04. September 2019 Lesezeit: ~4 Minuten

Auslöser: Best-of Street

Dass ich Fan des noch frischen Magazins Auslöser bin, hat man sicher an meiner Rezension der ersten Ausgabe bemerkt. Für die zweite Ausgabe gab es einen Fotowettbewerb zum Thema Straßenfotografie und ich freue mich sehr, heute hier ein kleines Best-of der Einreichungen zeigen zu dürfen.

Im Magazin selbst ist nämlich tatsächlich nur der Gewinner Alex Dietrich mit seinen Fotos und einem ausführlichen Interview zu finden. Dabei sind die weiteren Einreichungen ebenso großartig. Der Wettbewerb wurde gemeinsam mit Creative Mornings Vienna ausgeschrieben. Weltweit konnte man per E-Mail und über Instagram mit dem Hashtag #cmviestreet Arbeiten zum Thema Straßenfotografie einreichen. Am Ende gab es über 800 Einreichungen! Wenn Euch dieses fotografische Genre begeistert, könnt Ihr somit auch gleich die Liste Eurer Abos auf Instagram erweitern.

Um einen besseren Einblick in den Wettbewerb zu bekommen, habe ich Herausgeber Sebastian Gansrigler einige Fragen gestellt.

Junge am Pissoir

@dietrichalex; ebenso Titelbild

Wie divers sind die Einreichungen bzw. ist die Straßenfotografie aktuell?

Teilweise sehr unterschiedlich, teilweise sehr ähnlich. Ich denke, man muss gewisse Nischenbereiche finden und sich in diese vertiefen, um somit einen eigenen Stil zu entwickeln, der sich von der Masse abgehen kann. Das ist natürlich nicht einfach und entwickelt sich über viele Jahre. Besonders die Straßenfotografie, denke ich, hat das Problem, sehr oft fotografische Klischees zu zeigen, auch weil sie sehr viele Fotograf*innen bedienen und sie leicht nebenbei und unterwegs entsteht.

Was macht eine gute Straßenfotografie für Euch aus?

Es geht immer um Mensch und Ort in Verbindung. Das Foto sollte im Idealfall den Menschen durch die natürliche Umgebung und/oder die Umgebung durch den Menschen umschreiben. Es braucht aber keine glasklare Erklärung. Etwas Ungewisses, Unbekanntes oder Abstraktes macht das Foto spannend.

Wie der deutsche Straßenfotograf Wolfgang Zurborn im Interview in unserer ersten Ausgabe oft meinte, braucht man oft gar keinen Ortsbezug, man muss auch nicht zwingend erkennen, wo das Foto entstanden ist. Es geht mehr um den freien Umgang damit. Die Kamera und die technischen Details werden dann auch ganz unwichtig.

Wodurch hat sich Alex Dietrich von der Masse abgehoben?

Seine Fotos haben etwas sehr Zeitloses. Man erkennt oft nicht, ob ein Foto vor zehn Jahren oder erst gestern entstanden ist, das macht es sehr interessant. Dazu haben seine Fotos auch eine ganz eigene Qualität – sehr konsistent, sehr humorvoll, aber gleichzeitig einen melancholischen Unterton.

2018 hat er sein erstes Fotobuch „Da letzte Schmäh“ veröffentlicht, in dem es speziell um Wien und den Wiener Humor geht, den Alex mit seinen Fotos sehr interessant einfängt. Im Interview mit ihm hat er einige interessante Herangehensweisen und Hintergrundgeschichten zu seiner Straßen- und Sozialdokumentarfotografie erzählt.

Hast Du Tipps für Fotograf*innen in Sachen Bildauswahl für Wettbewerbe?

Weniger ist mehr. Es kommt immer darauf an, für welchen Wettbewerb man einreicht. Manche wollen unterschiedliche und mehrere Projekte sehen, manche sehr speziell ausgewählte Arbeiten. Man kann sich am besten vorher genauer einlesen, worauf der jeweilige Wettbewerb besonderen Wert legt. Es gibt so viele unterschiedliche Kriterien und Ansichten, da man muss nur das Richtige für sich selbst finden und dann sein Ding durchziehen.

Weitere Einreichungen könnt Ihr unter dem Hashtag #cmviestreet auf Instagram durchstöbern und Euch inspirieren lassen.

In der zweiten Ausgabe des Auslösers findet Ihr auf 160 Seiten neben dem Interview mit Alex Dietrich auch ein Interview mit der chinesischen Künstlerin Pixy Liao, dem ghanaischen Fotografen James Barnor und der amerikanischen Fotografin Leah Edelman-Brier. Das Magazin ist in ausgewählten Shops erhältlich.

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5 Kommentare

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  1. Ich denke, Straßenfotografie ist eines der schwersten Genres und irgendwie stürzt sich gerade jeder darauf. Entsprechend schwer ist es, wirklich gute Bilder einzufangen. Und für den Betrachter ist es heute schwer, wirklich gute Bilder zu entdecken. Aber lohnenswert ist es einfach, ein paar EUR in die Hand zu nehmen und die Bilder in einer Ausstellung oder Bildband / Magazin auf sich wirken zu lassen. Habe einige Bildbände zuhause, ich schaue sie immer wieder gern an und bewundere die Menschen, die wirklich gute Szenen einfangen.
    Gestern habe ich mich damit beim Besuch der dänischen Königin in Flensburg geübt, aber bei Analogfotografen dauert das Ergebnis dann eben ein bisschen länger :-)
    P.S. Das Titelbild ist nicht zu toppen. Auch das Toilettenbild ist echt gelungen.

    • Was für Bilder überzeugen denn?
      Gerade das Bild mit dem dicken Menschen gibt doch einen ziemlich guten Einblick in den Zustand der USA, es geht doch um den Transport einer Story, um die Beobachtung eines Zustandes.
      Besser kann man doch einen Moment einer Gesellschaft gar nicht einfangen.