29. Juli 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Traumwirklichkeit – Gedanken zur Sofortbildfotografie

Als Psychotherapeutin, Kreativtrainerin und Malerin war es klar, dass es mich irgendwann auch zur Fotografie ziehen würde. Die erste Zeit der digitalen Methodik ließ ich relativ bald zugunsten der analogen Fotografie hinter mir und begann, mit der Holga und Rollfilm zu arbeiten.

Die Fotos sind vorwiegend schwarzweiß (nicht zuletzt wegen der Entwicklung mit Caffenol) und zeigen Landschaften, Bauwerke oder auch Objekte, manchmal Doppel- oder Mehrfachbelichtungen. Die Holga ist immer noch ein Liebling von mir, aber meine Kreativität läuft in Phasen ab. Derzeit fasziniert mich die Sofortbildfotografie.

milky apple oil slick © Birgit Zartl

Eher durch Zufall verliebte ich mich in das Design der Sofortbildkamera Polaroid SX-70, einer faltbaren Spiegelreflexkamera aus den 1970er Jahren. Die musste ich haben.

Zunächst experimentierte ich mit Landschaftsaufnahmen, aber bald (nicht zuletzt auch wegen des vom „The Impossible Project“ neu produzierten monochromen Sofortbildfilms) wendete ich mich mehr und mehr dem Stillleben und, nach anfänglichem Zögern, auch der Gestaltung von Selbstportraits, und der Kombination der beiden Genres, zu.

Contacts with Shadows © Birgit Zartl

Wie auch in der Malerei liebe ich es, Traumbilder zu kreieren, auch wenn ich dafür reale Dinge, Blumen oder Körperteile, verwende. Hierbei entstehen Einzelbilder oder auch Bilderserien, die surreale Geschichten erzählen oder Stillleben wie aus einer anderen Zeit.

Stillleben haben etwas Magisches. Sie erklären Dinge, sie bringen den Betrachter zum Nachdenken und wecken den Wunsch, zu interagieren. Oft sind die Elemente der Fotografien eher lose zusammengefügt, einem Assoziationsprozess oder Träumen gleichend.

black hand - cage © Birgit Zartl

Ich bevorzuge monochromen Sofortbildfilm, weil mir Form, Komposition und eine gewisse Reduktion wichtig sind. Ganz anders als in digitaler Fotografie besitzen Sofortbilder weniger Bildschärfe und gerade diese Qualität schätze ich für meine Arbeiten ganz besonders.

Die Art des „Sofort“-Bildes hat den Vorteil, dass man sofort ein berührbares Foto-Objekt in den Händen hält. Außerdem ist jedes Foto ein Einzelstück und dank der zeitweiligen Unvorhersagbarkeit des Filmes auch nur sehr schwer reproduzierbar. Das macht es besonders wertvoll und hebt sich für mich von der digitalen Produktion von Fotos ab.

Fathom © Birgit Zartl ranunculus © Birgit Zartl

Seit Kurzem experimentiere ich auch mit Sofortbild und Collage sowie der Emulsionslift-Technik. Ich konnte meine Arbeiten schon in mehreren Ausstellungen (in Wien un Italien) zeigen und für September 2013 ist eine weitere Ausstellung meiner Sofortbild-Stillleben geplant.

Meine Sofortbildfotografie ähnelt meinem Zugang zur Malerei, die ebenfalls monochrome und in der Motivwahl reduzierte Einzelstücke hervorbringt. Manchmal sind es sogar die gleichen Motive, wie zum Beispiel ein Vogelschädel, den ich von den Shetland Islands mitgebracht habe.

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5 Kommentare

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  1. Hallo Birgit,

    wunderbare Fotos! Welchen Unterschied macht es – frage ich mich –, wenn die Bilder im Nachhinein mit entsprechenden Polaroid-Filtern in Photoshop bearbeitet werden. Ist das Ergebnis nicht beinahe dasselbe? Fehlt einzig und allein die Benjamin´sche Aura?

    Grüße
    Eva

    • Es ist wie die Plattensammlung. Die Musik ist die selbe. Aber man hält sie in der Hand.

      Darüber hinaus finde ich es befremdlich, dass das digitale Vorhandensein von Fotografien oft als Prämisse angesehen wird. Dabei geht es oft eben genau darum nicht. Die Digitalisierung passiert halt nebenher (das aber nur allgemein, ich weiß nicht, wie es in diesem Fall die Künstlerin sieht).