05. August 2016 Lesezeit: ~5 Minuten

Von der Idee zum Bild mit July Federkiel

Geben wir unsere Ideen und Träume der Wirklichkeit preis, ist dies oft mit der Sorge verbunden, dass sie nicht standhalten oder gar von anderen attackiert werden. Also halten wir sie vielleicht sogar aus Angst zurück, bis es uns gelingt, alle Bedenken zu überwinden.

Mit dem Schritt, meine eigene Angst zu überwinden, habe ich mich lange Zeit sehr schwer getan. Doch nach dem ersten war der nächste Schritt schon viel leichter und ehe ich mich versah, hatte ich eine neue Richtung eingeschlagen. Die Leichtigkeit nach dem Treffen einer schweren Entscheidung habe ich versucht, in diesem Bild festzuhalten.

Skizzen

Dieses Gefühl in einem Bild einzufangen, fiel mir zunächst nicht leicht, sind meine Fotos doch sonst von eher düsteren Themen inspiriert. Während ich skizzierte, versuchte ich, noch keinen Gedanken darauf zu verwenden, wie ich meine Idee später umsetzen kann, um mich bei der Ideenfindung nicht einzuschränken.

Auf der Suche nach der passenden Symbolik konzentrierte ich mich zuerst auf die Darstellung des zurückgelassenen Gewichts: Steine, Anker und schwer beladene Kisten – bis ich erkannte, dass ich mich dem Bild von der falschen Seite aus näherte. Es sollte im Bild doch um die Leichtigkeit gehen und nicht um die drückende Last.

Die Kiste blieb in der Skizze erhalten, doch nicht länger als Ballast. Weit geöffnet sollten aus ihr die Träume ungehindert aufsteigen. Ich entschied mich, diese durch Wolken darzustellen, um das leichte Gefühl noch zu unterstreichen. Einmal frei gelassen, gibt es keine Möglichkeit mehr, sie wieder zurück zu holen und ihr Flug ist nur noch indirekt durch den Wind steuerbar.

Als letztes folgte die Wahl einer entsprechenden Location. Für mich kam nur das Meer in Frage, denn es bedeutet für mich Freiheit und unbekannte Versprechen hinter dem Horizont. Mit meiner Idee konnte ich einen Freund als Modell gewinnen und auch für den Ausflug ans Meer begeistern. Noch nie bin ich für ein einzelnes Motiv so weit gefahren, aber es war wohl Zeit für mehr als nur einen neuen Schritt.

Eine letzte Herausforderung blieb: Wie fängt man sich seine Traumwolken? Ich wollte kein Stockmaterial verwenden und stattdessen Wolken wirklich mitnehmen. Diese zupfte ich schließlich aus Watte zurecht und füllte damit einen Karton, der die Kiste aus der Skizze ersetzte.

Wolken

Nach einer zweistündigen Fahrt ging es auf den Deich in Richtung Strand, mit Blick auf die weite Marschlandschaft. Das Meer wirkte mir jedoch plötzlich als Hintergrund viel zu ablenkend und ich folgte meiner Intuition, trotz der weiten Anfahrt für die Aufnahmen zurück auf den Deich zu gehen.

Unter den neugierigen Blicken einiger Spaziergänger suchten wir den richtigen Ort aus und gemeinsam mit meinem Modell begann ich, die Pose herauszuarbeiten. Wo zum Beispiel soll die Kiste genau stehen und wie die Hand darauf liegen? Manchmal ist es nur eine leicht andere Hand- oder Kopfhaltung, die dem fertigen Foto einen viel stärkeren Ausdruck verleiht.

Bei den Aufnahmen stand meine Kamera auf einem Stativ, so dass ich in der Nachbearbeitung zwischen den verschiedenen Varianten auswählen und leichter auch nur einzelne Teile verwenden kann. Zufrieden mit der Pose fotografierte ich als nächstes die Wolken und zuletzt noch einmal den Hintergrund, um die Möglichkeit zu haben, diesen im fertigen Bild zu erweitern.

Bildbearbeitung an einem Beispiel

Wieder zurück vom wundervollen Tag am Meer begann ich mit der Nachbearbeitung, um die Einzelteile zusammenzufügen und die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Mit meiner ersten Auswahl der Aufnahmen schnitt ich das Bild grob zurecht. Ich entschied, auf welche Seite die Kiste kommen sollte, definierte den Flug der Wolken und suchte mir die Blickrichtung des Modells aus.

Glücklich mit der Komposition begann die Fleißarbeit, alle Teile freizustellen und die Übergänge verschwinden zu lassen. Hier nahmen besonders die Wolken einige Zeit in Anspruch. Das Licht und die Farbwelt passte ich als nächstes an, die hell und mit warmen Farben die Stimmung unterstützen sollte. Zur Fertigstellung fügte ich noch einige Texturen hinzu. Wie so oft begriff ich erst während der Bearbeitung, wie viel hinter diesem Bild eigentlich steckt und dass meine erste Idee nur der Startfunke für einen neuen Weg gewesen ist.

Mann sitzt neben einer Kiste aus der Wolken schweben

Meine bisherige Erfahrung ist für mich unglaublich wertvoll und durchweg positiv. Seit ich begonnen habe, einen Blick hinter die Bilder zu gewähren, erhalte ich immer wieder Nachrichten, in denen Betrachter mit mir teilen, was sie in meinen Bildern finden. Sei es Verständnis, Selbsterkenntnis oder den Anstoß für einen eigenen Schritt.

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