Eine Frau in einer Hängematte
24. Juli 2015 Lesezeit: ~3 Minuten

Paralleluniversum

Wir haben seit einem Jahr einen Garten. Anfangs waren wir mächtig überfordert. Mehrere Apfel- und Kirschbäume wollten gepflegt werden. Igel und andere Tiere suchten Unterschlupf und Rosen und andere Gewächse wollten richtig beschnitten werden, damit sie große und tolle Blüten tragen. Und auch die Gartennachbarn schauten immer mal interessiert über die hochwuchernde Hecke.

Aber was das mit Fotografie zu tun hat, fragst Du? Eine ganze Menge.

Denn dieser Garten ist unser Leben und die Menschen, die uns dort besuchen, laufen staunend durch ihn hindurch und sind am Ende wie Kinder, die das Paradies entdeckt haben. Das klingt groß und gewaltig und in unseren Herzen ist dieser Ort auch genau das.

Eine Frau sitzt frontal zu uns und hat etwas in den Händen.

Das zaghafte Licht wandert durch die Fensterscheiben und umwebt den Körper, der sich im Inneren befindet.

Und wieder sitzt eine Frau im Sessel und fängt das Licht.

Das Licht mag Oberschenkel und ruht sich gern darauf aus.

Jedes Mal, wenn wir wieder dort draußen sind, sehen wir etwas Neues. Als wir im Februar das erste Mal nach dem Winter den Garten besuchten, begrüßte er uns mit einem Teppich aus blassblau blühenden Krokussen. Wir waren für Minuten sprachlos und erzählen unseren Freunden mit leuchtenden Augen von diesen Dingen.

Wenn mein Vater mich anruft, muss ich ihm berichten, wie es den Apfelbäumen geht und ich kann ihm sagen, dass sie sich unter der Last der vielen Äpfel biegen; sich die Äste wie lange Arme nach unserem Haus ausstrecken, um sich auf dem Dach von ihrer Mühsal auszuruhen. Ich muss ihm auch jede neue Blüte aufzählen, die wir entdeckt haben. Mein Vater ist immerhin Botaniker.

Eine Frau windet sich um einen Baum.

Die Rinde unseres alten Apfelbaums kühlt im Sommer aufgewärmte Haut.

Eine Frau hält einen Apfel

Die Ernte vom letzten Jahr. Das Fruchtfleisch der Äpfel ist süß und saftig.

Aber das Schönste ist, wenn wir Freunde und auch mal Unbekannte dorthin einladen. Wie schnell sie sich entspannen und scheinbar alle Last von ihnen weicht, das ist schön mitanzusehen.

Oft forschen wir dann gemeinsam mit der Kamera unterm Arm nach Geschichten. Denn sie verstecken sich überall. Ob oben auf dem Dachboden des alten Hauses, auf der Terasse oder hinterm Haus beim Wasserhahn, wo wir uns erst durch dickes Farngewächs kämpfen mussten.

Füße und Farn.

Vor dem Sprung ist nach dem Sprung.

Hände, Wasser, Farn

Im Hochsommer ein beliebter Platz.

In dieser Zeit existiert der Alltag nicht mehr, Probleme sind vergessen oder lösen sich sogar auf, weil sie nur Gedankenschranken im Kopf waren. Wir sind dann Kinder im Erwachsenenkostüm, finden die Welt für einen Moment unfassbar schön, staunen über die Süße von Stachelbeeren und Kirschen und erinnern uns an die Unberschwertheit, die wir einst im Herzen trugen.

Ich hoffe, der kleine Einblick in unser Universum hat für Erfrischung gesorgt. Bei den heißen Temperaturen werden wir auch gleich wieder unsere Sachen packen und die Tage dort draußen verbringen. Bis später.

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22 Kommentare

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  1. Danke für die Erfrischung!
    Jetzt bin ich richtig neugierig geworden wie der Garten denn aussieht :-) .

    Sehr schöne Bilder, banal und dennoch zeigen sie eure Mühe und Begeisterung für den Garten.
    Kann ich nachvollziehen.
    So ein Garten bringt echte Entspannung.

    Vielleicht zeigt ihr uns auch noch ein Panorama von dem Garten ;-)

    Schöne Grüße
    Stefan

    • Wir haben vor einem Jahr jeden Busch, Baum und Pflanze fotografiert und meinem Vater geschickt damit er uns die Sachen bestimmt und/oder sagt was davon Unkraut bzw. invasive Pflanzen sind :D Ein Panorama ist schwer anzufertigen. Sobald man seine Kamera auf ein Stativ stellt und alles einfangen will, tanzen wieder alle Bäume und Pflanzen wie wild herum. Ein Sauhaufen ist das sag ich dir.

  2. „You can find it all inside
    No need to wrestle with your pride
    No you ain’t losin‘ your mind
    You’re just in the garden
    They can lead you to yourself
    Or you can throw it on the shelf
    But you know you can look inside
    For the garden“

    Guns n Roses: The Garden

  3. Meine Güte! Wo lebt ihr denn im normalen Leben, daß euch Krokusse so maßlos in Staunen versetzen? So etwas ist hier in Berlin im Frühling auf so ziemlich jeder zweiten Wiese zu beobachten. Geht ihr sonst so blind durchs Leben. Nicht das der eigene Garten nicht etwas Besonderes ist, ein Rückzugsort nur für einen selbst und nicht zuletzt der idealste Ort ungestört mit Freunden zu grillen.
    Aber wie unglaublich verklärt hier über ein Stück Grün gesprochen wird wirkt arg überspitzt und dadurch infantil. Nicht mal meine vier Jahre alte Tochter, deren Welt jeden Tag etwas größer wird, klingt nicht derart kindlich wenn sie mal wieder etwas Spannendes entdeckt hat.

    Die Dinge die in diesem Text beschrieben werden sehe ich wenn ich aus meine Haustür trete und über die Straße gehe.
    Die Fotos die hier gezeigt werden (von denen für einen Artikel über einen Garten erstaunlicherweise ein Großteil aus Innenaufnahmen besteht) kann man hier in den Ecken fast jeder Grünfläche machen. Hier kann man unter Umständen Falken beobachten, wenn man Glück hat läuft einem abends der Fuchs über den Weg. Bis vor ein paar Jahren konnte man anschaulich sehen, daß Kaninchen nicht nur kuschelig und wuschelig sind sondern, wenn zu viel da, auch Schaden anrichten können. Da sieht man wie anpassungsfähig die Natur ist. Das sind die wirklichen Wunder. Das kann man sehen wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht. Dafür darf man aber kein verklärtes kleines Kind im Erwachsenenkostüm sein.

    PS: gibt es eigentlich einen erklärbaren Grund warum der ich seit einigen Tagen nicht mehr unter seinem ursprünglichen Pseudonym posten kann? Und das auf vier verschiedenen Geräten und von drei verschiedenen Netzzugängen. Nur der Neugierde halber!

    • Daß der Autor nicht über dieses Fragment hinaus denkt und existiert und vermutlich nur ein armes, komplett naturentfremdetes Stadtkind mit naiv-verklärtem Blick durch die postmoderne Sinnsuchbrille ist, ist *Deine* Annahme. Daß Du dann all das hier hinschreiben mußtest, weil Dir Hipster, Hippies und der ganze Emokram ganz furchtbar auf den Sack gehn, ist meine Annahme. But you know: if you assume, you make an…

    • da hat aber jemand sehr schlechte laune. würde dir glatt ein paar stachelbeeren anbieten aber sicher warst du schon auf der jagd und hast ein paar stadtkinder erlegt, mit worten.

  4. Tolle Bilder und wirklich romantisch geschriebener Text.

    Aber bin ich der einzige, der die im Text beschriebenen Krokusse und den sonnendurchfluteten Garten in den Bildern nicht wiederfindet? Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob der Fotograf vor dem Fotografieren einen Horrorfilm gesehen hat.

  5. Liebe Marit,

    hat mir sehr gut gefallen.
    Es ist gar nicht so einfach Bilder aus dem (eigenen) Garten zu machen, ohne darin zu verfallen, eine nur botanische Doku anzufertigen. Der persönliche, der subjektive Blick kommt bei Dir fein rüber. Du erzählst von der Art und Weise, wie Dich der Garten berührt, und die Fotografie finde ich dazu ausgesprochen passend. Sie gibt dieses Moment sehr schön wieder.

    vG Jürgen

  6. Wirklich sehr schöne und besondere Bilder, hab gleich mal bei Flickr den ‚folgen‘-Button gedrückt! Den Text fand ich allerdings etwas unbeholfen und hölzern (ha, passend zum Gartenthema! Sorry.) geschrieben, aber darum geht es ja nur sekundär.