Zwei Mädchen auf der Veranda.
17. Mai 2016 Lesezeit: ~3 Minuten

Die Fragilität des Lebens

Leslie Niemöller lebt und arbeitet in Köln und ist Mutter von fünf Kindern im Alter von 12 bis 27 Jahren. Ihre beiden Töchter hat sie einige Sommer lang fotografisch begleitet und die dabei entstandenen Bilder in den drei Serien „roadmovie“, „open border“ und „secret garden“ auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ihre erste Kamera, eine Nikon FE2, bekam sie schon mit 14 Jahren von ihrem Vater geschenkt. Damals fotografierte sie oft ihren kleinen Bruder und später eine lange Zeit nur die gemeinsamen Urlaube der Familie. Erst 2008 kaufte sie sich eine digitale Spiegelreflexkamera, mit der sie hauptsächlich ihre beiden Töchter im Garten fotografierte.

Da gab es eine Zeit, ein paar Jahre, in der ich den ganzen Sommer mit den beiden Mädchen draußen saß, gelesen habe, ihnen beim Spielen zugeschaut und eben immer wieder Fotos gemacht habe.

Ein Mädchen liest ein Kinderbuch.

Eine tote Elster in der Hand eines Mädchens.

Ein Mädchen steht im Garten und hat einen Korb auf dem Kopf.

Anfangs stellte sie die Bilder ihrer Töchter nur auf Facebook aus und musste sich schnell damit auseinandersetzen, dass es Menschen gab, die ihr das übel nahmen. Glücklicherweise wurde aber auch Jock Sturges auf Leslies Bilder aufmerksam und fragte sie, ob sie sich vorstellen könnte, ein Buch zu veröffentlichen, das dann im letzten Jahr auch im Verlag Vevais erschienen ist.

Die Bilder offenbaren eine Welt, die es so in ihrer Gänze vielleicht nirgends gibt, von der wir aber alle träumen: Die Geborgenheit eines warmen Sommerabends, die Unschuld des Tages und die Verbundenheit aller Dinge. Das, was den Betrachter vielleicht ebenfalls anzieht, ist das Fehlen von Eitelkeit, die Aufnahmen sind fast gänzlich frei davon.

Meine Töchter fanden es ganz normal, fotografiert zu werden, ich habe sie allerdings auch selten zum Posieren angehalten. Jetzt fotografiere ich sie nur noch ganz wenig, denn sie haben nun ganz andere Vorstellungen davon, wie sie auf Fotos aussehen sollten. Jetzt wollen sie hauptsächlich „gut“ aussehen und das gefällt mir nicht.

Zwei Mädchen schlafen in einem Bett und umarmen sich.

Ein Mädchen hinter einem Wildblumenstrauß.

Ein Mädchen und ein älterer Junge sitzen in einem Auto.

Auf meine Frage, was sie fotografisch inspiriert, antwortet Leslie mir:

Meine Inspiration ist mit Sicherheit in erster Linie meine depressive Neigung. Ich fotografiere nie konzeptionell, aber die Situationen, die ich sehe und fotografiere, haben immer mit meiner eigenen schwierigen Kindheit zu tun.

Ich stelle sehr oft die Beziehung zwischen den Fotografierten dar und auch die Beziehung, die sie zu mir haben. Oft behandeln meine Fotos die Fragilität des Lebens. Mir ist das aber erst nach einigen Jahren aufgefallen.

Bilder in einem Medaillon, das sich ein Mädchen an die Lippen hält.

Zwei Mädchen gemeinsam unter einem Tuch.

Zwei Mädchen hinter Folie

Das Buch „NIE“ von Leslie Niemöller könnt Ihr beim Verlag Vevais für 18 € ordern. Wer eine persönliche Widmung im Buch haben möchte, der bestellt es lieber direkt bei Leslie Niemöller. Ein Besuch auf ihrer Webseite sei aber ohnehin zunächst jedem ans Herz gelegt.

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2 Kommentare

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  1. Ein schöner Artikel. Der Text verbinden sich in meinem Kopf mit den Fotos tatsächlich zu diesem angenehmen, melancholischen Gefühls eines schönen, stillen Sommerabends, der aber kurz vor einem heftigen Gewitter steht. Das symbolisiert für mich ganz toll die fröhlichen Tage der Kindheit verbunden mit den depressiven Neigungen der Fotografin.
    Und ich freue mich durch diesen Artikel jetzt noch mehr auf den Sommer.