07. März 2014 Lesezeit: ~5 Minuten

Einfach mal anders

Wenn ich im Internet durch Abertausende Fotos stöbere, kommen mir oft Bilder unter, die durch aufwändige und ungewöhnliche Requisiten auffallen. Es kann aber auch genau das Gegenteil der Fall sein: Einfache Alltagsgegenstände werden gekonnt in Szene gesetzt oder so verfremdet, dass sie besonders interessant wirken.

Genau diesen Gedanken finde ich toll und daher versuche ich, ihn auch in meinen Fotos umzusetzen. Einerseits habe ich nicht das nötige Kleingeld, um mir teure Requisiten für meine Bilder anzuschaffen, anderseits fasziniert mich auch, wie man mit einfachen Mitteln schöne Fotos machen kann.

my own little place © Petra Holländer

Für meine Fotos verwende ich am liebsten Gegenstände, die entweder sehr schlicht sind, wie zum Beispiel Papier, oder Dinge, die noch einen gewissen Raum für Kreativität lassen. Darunter fällt etwa eine Glühbirne, die man, wie Ihr im Folgenden sehen werdet, zum Beispiel mit Wasser füllen kann, was wiederum einen interessanten Effekt hat.

Natürlich finden sich auch Gegenstände in meinen Bildern wieder, die einfach nur ihren Zweck erfüllen, wie beispielsweise ein Koffer. Viel spannender finde ich es aber, wenn Gegenstände zweckentfremdet werden, wenn aus Papier eine Art Riesenschal wird oder ein Vorhang als Kleidungsstück fungiert.

what if I can see into your soul © Petra Holländer

Wie aber findet man am besten solche Gegenstände? In meinem Fall gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich suche explizit nach ihnen oder sie finden mich!

Wenn ich auf der Suche nach Requisiten bin, laufe ich meist mit dem Gedanken, was ich denn nur fotografieren soll, durch meine Wohnung. Ich stöbere in Kisten und reiße Schranktüren auf, mit der Hoffnung, endlich eine zündende Idee und die passenden Gegenstände zu finden.

Oft lasse ich mich dann einfach von den gefundenen Dingen inspirieren oder denke krampfhaft nach, was sich wohl damit anstellen lässt. Als besonders hilfreich empfinde ich meine Fotokiste, in der ich Sachen sammle, die ich vielleicht einmal für Fotos verwenden könnte.

Findet jedoch umgekehrt ein Gegenstand mich, dann läuft das so ab: Mir fällt etwas in die Hand oder ich sehe ein Ding, das in mir sofort ein Bild erzeugt, das mir eine genaue Idee für ein Foto liefert oder ich sehe es schon fix und fertig vor meinem inneren Auge. Dabei bin ich meist ziemlich aufgeregt vor Freude und kann es gar nicht erwarten, das Foto zu realisieren!

deceive yourself © Petra Holländer

Das Foto mit den weißen seltsamen Ballons ist so entstanden, dass ich Geld sparen wollte und die billigsten Müllsäcke gekauft habe, die sich finden ließen. Im Endeffekt waren sie zu klein und zerrissen sehr leicht. Es war mir aber auch zu schade darum, sie einfach zu entsorgen. Was sollte ich also damit tun? Natürlich ein Foto machen!

So entschloss ich mich, die Säcke aufzublasen, an Schnüren zu befestigen und sie als eine Art Luftballons zu verwenden. Im endgültigen Foto erinnern sie mich jedoch eher an flauschige Wolken, die auch das Konzept, sich selbst zu täuschen und zu behaupten, alles sei okay, untermauern, indem sie optisch ein weiches, himmlisches Umfeld erzeugen.

Wie die folgenden Fotos zeigen, kann man mit einfachen Dinge auch tolle Effekte erzielen, die das Bild ergänzen, anstatt die Gegenstände in den Vordergrund zu rücken.

prisoner © Petra Holländer

Dieses Foto war eher ein Versuch, der schlussendlich besser geworden ist, als anfangs gedacht. Dabei habe ich durch eine Glasscheibe fotografiert, an der ich zuvor schwarze Farbe hinablaufen ließ. Zusätzlich habe ich auch etwas Mehl darüber verteilt, das dann einen interessanten Effekt im rechten oberen Bereich ergab. Die bemalte Glasplatte selbst sah eigentlich nicht sonderlich spektakulär aus, weshalb ich über das Ergebnis besonders überrascht war.

winter rose © Petra Holländer

Das Foto mit der weißen Rose ist ein eher simples Portrait, das ich durch Alufolie ein wenig aufzupeppen versuchte. Die Alufolie erkennt man auf den ersten Blick wohl nicht, da ich sie ein wenig zweckentfremdete.

Ich habe nämlich aus einem quadratischen Stück Folie einen Kreis ausgeschnitten, durch den ich dann hindurch fotografierte. Die etwas zerknüllte Alufolie lag außerhalb des Schärfebereichs und reflektierte das Licht, sodass sie eine schönes Bokeh erzeugte, das das Bild umrahmt.

Für mich sind Alltagsgegenstände als Fotorequisiten nicht nur eine preisgünstige Möglichkeit, sondern fordern mich auch auf, meine Kreativität zu nutzen, um Neues zu erschaffen. Es gibt so viele tolle Dinge, die nur darauf warten, fotografiert zu werden und ich kann es gar nicht erwarten, sie alle in Bildern zu verwenden!

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15 Kommentare

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  1. Mein Lieblingsbild ist das prisoner. Aber auch auf Flickr sind viele gute Bilder dabei. Minimalistisch zu Arbeiten ist gerade im Moment ein Thema das mich sehr interessiert, auch hinsichtlich von Requisiten.

    Tolle Bilder, weiter so und danke fürs zeigen. Und wer weiß, vielleicht läuft man sich ja mal in Wien über den Weg.

  2. Ein wunderbarer Beitrag mit sehr schönen und inspirierenden Fotos wird hier uns präsentiert.
    Alltagsgegenstände zu benutzen oder zu zweckenfremden führten hier zu ausergewöhnlichen Konzeptaufnahmen.
    Jedes einzelne Foto ist fantastisch gelungen, aber gerade die Portraitaufnahme durch die, mit schwarzer Farbe und Mehl behandelten Glasscheibe fotografiert wurde ist mein absoluter Favorit.
    Gruß, Andreas

  3. Der Blick des Fotografen, entscheidet über gestalten und entstehen eines Bildes.
    Der Blick des Betrachters, entscheidet ob es berührt und gefällt.
    Mir gefällt was ich lese und sehe.

  4. ich sag nur ‚F is for Fade‘ – meiner Meinung nach ein großartiges Bild (auf flickr)- mein persönlicher Favorit, leider kaum beachtet. -jedoch ganz ohne Requisiten (noch günstiger ;)
    Danke für den Beitrag + Bilder!

  5. Hallo Petra. Auch von mir mal ein großes Lob. Ich finde es ganz außerordentlich, welche Philosophie Du da für Dich entwickelt hast. Mir scheint, als die Herangehensweise „mit wenig viel machen“ sehr viel Kreativität fordert – und damit auch fördert und Du somit auch von Bild zu Bild besser wirst. Danke, dass Du Deine Gedanken und Bilder bei uns geteilt hast.

  6. Vielen Dank für all die tollen Kommentare! Ich freue mich wirklich sehr, so viel positives Feedback zu bekommen – vor allem weil ich etwas unsicher war, ob meine Fotos und meine Herangehensweise gut ankommen würden ;)

  7. Blogartikel dazu: Links vom Rhein, 20. März 2014 | Hendryk Schäfer

  8. Blogartikel dazu: Wochenrückblick #75 » ÜberSee-Mädchen