07. Januar 2014 Lesezeit: ~5 Minuten

Landschaftsfotografie zur Mittagszeit

Ich fotografiere nun seit zirka fünf Jahren hauptsächlich Landschaften. Eine der ersten sogenannten Regeln für Landschaftsfotografen, die ich damals gelernt habe, war, dass die beste Fotozeit während der Morgen- und Abendstunden ist. Mittags lässt man die Kamera besser im Rucksack oder zu Hause.

Lange Zeit war ich selbst ein großer Verfechter dieser Regel. Im weichen Licht der Dämmerung lassen sich leichter stimmungsvolle Fotos aufnehmen. Beginnt dann noch der Himmel zu glühen, ist das fast schon eine Garantie für spektakuläre Fotos, wenn man sich vorher die Zeit genommen hat, ein passendes Motiv zu suchen.

Durch Befolgen dieser Regel habe ich mich jedoch über Jahre hinweg stark eingeschränkt, immer auf der Jagd nach dem nächsten spektakulären Sonnenauf- oder -untergang. Besonders auf Reisen kann das zu einem Problem werden, wenn man nur wenig Zeit an einem Ort verbringt.

Ich wusste einfach nicht, wie man unter dem harten Licht der Mittagssonne gute Fotos macht. Aber auch dafür gibt es ein paar Rezepte, die ich Euch hier kurz vorstellen möchte. Die folgenden Beispiele sollen dabei weniger eine konkrete Anleitung zum Fotografieren zur Mittagszeit darstellen, sondern als Inspiration dienen.

Fallen Leaves © Michael BreitungGrobbach © Michael Breitung

Wald

Unter dem dichten Blattwerk eines Waldes kann man auch bei klarem Himmel und Sonnenschein einzigartige Stimmungen einfangen. Es entsteht ein interessantes Schattenspiel. Um mit den Kontrasten umzugehen, sind oft mehrere Belichtungen und DRI-Techniken in der Nachbearbeitung nötig. Als Ergebnis erhält man aber nicht selten Bilder wie aus einem Märchen.

Wahclella © Michael Breitung

Schluchten

Tiefe Schluchten lassen selbst bei hochstehender Sonne nur wenig Licht den Boden erreichen. Das einfallende Licht wird durch die Felsen und Wände der Schlucht geformt. So entstehen einzelne Lichtspots und manchmal fällt das Licht wie ein Fächer durch Felsspalten. In Kombination mit Wasser und der Gischt, die sich über einem tosenden Bach bilden kann, sind alle Zutaten für spannende Fotos vorhanden.

Rappensee © Michael Breitung

Quellwolken

Als Argument gegen die Fotografie zur Mittagszeit werden oft die harten Kontraste genannt, die es schwer machen, ein ansprechendes Landschaftsfoto zu gestalten. Es ist nicht leicht, unter solchen Bedingungen den Blick des Betrachters gezielt zu lenken. Man kann sich diese Kontraste aber zu Nutze machen. Wenn ein paar Wolken über den Himmel ziehen, hat man die Möglichkeit, die Kontraste im Bild zu steuern.

Etwas Geduld ist nötig, wenn man wartet, bis die Wolken die richtige Position erreicht haben, um das Licht genau so zu filtern, wie es dem Foto gut tut. Ich fotografiere deshalb selbst bei hellem Sonnenschein mit Stativ. So kann ich zum Beispiel mehrere Fotos einer Szene kombinieren, um ein optimales Ergebnis zu erhalten.

Neben dem Steuern der Kontraste im Bild haben Wolken noch einen weiteren Effekt. Besonders Quellwolken sehen auf einem Foto einfach klasse aus, wenn sie von oben angeleuchtet werden und an den Rändern weiß strahlen.

Auch habe ich oft gelesen, dass die Farben blass aussehen, wenn man mittags fotografiert. Vielleicht ist das so, wenn man gegen die Sonne fotografiert. Aber mit der Sonne hoch im Himmel ist das fast schon unmöglich. Und fotografiert man Wiesen, Meer oder Wald, so kommen die Farben gerade bei Sonnenschein am besten zur Geltung.

Anse Coco © Michael Breitung

Zum Abschluß noch ein paar Worte zum Einsatz des Polfilters. Während er auf dem Land unschöne Reflexionen herausfiltert und die Farben intensiver wirken, finde ich seinen Effekt auf einen blauen Himmel meist übertrieben und bei der Fotografie mit Weitwinkelobjektiv zu ungleichmäßig.

Ich verzichte deshalb tagsüber meist auf den Polfilter und behelfe mir lieber mit ein paar Gradationskurven in der Nachbearbeitung, um die Farben und Kontraste etwas aufzuputschen. Ausnahmen sind stark bewölkte Tage, an denen der Polfilter seine Stärken am besten ausspielen kann.

Karwendel © Michael Breitung

Winter

In der kalten Jahreszeit geht die Sonne nicht nur später auf und früher unter. Sie steht tagsüber auch viel tiefer am Himmel und damit hat man als Landschaftsfotograf den ganzen Tag über Lichtverhältnisse, die man sonst nur morgens und nachmittags hat. Das Licht wirkt nicht so hart wie im Sommer. Es formt die Landschaft und zeigt feinste Strukturen auf.

Auch Städte profitieren aus fotografischer Sicht von der tiefstehenden Sonne. Längeren Schatten verleihen den Fotos mehr Tiefe und Gebäudefassaden erhalten mehr Strukur.

Prague © Michael Breitung

Schwarzweiß

Wenn das Tageslicht der Landschaft gar nicht schmeichelt und die Farben einfach nicht zur Stimmung passen, kann man versuchen, sich die Landschaft in schwarzweiß vorzustellen. Dann zählen nur noch Kontraste und Strukturen. Für ein dramatisches Schwarzweißfoto darf es dabei durchaus etwas mehr sein. So kommt einem das vermeintlich harte Licht sogar zu Gute.

Fango © Michael BreitungBurgbach Wasserfall © Michael Breitung

Es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten, tagsüber schöne Fotos zu machen. Dieser Artikel soll nur eine Anregung sein. Außerdem bin ich immer noch ein Fan von Sonnenauf- und -untergängen und werde diese auch in Zukunft nicht aus meinem Portfolio verbannen.

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23 Kommentare

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  1. Sehr schöne Bilder. Sie wirken entspannend. Viel zu selten bin ich draußen im Wald. Früher als Kind war alles anders. Doch heute ist alles geprägt von Arbeit, Stress und vielen Terminen. Es wird Zeit sich wieder mal in die Natur zurückzuziehen.

    Danke!

  2. Sehr interessanter Artikel, der mir die Anregung gegeben hat auch endlich mal im Wald zu fotografieren. Auch ich hatte bei meinen Reisen desöfteren das Problem, dass ich vor einer tollen Kulisse stand, aber die Sonne hoch über mir und das Licht einfach nicht spannend war. Mittlerweile neige ich dazu einfach einen Graufilter einzusetzen und so lange es geht zu belichten. Das führt auch zu sehr netten Effekten, siehe
    http://www.hiacyntajelen.de/schottland_5d2_5534/

    Schöne Grüße und Danke für die Anregung

  3. Wieder mal sehr schöne Bilder von dir !
    Der Artikel bringt mich zum nachdenken, bisher war es für mich auch ein no go in der Mittagszeit (Landschaft) zu Fotografieren. Aber gerade die S&W Fotos die in der Mittagszeit entstanden sind finde ich extrem gut.

  4. Wie Stephan sagte, ” Die beste Zeit zum Fotografieren ist die, die man sich dafür nehmen kann.” Dafür und auch für deinen Beitrag zur Motivation zu guten Bildern unter nicht perfekten Bedingungen bedanke ich mich hiermit.

    Tolle Ergebnisse übrigens.

    Viele Grüße Jürgen

  5. Finde Deinen Artikel klasse. Weg vom Mainstream und dann gleich mit guten Beispielen. HDR kann jeder und sieht oft völlig künstlich aus. Deine feine Sicht auf die Dinge gefällt mir. Danke fürs schreiben.
    Habe Dich in Photomania bei G+ als Gruppe hinzugefügt und bin froh, endlich einen hochklassigen kreis gefunden zu haben. Bis demnächst.

  6. Ja, das Stimmt schon, das man als Landschaftsfotograf auf den Sonnenauf- und -Untergang getrimmt ist und sich von dieser Zeit spektakuläre Fotos erwartet. Dabei schränkt man sein Portfolio aber unnötig ein, wie man an deinen gewohnt guten Bildern sehen kann.

  7. Danke für die schönen Beispiele und das ” brechen der Lanze” für Landschaftsbilder zu jeder
    Tageszeit!
    Den Polfilter möchte ich aber nicht missen, man muss ihn ja nicht voll ausreizen, dann wird auch der Himmel nicht so überblau.

    Cheers,

    Marcus

  8. Sehr schöner Artikel. Danke für die Tipps. Fotografiere jetzt seit knapp 2 Jahren überwiegend Natur und Landschaften. Dein Artikel gibt mir den Ansporn es nun auch mal unter Tags zu versuchen. Wäre eine Alternative, weil ich die Morgensonne mehr mag als die Abendsonne. Leider hat man Nachmittags oft mit dem Problem der Trübheit zu kämpfen. Zumindest bei mir im Allgäu verschwinden oftmals die Alpen im Trüben.

    Grüße floSen

  9. Blogartikel dazu: Montagslinks 02/14 | Random Signals

  10. Blogartikel dazu: Fotoverweise #4 | Björn Salgert

  11. Schöner Artikel.
    Manchmal finde ich auch Bilder, die zur Mittagszeit entstanden sind wirklich gut.

    Die Fans meiner Seite sehen das scheinbar anders! :-) Kaum Likes für super “Mittagsbilder”.

    Viele Grüße von matze-photo.de

  12. Blogartikel dazu: Landschaftsfotografie zur blauen Stunde › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity

  13. …Regeln sind doch bekannterweise zum Brechen da. ;-))

    Wie ich es von Dir gewohnt bin und vor allem auch schätze – klasse Perspektiven.
    Wohl überlegt und ausgesucht.

    Schöne Weihnachtstage.
    Servus Mark

  14. Blogartikel dazu: Landschaftsfotografie - 7 interessante Links - Foto-Tricks