echt interessant, dass es Leute zulassen sich in den Kühlschrank schauen zu lassen, ich würde es mir zwei mal überlegen :)

  4. Eindrucksvolle Serie, auf die ich hier 2011 gestoßen war und an die ich mich jetzt wieder erinnerte.
    Das Foto des Fleischvorrats transportiert mit der Bildunterschrift den Rahmen einer unendlichen Geschichte. Man stellt sich einen älteren Mann vor, der ab und an mit seinem Gewehr einen Hirsch im eigenen Wald schießt und nach erfolgreichem Zerteilen des Wildes einen Rum mit vergammelter Zitrone trinkt :)