Aufnahme des Covers von Janine Graubaums Bildband Kosmos Train
30. August 2016 Lesezeit: ~3 Minuten

Rezension: Kosmos Train von Janine Graubaum

Ob laut, eng und voll oder leise, leer und gedämpft: Zugreisen in fremde Länder sind stets etwas Besonderes, denn sie ermöglichen uns einen hautnahen Zugang zu den Bewohnern eines Landes, so lange wir uns bemühen, die Züge so zu nutzen wie die Einheimischen selbst.

Eben dies hat die Fotografin Janine Graubaum getan, als sie Tausende Kilometer mit der Eisenbahn von Albanien bis nach Weißrussland reiste und die Impressionen dieser etappenweisen Fahrt im leisen kleinen Bildband „Kosmos Train“ verewigte.

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches mit doppelseitiger Abbildung einer Innenaufnahme aus dem Zug mit einer von hinten abgebildeten Frau im Vordergrund und drei Frauen mit Kopftüchern im Hintergrund

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches mit doppelseitiger Abbildung eines Mann mit einer schwarzen Lederjacke im Vordergrund und einer langhaarigen Person im Hintergrund, die aus dem geöffneten Zugfenster schaut

Der Bildband wartet mit Impressionen aus Zugreisen quer durch die Ukraine, Moldawien, Rumänien, Serbien, Mazedonien, Albanien, Weißrussland und Russland auf; es sind jedoch die Fotos aus der Ukraine, die das Buch prägen. Der Charme der alten Sowjetzüge war es, der Janine immer wieder in den Bann zog.

Während ihrer Fahrten breitete sich vor ihren Augen eine Szenerie aus, in der die Zeit gleichsam stehenzubleiben schien, in diesen von verblassten Farben, blätterndem Putz und dem Nebeneinander von Gestern und Heute bestimmten Innenräumen und den spannenden kleinen Paralleluniversen, die sich an den Bahnsteigrändern den staunenden Beobachter*innen offenbarten.

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches mit doppelseitiger Abbildung, auf der ein Mann in einer leeren Bahnhofshalle zu sehen ist

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches mit doppelseitiger Abbildung, auf der ein Mann zu sehen ist, der zwischen zwei Zügen im Gleisbett steht

Der Ausflug in die Welt der Sowjetzüge beginnt abends an der Bahnsteigkante. Wir sehen den Passagieren zu, wie sie langsam im Licht der Straßenlaternen in die Abteile steigen. Gemeinsam mit der Fotografin bewegen wir uns durch den Zug, vorbei an schlafenden Menschen, Schaffnern und älteren Damen mit Kopftüchern.

Bald wird es Morgen und mit der aufgehenden Sonne richtet sich der Blick nach außen, auf die vorbeiziehende Landschaft und die Bahnhöfe, hin zum Mikrokosmos aus Bahnangestellten, Reisenden und Händler*innen entlang der Strecke.

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches mit doppelseitiger Abbildung, auf der eine Landschaftsaufnahme von einem Berg im Hintergrund und einem Haus im Vordergrund sowie drei Menschen auf einer Landstraße zu sehen ist

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches mit doppelseitiger Abbildung, auf der eine Menschenmenge an einem Bahnsteig zu sehen ist

Die Zeit vergeht, aus Tag wird Nacht, auf Sommer folgt Winter. Wir tauchen ein in eine ganz eigene Welt, in der die Uhren langsamer ticken und die Stunden träge dahingleiten, während wir uns halb wachend und halb schlafend den Bildern um uns ergeben.

Schnee legt sich leise auf Wiesen und Wälder und die grauen Betonböden der Bahnstationen. Abermals fahren wir in einen Bahnhof ein und erreichen das Ziel unserer Reise, die uns kreuz und quer durch Osteuropa führte. Ganz am Ende wartet noch ein Essay der Osteuropakennerin Diana Laarz auf uns, dann werden wir wieder entlassen aus der betörenden Welt der zerfallenden Sowjetzüge.

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches mit doppelseitiger Abbildung eines nächtlichen Bahnhofs mit einfahrendem Zug

Aufnahme des aufgeschlagenen Buches, links schwarze Seite, rechts Text

„Kosmos Train“ von Janine Graubaum, die ihr Handwerk am Lette Verein erlernte, ist bei Peperoni Books erschienen, umfasst 96 Seiten und kostet 36 €. Erworben werden kann das Buch via Amazon oder auf der dazugehörigen Webseite.

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4 Kommentare

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  1. Zugfahren wie aus einer anderen Zeit. Ich erinnere mich noch als Kind welche Faszination der Hauptbahnhof ausgeübt hat, für mich war das die große weite Welt.
    Danke für’s mitnehmen auf die Reise.