15. August 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Erna und Hrefna

Erna und Hrefna ist ein Zwillingspaar aus Island. Ariko Inaoka fotografiert sie seit 2009. Damals waren sie gerade neun Jahre alt. Ihre Fotografien sind Studien von Zusammenhalt und der ganz besonderen Verbindung, die die beiden zueinander haben.

Kennengelernt hat Ariko die Zillinge bereits 2005. Damals fotografierte sie jeden Sommer in Island für ihre Serie SÒL. Nach Abschluss dieser Serie wollte sie Zwillinge fotografieren. Dass es Erna und Hrefna sein würden, stand damals noch nicht fest. Ariko fotografierte zunächst drei weitere Zwillingspaare, fand unter ihnen aber nicht eine solch starke Verbindung, wie sie sie bei den isländischen Mädchen gespürt hatte.

Erna and Hrefna © Ariko Inaoka

Ihre Wahl fiehl also auf Erna und Hrefna, trotz der großen Entfernung zwischen Kyoto, ihrem jetzigen Wohnort, und Island. Einmal im Jahr besucht sie die Mädchen, um sie zu fotografieren. Bis zu ihrem 16. Lebensjahr will sie sie in der Fotoserie begleiten.

Meine Intention für dieses Projekt ist es, die sehr kostbare Zeit zwischen Kind zum Teenageralter zu erfassen, sowohl physisch als auch psychisch. Die Beziehung zwischen eineiigen Zwillingen ist ein interessantes Thema. Ich habe oft gehört, dass eineiige Zwillinge telepathische Verbindungen haben. Das stimmt bei Erna und Hrefna.

Sie sind immer zusammen. Sie haben fast nie miteinander Streit. Wenn ich Zeit mit ihnen verbringe, fühle ich mich so behaglich in ihrer Gesellschaft, aber zur gleichen Zeit habe ich ein seltsames Gefühl, weil ich noch nie eine so starke Verbindung zwischen zwei Menschen gesehen habe. Einmal sagten sie zu mir: „Von Zeit zu Zeit haben wir die gleichen Träume.“

Erna and Hrefna © Ariko Inaoka

Die starke Verbindung der beiden sieht Ariko darin begründet, dass sie keine weiteren Geschwister haben und recht isoliert aufwachsen. In ihren Bildern ist diese Verbindung so auch immer ein wichtiges Motiv.

Die Fotos von Ariko sind keine einfachen Portraits. Sie erzählen Geschichten, zeigen die Zwillinge im Spiel. Oft wirken die Bilder auch inszeniert und ich frage mich, ob Ariko oder die Zwillinge die Posen aussuchen. Wahrscheinlich ein Zusammenspiel, aber gerade das empfinde ich als spannend.

Erna and Hrefna © Ariko Inaoka

Wie stellen sich die Zwillinge dar und wie sieht sie Ariko? Wie wird sich dies im Laufe der Serie noch verändern? Man sieht zu, wie die Zwillinge wachsen, sich verändern. Wird sich auch ihre Beziehung zueinander verändern?

Auf den letzten Bildern von 2010/2011 sind sie gerade elf Jahre alt. Innerhalb der zwei Jahre, die seit 2009 vergangen sind, wirken Erna und Hrefna viel erwachsener. Auch 2012/2013 war Ariko bei ihnen. Bis die neuen Fotos veröffentlicht sind, wird es aber noch dauern, verrät sie.

Ich bin auch Besitzerin des ältesten Restaurants in Kyoto, Japan. Es gehört meiner Familie seit 550 Jahren und ist spezialisiert auf Soba-Nudeln. Seit drei Jahren bin ich nun an diesem Geschäft beteiligt und führe seitdem ein Doppelleben, wodurch ich viel weniger Zeit für die Fotografie habe.

Erna and Hrefna © Ariko Inaoka

Solltet Ihr also demnächst in Japan sein, könnt Ihr Euch bei Soba-Nudeln vielleicht auch persönlich etwas über das Zwillingsprojekt von Ariko Inaoka erzählen lassen. Bis dahin empfehlen wir Euch einen Blick auf ihre Webseite.

Ähnliche Artikel


4 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Ach schön, ich glaub ich werd bei dem Restaurant mal vorbeischauen! Fahre in letzter Zeit öfters an Kyoto vorbei :)

    Die Serie finde ich super, bin gespannt wie sich das entwickelt. Mich würde es auch einmal interessieren, wie sie den Kontakt zu den Mädels hergestellt und sie mit “an Bord” für das Projekt geholt hat!

  2. Spannende Serie. Es ist so schön zu lesen, dass die Fotografin keine Mühe scheut, um gerade dieses Zwillingspaar auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden fotografisch zu begleiten. Die Ergebnisse gefallen mir sehr, sie haben eine besondere Zartheit und Nähe, die mir oft in Projekten wie diesen fehlt. Die Einbeziehung der Umgebung, in der die beiden aufwachsen, ist besonders schön. Alles wirkt sehr friedlich und stimmig. Ich bin gespannt wie es sich weiterentwickeln wird.

  3. Sehr schön zu sehen, diese Art von Verbindung. Für einen Unbetroffenen kann das aber zuerst echt etwas merkwürdig erscheinen. Schön, dass es dieses Fotoprojekt gibt. Ich werde mir die Bilder auch auf der Webseite anschauen. Besten Dank dafür!