24. Oktober 2019 Lesezeit: ~2 Minuten

Re-Inked – Mit und ohne Tattoos

In seiner Serie „Re-Inked“ lässt Philipp Haas die Tattoos von Menschen verschwinden. Durch eine spezielle Darstellungstechnik begegnen uns in einem Foto zwei Charaktere, die zur Reflexion einladen. Jeder Körper ist im selben Bild gleichzeitig tätowiert und einmal frei von jeglichen Tattoos.

Seine Arbeit konzentriert sich auf das Thema „Transformation“ und die Veränderungen der Wahrnehmung sowie Selbstreflexion und Selbstdarstellung im Kontext sozialer Entwicklungen. Was sagt eine Tätowierung über einen Menschen aus? Sind Tattoos mehr als eine Form der Selbstdarstellung? Ist es am Ende nicht einfach dieselbe Person, ganz egal mit wie viel Körperschmuck?

schwarzweißes Männerportraitschwarzweißes Männerportrait

Fast jede*r fünfte Deutsche ist tätowiert und gleichzeitig begegnen auch heute noch Tätowierten viele Vorurteile. Warum ist das so? Genau hier liegt die Stärke des Projekts. Es wirft viele Fragen auf. Eine Antwort gibt es jedoch nicht vor. Am Ende muss man sich selbst ein Bild machen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Um genau zu verstehen, was in den Arbeiten passiert, ruft am besten mit dem Handy oder Tablet die Projektseite auf. Mit der Bewegung eures Geräts könnt Ihr die Fotos verändern. Solltet Ihr mit dem Computer surfen, fahrt langsam mit dem Mauszeiger über die Aufnahmen.

Philipp fand seine Modelle überwiegend auf Tattoomessen, aber auch im Alltag auf der Straße. Durch seine Kontakte zur Musikszene, konnte der Fotograf auch bekannte Persönlichkeiten wie Thomas D. von den Fantastischen Vier und Kenta Hayashi aus Japan gewinnen.

Zunächst lichtet Philipp die Personen mit ihren Tätowierungen digital ab. Danach fotografiert er sie in gleicher Position mit Camouflage Make-Up von Hand abgeschminkt erneut. Damit das Projekt nicht nur digital funktioniert, sondern auch auf Ausstellungen, fasst er die beiden Aufnahmen anschließend im Lentikularverfahren zu einem Druck zusammen. Das Mounting auf Alu-Dibond und eine Rahmung vollenden die Präsentation.

MänneraktMännerakt

Das Kunstprojekt entstand vor allem aus Neugierte. Philipp selbst ist tatsächlich nicht tätowiert, fand Tattoos aber bereits im Teenageralter so spannend, dass er mehr darüber wissen wollte. Warum tätowieren sich Menschen und was steckt dahinter?

Euch beschäftigen ähnliche Fragen? Dann besucht die aktuelle Ausstellung. Sie ist noch bis zum 28. November im neu eröffneten Luxushotel „Hotel Schloss Lieser“ in Lieser an der Mosel zu sehen.

Ähnliche Artikel

3 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Ich mag Tattoos einfach nicht. Und sehe auch die erheblichen gesundheitlichen Gefahren, wenn man diese wieder entfernen möchte.
    Aber, ich mache mir immer ein Bild von dem Wesen des Menschen. Und so ist mir auf einer Hochzeit eine junge Frau in der sonst so vornehmen Gesellschaft aufgefallen, die so unangepasst und offen war, dass ich sie nie vergessen habe. Sie ist gepierct und tätowiert, und dann ist das so. Aber sie strahlt etwas aus, was ich bei all den anderen vermisst habe.
    Auf der anderen Seite hat meine Frau eine Zeitlang als Ärztin in der Psychiatrie gearbeitet. Und hier wurden auch brutale Gewalttäter eingeliefert, denen man nicht im Alltag begegnen möchte. Sie tragen Symbole, die eine klare und brutale Botschaft haben. Zum Beispiel rühmen sich Menschen dann damit, wie oft sie ihren Kopf gegen die Wand einer Zelle geschlagen haben. Und leider nicht nur gegen die Wand.
    Von Selbstverletzung, von guten Botschaften, der Sehnsucht nach Qual, der Aufwärtung von Komplexen bis hin zur ehrlich gemeinten Verzierung des eigenen Körpers sind alle Gründe für diesen Hype anzutreffen.
    Und so ist es viel wichtiger, den Menschen unter der Haut zu entdecken, seine Augen, seinen Blick, seine Ausstrahlung zu suchen und dann zu spüren, ob ihn das Tattoo offener oder verschlossener macht.

    • Das meisttätowierte Volk – die Deutschen? Hust … warst du mal in England? Die haben oft sogar Tattoos am Hals, auf der Stirn, am Schädel, und dazu oft megahässliche. Ich habe dort 13 Jahre gearbeitet und sehr viel gesehen.