23. Oktober 2019 Lesezeit: ~5 Minuten

Wüstenfotografie in Marokko

Auf meiner Reise durch Südamerika vor ein paar Jahren hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, eine Wüste zu fotografieren. Die goldenen Berge aus Sand bei Huacachina zogen mich sofort in ihren Bann. Leider wurde das Erlebnis durch den dortigen Massentourismus getrübt. Sandbuggies rauschten den ganzen Tag durch die Dünen und Stille erlebte ich nur selten.

Seitdem träumte ich davon, eine richtige Wüste zu besuchen –- einen Ort abseits der Zivilisation oder zumindest weit genug davon entfernt, dass ich das Meer aus Sand in Ruhe genießen könnte. Im letzten Februar hatte ich auf meiner Reise durch Marokko endlich die Gelegenheit dazu.

Wüste

Red Planet

Erg Chigaga

Sucht man nach einer Wüstentour in Marokko, stößt man meistens auf die Erg Chebbi. Dorthin kann man mit einem Mietwagen fahren, bequem im Hotel unterkommen und von dort in die Dünen laufen. Ein kurzer Check auf Instagram bestätigte mir, dass dieser Ort bei Influencer*innen sehr beliebt ist.

Also recherchierte ich weiter und fand die Erg Chigaga im Süden Marokkos. Diese liegt über 50 km vom nächsten Ort entfernt, kann nur mit einem Allradgeländewagen erreicht werden und als Unterkünfte dienen Berberzeltlager. Von den zahlreichen Firmen buchte ich bei Wild Morocco, die das Camp Al Koutban betreiben.

Dieses Camp liegt inmitten der Dünen – perfekt also für einen Landschaftsfotografen wie mich. Ich hatte meine Tour so geplant, dass ich zwei Nächte in der Wüste übernachtete. So würde ich genug Zeit haben, die umliegenden Dünen zu erkunden und zu fotografieren.

Wüste

Desert Glow

Al Koutban

Gleich, als ich im Zeltlager ankam, fiel mir eines auf: Stille. Von den etwa zehn Berberzelten im Camp war nur ein weiteres belegt. Der Kontrast zur lebhaften und hektischen Medina von Marrakesch, von wo ich zwei Tage vorher aufgebrochen war, hätte größer kaum sein können. Noch bevor ich begann, die Landschaft zu erkunden, wusste ich, dass ich am richtigen Ort war.

Ich ließ nicht viel Zeit verstreichen und machte mich bald auf den Weg zu einer der höchsten und bekanntesten Dünen in der Erg. 45 Minuten lang stapfte ich durch den Sand, um diese fantastische Aussicht zu erreichen. Da es in der Umgebung noch weitere Berberzeltlager gibt, war ich dort oben zum Sonnenuntergang nicht allein.

Dank Nebensaison blieben es am Ende aber weniger als 20 Leute auf der Düne und am nächsten Abend waren es nur fünf. Als die Sonne sich langsam zum Horizont senkte, konnte ich fast in jede Richtung fotografieren. Mit dem Teleobjektiv hatte ich bei Brennweiten zwischen 100 und 200 mm zahlreiche Möglichkeiten, mir Details aus der Landschaft herauszupicken.

Wüste

Red Sahara

Doch auch für mein Weitwinkelobjektiv gab es Motive. Zunächst wanderte ich am nächsten Morgen noch einmal zur großen Düne. Sämtliche Spuren waren durch den nächtlichen Wind weggewischt worden und nach wenigen Minuten konnte ich einen geeigneten Vordergrund finden. Die Kämme der Dünen boten reichlich Potential. Was vor Sonnenaufgang noch flach wirkte, bekam Dimension, als die Sonne über den Horizont stieg.

Dass ich in den zwei Tagen fast keine Wolke sah, störte mich überhaupt nicht. Gewöhnlich bevorzuge ich einen dramatischen Himmel für meine Fotos. In der Erg war das jedoch nicht nötig. Entweder zoomte ich soweit heran, dass der Himmel nicht mehr Teil der Fotos war oder ich konzentrierte mich darauf, klare, aufgeräumte Kompositionen zu finden, denen ein wolkenloser Himmel sehr gut steht.

Wüste

Sea of Sand

Nachtfotografie

Ich wollte mir nicht entgehen lassen, den Nachthimmel über der Wüste zu fotografieren. In der Erg Chigaga gibt es nur eine minimale Lichtverschmutzung und im Winter ist wegen den kühleren Temperaturen nachts kaum Dunst in der Luft. Perfekt also, um die Milchstraßen zu fotografieren.

Dazu musste ich nicht einmal früh aufstehen. Der Sonnenaufgang war um 8 Uhr und die Milchstraße konnte ich um 6 Uhr morgens im Osten sehr gut sehen. Zu dieser Zeit machte ich zunächst 40 Fotos bei ISO 6400 und 15 Sekunden Belichtungszeit. Mit einer Technik namens Image Averaging konnte ich diese später zusammenfügen, um ein rauschfreies Foto des Himmels erzeugen.

Die Kamera ließ ich danach noch weitere 90 Minuten lang auf dem Stativ ausgerichtet, um zur blauen Stunde weitere Fotos für den Vordergrund aufzunehmen. Zusammengefügt sieht das Ganze dann so aus:

Wüste bei Nacht

Desert Night

Leider waren die zwei Tage in der Wüste schneller vorbei, als mir lieb war. Ich erinnere mich noch immer gern daran zurück: An das großartige Essen im Camp Al Koutban – das beste während meiner zweiwöchigen Reise durch Marokko –, an die wundervolle Stille in der Wüste und natürlich an die tolle Landschaft.

Aus diesem Grund freue ich mich umso mehr, dass ich im nächsten Februar dorthin zurückkehre. Zusammen mit Wild Morocco habe ich eine neuntägige Fototour durch den Süden Marokkos zusammengestellt. Neben den Medinas von Marrakesch und Essaouira, dem Draa-Tal und Ait Ben Haddou geht es auch wieder zurück in die Wüste.

Ähnliche Artikel

3 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Blogartikel dazu: Diese Woche: Neues von Tamron, Apple, Sony | Spuelbeck.net