26. Juli 2019 Lesezeit: ~3 Minuten

Sebastião Salgado: Gold

Aurum – das chemische Element mit der Ordnungszahl 79 oder mit anderen Worten: Gold. Das ist auch der Titel des neuen Buchs von Sebastião Salgado, das im Juli 2019 im Verlag Taschen erschienen ist.

Das Buch zeigt Salgados vollständiges Portfolio, das in der Goldmine von Serra Pelada, dem „Kahlen Berg“ am Rand des brasilianischen Amazonas-Regenwaldgebiets, im Jahr 1986 entstanden ist. Das 208-seitige Buch im Format 24,8 x 33 cm enthält neben einem informativen Vorwort des Fotografen und einem Nachwort des Co-Autors Alan Riding zumeist großformatige Schwarzweißbilder.

Menschen in einer Mine

Mesnchen in einer Mine

Zur damaligen Zeit dominierten Farbbilder die gedruckten Medien, aber Salgado hat sich bewusst für die schwarzweiße Darstellung entschieden und damit nicht nur das New York Times Magazine überzeugt. Diese Art der künstlerischen Darstellung hat Salgado auch in seinen späteren Langzeitprojekten beibehalten.

Was hat dieses leblose gelbe Metall nur an sich, dass es die Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen, all ihre Habe zu verkaufen und einen ganzen Kontinent zu durchqueren, um ihr Leben, ihre Knochen und ihre Gesundheit für einen Traum aufs Spiel zu setzen? (Sebastião Salgado)

Die Menschen, die auf den meisten Bildern zu sehen sind, werden durch die Größenunterschiede abstrahiert, je nach Betrachtungsabstand sieht man zunächst nur Linien, Punkte und Flächen. Erst durch die Annäherung und eine genaue Betrachtung werden die Punkte wieder zu Individuen, die Linien zu Leitern und schmalen Pfaden am Abgrund, die Flächen zu Erde und Gestein.

Mann schleppt etwas

Zwei Menschen waschen Gestein aus

Die Bilder enthalten viele kleine Details, die es zu finden und zu entschlüsseln gilt. Aus dem Gewimmel Hunderter und Tausender Menschen das komplexe System des primitiven Goldabbaus mit all seinen Schwierigkeiten und Gefahren zu erkennen.

Durch den Verzicht auf die farbige Darstellung der ockerfarbenen, eisenhaltigen Erde, die die Garimpeiros von Kopf bis Fuß eingehüllt hat, gelingt eine sehr kontrastierte und fein abgestimmte Durchzeichnung von Details. Gerade in den erschöpften Gesichtern der Männer, der Muskulatur, den Werkzeugen und Leitern und an ihrer durchnässten Kleidung wird dies deutlich.

Die optische Suche nach Details und Informationen wird nicht durch eine einheitliche, schlammfarbene Eintönigkeit abgelenkt oder fehlgeleitet. Details wie Werkzeuge, Steine, Schuhe, Kleidung, Waffen und Gesichter bleiben auffindbar und erkennbar.

Männer an einer Mine

Menschen im Streit

Auch, wenn der Goldrausch längst vorüber ist und die Mine, in der früher bis zu 50.000 Männer lebten und schufteten, um ein kleines Stück vom großen Glück zu ergattern, geschlossen ist, wirkt er heute noch nach.

Etwa 30 t Gold im Wert von ca. 400 Mio. $ hat die Mine, die nun ein 200 m tiefer, vergifteter See ist, abgeworfen. Der intensive Einsatz von Quecksilber zur Goldgewinnung hat die Umwelt nachhaltig geschädigt und eine tote Landschaft hinterlassen.

Für mich ein echtes Reportage-Highlight mit beeindruckenden Schwarzweißfotos auf hochwertigem Papier.

BuchcoverPortrait eines Minenarbeiters

Informationen zum Buch

„Gold“ von Sebastião Salgado
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Einband: Hardcover
Seiten: 208
Maße: 24,8 x 33 cm
Verlag: Taschen
Preis: 50 €
Ebenfalls erhältlich als signierte und limitierte Collector’s Edition sowie als Art Edition.

Ähnliche Artikel

3 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. „Was hat dieses leblose gelbe Metall nur an sich, dass es die Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen, all ihre Habe zu verkaufen und einen ganzen Kontinent zu durchqueren, um ihr Leben, ihre Knochen und ihre Gesundheit für einen Traum aufs Spiel zu setzen?““

    Die Antwort steht ja weiter unten:

    „Gold im Wert von ca. 400 Mio. $ hat die Mine … abgeworfen.“

    In Serra Pelada, Brasilien, suchte fast eine Million Menschen nach Gold.

    In den USA durch den Goldrausch sind ganze Städte entstanden, Denver, Colorado …

    In Australien soll sich durch den Goldrausch die Bevölkerung sehr rasch verzehnfacht haben.

    Wenn man heute in Brandenburg oder im Emsland Gold finden könnte, würde das genau so ablaufen. Wetten?

    Zum Fotografischen: Salgado hat eine Menge Detail mit Duka-Techniken wie Unscharfmasken, „Dodging and Burning“, „Bleach Bypass“ herausgearbeitet. Das ging eben auch schon in analogen Zeiten sehr gut.

  2. Bei allem Respekt für Salgado, mir fehlt hier eine kommentierende und vielleicht sogar notwendige Auseinandersetzung mit dessen suggestiver Bildästhetik. Und dazu ist ja schon viel geschrieben worden. Aber so bleibt das ganze doch eher eine Buchwerbung.

  3. Ich finde es als Buchbesprechung gut. Ich mag auch Salgado. Aber hier sehe ich Fotos, die ich in seinen anderen Büchern schon gesehen habe. Da waren sie schlüssiger. Beim Thema Gold gibt es sicher mehr Fotografen, die dazu gute Fotos gemacht haben. Die zusammen in einem Band wäre wirklich neu.