03. April 2019 Lesezeit: ~3 Minuten

Auslöser – Das andere Fotomagazin

Ich bekomme regelmäßig neue Magazine für Rezensionen zugeschickt. Viele davon sind gut, aber selten bieten sie wirklich etwas Neues. Umso überraschter war ich, als ich das Magazin Auslöser aus Wien in den Händen hielt. Dabei ist das Konzept gefährlich einfach, aber so gut umgesetzt, dass es wunderbar funktioniert.

In jeder Ausgabe werden vier Fotograf*innen interviewt, ein Fotounternehmen vorgestellt und eine Kamera präsentiert. Klingt wenig, hat aber einen größeren Mehrwert als viele andere Magazine, denn besonders die Interviews sind schön lang, divers und gehen in die Tiefe. Die Gegenüber sind gut gewählt und haben etwas zu erzählen. Dabei bietet jedes Interview einen komplett anderen Einblick in die Fotografie und man kann einiges aus ihnen lernen, auch wenn sie nicht das eigene Fotogenre bedienen.

Aufgeschlagenes Magazin

Aus dem Interview mit Friedl Kubelka

In der ersten Ausgabe spricht Sebastian Gansrigler mit Friedl Kubelka über ihre Selbstportraits und stellt in einem weiteren Interview den Amerikaner Brian Finke vor, der mir bisher unbekannt war und dessen Bilder mich ein wenig an Martin Parr erinnern. Wunderbar ehrlich und humorvoll gibt er in seinen Fotos Einblicke in die amerikanische Gesellschaft: von Cheerleader*innen, über Footballspieler*innen bis hin zu Hinterhofkämpfen.

Ein weiteres Interview beleuchtet die Arbeiten der russischen Fotografin Yanina Boldyreva, die sich in Nowosibirsk zum Teil sehr abgeschottet von der Fotoszene fühlt und sympathisch bescheiden über ihre großartigen, stillen Arbeiten reflektiert. Das vierte Interview mit Wolfgang Zurborn gibt nicht nur einen Einblick in seine Straßenaufnahmen, sondern auch in die Betrachtung von Fotografien im Allgemeinen.

Aufgeschlagenes Magazin

Bilder von Wolfgang Zuborn

Wer Tutorials und Technikanalysen sucht, wird enttäuscht vom Magazin Auslöser sein. Wer sich jedoch eine Alternative zu den bisherigen Magazinen wünscht und sich gern tiefer mit der Fotografie beschäftigen möchte, wird hier einiges für sich mitnehmen können.

Die erste Ausgabe des Magazins Auslöser erschien im März. Neben den erwähnten Interviews stellt es die erste kommerziell hergestellte Kamera der Welt vor und zeigt in einer Fotostory den Fotobuchverlag Steidl. Die Texte sind zweisprachig auf Deutsch und Englisch vorhanden.

Aufgeschlagenes Magazin

Aus dem Interview mit Brian Finke

Das Design erscheint recht simpel und minimalistisch und gibt so den Bildern und Texten genügend Raum. Die Liebe zum Detail erkennt man in der ungewöhnlichen Bindung und auch in der Art der Werbeanzeigen. Natürlich kommt ein Magazin nicht ohne Sponsoren aus, aber hier stört die Werbung nicht und man neigt tatsächlich zum Lesen, während man sie in anderen gedruckten Magazinen eher ausblendet. Aber lasst Euch von der ungewöhnlichen Werbeeinbindung überraschen!

Das Magazin kostet 20 € und kann hier bestellt werden.

Informationen zum Magazin Auslöser

Format: 16 x 22 cm
Seiten: 160
Papier: Circlematt White 300 g/m2 & 115 g/m2
Einband: Schweizer Broschur mit sichtbarer Fadenheftung
Sprache: Deutsch und Englisch
Preis: 20 €

Edit: Um Versandkosten zu sparen, könnt Ihr das Magazin auch über andere Onlineshops in Eurem Land beziehen. Die Shops und Links findet Ihr hier. Für Deutschland nutzt Slanted, für die Schweiz LOREM.

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