01. Februar 2014 Lesezeit: ~2 Minuten

Die Realität ist interessant genug

Fotografie ist nur ein Medium. Wenn Du etwas sagen willst, kannst Du es malen, singen, aber Du kannst auch fotografieren. Es ist nicht wirklich wichtig, welches Medium Du wählst, viel wichtiger ist der Inhalt Deiner Arbeit.

Mein Interesse an der Fotografie begann recht unspektakulär mit dem Fotografieren meiner Familie. Nachdem ich erste Erfahrungen gemacht hatte, las ich mich ins Thema ein und entwickelte ein wachsendes Interese für den Fotojournismus.

© Marek Wykowski

Zu dieser Zeit fand ich die Arbeiten von Magnum-Fotografen wie Alex Webb, Paolo Pellegrin und Henri Cartier-Bresson spannend. Durch das Studium ihrer Bilder lernte ich einiges über Bildkomposition, Bildgestaltung und die Wichtigkeit des Lichtes.

Des Weiteren begann ich, Fotobücher zu kaufen, was zu einer Erweiterung meiner Interessen beigetrug. Ich bemerkte, wie mich dokumentarische Fotografie mit einem stark persönlichen Bezug mehr und mehr anzog.

© Marek Wykowski

Für mich sind Fotos vor allem dann ansprechend, wenn sie erst auf den zweiten Blick ihre volle Tiefe offenbaren, den Betrachter langsam in sich hineinziehen und die Vorstellungskraft anregen – und das alles, ohne sofort die komplette Geschichte zu erzählen. Beispiele solcher Wirkung finden sich bei Joel Sternfeld, Alec Soth, Guy Tillim oder Clare Richardson.

Ich glaube ganz stark daran, dass ein Fotograf so viele Arten der Fotografie wie möglich ausprobieren sollte, um die zu finden, die zu seiner Persönlichkeit passen. Und ich meine, dass dies nicht mit logischem Denken erreicht werden kann.

© Marek Wykowski

Man muss einfach versuchen, herauszufinden, welche Art der Fotografie einen am zufriedensten macht. Außerdem kann man von jedem dieser Experimente etwas für die zukünftige Arbeit lernen.

Da ich meine Freiheit sehr wichtig finde, ist der optimale Weg für mich, herumzulaufen und ganz langsam nach Bildern zu suchen. Geschichten in meinem Kopf zu spinnen und darauf zu warten, bis alle Elemente des Bildes zusammenpassen, um ein gutes Foto zu kreieren.

© Marek Wykowski

Ich bin eine visuelle Person, achte stark auf eine sorgfältige Komposition und schätze den Wert facettenreicher Farbschattierungen. Ich bevorzuge natürliches Licht und vermeide eine exzessive Nachbearbeitung der Aufnahmen.

Für mich ist die Realität interessant genug. Und wenn man Geduld hat, auf eine spannende Szene zu warten, wird man mit einem großartigen Foto belohnt.

Dieser Artikel wurde von Martin Gommel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Ähnliche Artikel

13 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. „Es ist nicht wirklich wichtig, welches Medium Du wählst, viel wichtiger ist der Inhalt Deiner Arbeit.“ – Toll mit dreifachem Ausrufezeichen!!! Inbesondere in Zeiten, in denen eine überdehnte Anwendung von Photoshop das Nichtvorhandensein von Inhalt überdecken soll! Großartig, danke für den Artikel und die tollen Arbeiten!

    • „Es ist nicht wirklich wichtig, welches Medium Du wählst“ bedeutet auch, dass an einer „überdehnten Anwendung von Photoshop“ rein gar nichts auszusetzen ist.

      • Das stimmt. Meiner Meinung nach darf jeder machen was und worauf er Lust hat. Wenn man Fotografie als Handwerk und Hobby begreift, ist es völlig in Ordnung, Photoshop auszureizen. Wenn Photoshop mangelnden Inhalt überblendet, finde ich das nicht besonders interessant.

        Meiner Meinung nach hat Kunst mit Inhalt zu tun. Ich glaube, das ist die größte Hürde in der Kunst: Etwas aussagen zu können. Das schafft nicht jeder, deshalb gefällt mir dieser Artikel so gut. Wenn Fotokunst mit Aussage verknüpft wird, ist sie meiner Meinung nach am stärksten, dann meinetwegen auch in Kombination mit einer Photoshop Ästhetik, wenn sie die Aussage unterstreicht!

  2. Fantastisch. So präzise in der Aussage (auch wenn man „zuhören“ muss), unterstrichen durch die Farbtöne.

    Das unterstreiche ich komplett:

    „Für mich sind Fotos vor allem dann ansprechend, wenn sie erst auf den zweiten Blick ihre volle Tiefe offenbaren, den Betrachter langsam in sich hineinziehen“