© Sonja Bachmayer
30. Juli 2013 Lesezeit: ~ 2 Minuten

Landschaft im Spiegel

Die Landschaftsfotografie setzt sich seit ihrem Beginn mit dem Abbild der Umwelt des Menschen auseinander. Ihr Ziel war und ist es teilweise bis heute, eine ästhetische und eine von menschlicher Hand weitgehend unberührte Landschaft und Natur darzustellen.

Das World Wide Web stellt fest: „Landschaften sind für Hobbyfotografen ebenso wie für Profis regelrechte Objekte der Begierde. Sie sprechen unseren Wunsch nach Romantik und Harmonie an und geben Stimmungen auf besonders eindrucksvolle Weise wieder.“

Unüberschaubare Tipps für die richtige Kamera, die richtige Blendenwahl und die Must-Haves führen zum perfekten Landschaftsbild, aber möglichst ohne menschlichen Fußabdruck.

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Also gut – ich habe mich umgesehen.

Ich habe festgestellt: Es ist nicht einfach, ein Stück unberührter Landschaft auszumachen. Ich habe mich gefragt: Wie sieht die Landschaft, die Natur aus, wenn man ihr einen Spiegel vorhält?

Wäre es nicht auch spannend, das von der Kamera gezeigte Bild mit dem Dahinter zu verbinden? Ich habe mir einen Spiegel besorgt und bin losgezogen.

© Sonja Bachmayer© Sonja Bachmayer

Die ersten Fotos, in der Umgebung von Wien aufgenommen, erstaunten mich selbst. Das Medium Spiegel zeigt nicht nur das Abbild des Dahinter, sondern reflektiert auch eine völlig gegenteilige Lichtsituation.

Durch das Bild im Bild entsteht eine surreale, eine beinahe künstliche Welt. Allein durch die Platzierung eines Spiegels, irgendwo – entlang des Sonntagsspazierweges, auf der Liegewiese oder im Gestrüpp der Donauauen – entsteht eine neue Sicht auf die uns umgebende Natur.

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Die Fotografien entstanden von September 2012 bis Mai 2013. Aufgenommen wurden die Bilder in Wien, in Oberösterreich und an der Grenze zu Tschechien. Die Fotografien sind alle mit Hilfe eines realen Spiegels in der Größe von 50×120 cm entstanden und sind keine Fotomontagen. Die fotografische Nachbearbeitung beschränkt sich auf minimale Korrekturen.

Auf Letzteres muss ich hinweisen, weil viele, die die Fotos zum ersten Mal zu sehen bekamen, in der Regel und meist ganz selbstverständlich davon ausgingen, dass es sich angesichts der Bilder um reine Photoshop-Basteleien handelt.

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Diese Erfahrung war für mich interessant, aber auch nachvollziehbar. Wir haben uns daran gewöhnt, „hinters Licht“ geführt zu werden. Der Spiegel ermöglicht uns nicht nur die Betrachtung des eigenen Selbst, er macht auch die dem Betrachter beziehungsweise dem Fotografen abgewandte Seite sichtbar.

Das heile Bild der Landschaft wird durch die unmittelbar ersichtliche Rück-Sicht aufgehoben.

Mit meinem Projekt versuche ich, die Dinge ans „Licht“ zu bringen.

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18 Kommentare

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  1. Die Serie und die Idee dahinter finde ich brilliant! Die Landschaft in der Landschaft – da entsteht ein wunderbarer Kontrast. Besonders die Fotografien, in denen der Spiegel genau zentriert ist und die Landschaft aussenrum quasi wie ein Rahmen wirkt, gefallen mir.

  2. Dabei fällt mir wieder eine Situation ein, in der ich relativ sparsam aus der Wäsche geschaut habe. Wer schon einmal in einen Spiegel fotografiert hat, ist vielleicht auch schon auf ein vorerst seltsam anmutendes Fokus-Phänomen gestoßen.

    Für einen Wissenden, die Logik der Physik. Für den Unwissenden, erstauntes Kopfkratzen. Ich gehöre unmissverständlich der letzten Fraktion an.

    Was das Kopfkratzen auslöst? > Fokussiert man bei entsprechend großer Blendenöffnung auf die Bildebene des Spiegels (z.B. Spiegelkante), ist der Spiegel scharf, das Spiegelbild jedoch unscharf. Fokussiert man das Spiegelbild ( in den Spiegel hinein), ist dieses scharf, der Spiegel an sich, jedoch unscharf. Uuups!

    Für jemand dem die physikalischen Randbedingungen vertraut sind, nichts Ungewöhnliches. Ein logischer Sachverhalt. Für eine physikalische Sparflamme, wie ich eine bin, eine mittlere Katastrophe. Ich bin davon ausgegangen, dass sich das Spiegelbild und die Bildebene (Spiegel) in etwa verhalten wie ein flächiges Abbild (z.B. Gemälde): beides scharf.

    Hingegen hinterließ das beschriebene “Phänomen” bei mir ein diffuses Gefühl, des Eindringens/Vordringens in eine andere Welt/Dimension. Der Raum im Spiegel.

    Für die Fotografin dieser interessanten Reihe sicher auch ein fesselnder Aspekt im Schaffensprozess. So als würde man eine ignorierte Welt betreten. Der Realität, eine weitere hinzufügen.

    Klasse Reihe, die in mir als Betrachter einen Prozess in Gang setzt, etwas auslöst.
    Vielen Dank dafür!

    Grüße
    eric

  3. Eine wunderbare Idee. Jedes Foto wird relativiert, vielleicht auch desillusioniert. Die Diskussion über die Manipulation von Fotos (oder nicht) wird bebildert, die Auswahl der Ansicht als 1. Manipulation deutlich gemacht.

  4. Ja, Spiegel haben wohl was, vor allem wenn man sie nicht versteht! Und wer versteht sie schon wirklich! Photographen sollten sich allerdings ein wenig leichter tun, sie – die Spiegel – zu verstehen … aber da wären wir bei einem alten Thema …

  5. Ich finde, wenn man der Landschaft einen Spiegel vorhalten will, muss man ihr auch die ihr aufgezwungenen störenden Elemente zumuten. Unberührte Natur, wie sie einst Eichendorff beschrieb, gibt es hier ja eigentlich nicht mehr. Womit wir uns zufrieden geben müssen ist eine mehr oder weniger von Menschenhand gestaltete oder zerstörte Kulturlandschaft. Aber auch solche Landschaften haben ihren Reiz und verdienen, gespiegelt zu werden. Die Bilder oben beweisen es.
    Henry

  6. Kreativ, gute Auseinandersetzung und Umsetzung – gratuliere. Und weil ohne grosse Photoshop-Mogelei würde ich das als “moderne Landschaftsfotografie” bezeichnen.

  7. Tolle Idee. Mag dieses Spiegelbild im Bild. Das Titelbild und das vorletzte gefallen mir am besten – passt dort einfach. Aber auch die anderen Bilder mit den stärkeren Kontrasten (inhaltlich) finde ich sehr interessant. Danke für den Artikel!

  8. Spiegel sind schon etwas faszinierendes und die Art und Weise wie Du sie hier einsetzt finde ich sehr gelungen. Es hat mir mal wieder einen anderen Blick auf die Landschaftsfotografie ermöglicht. Danke ;)

  9. RESPEKT – klasse Idee – konzeptionell stark umgesetzt…

    Das Landschaftsfoto – vom bloßen Abbild zum Sinnbild, gefällt mir!
    Dinge ans „Licht” bringen – dabei ist Licht doch das “eigentliche Motiv” welches wir fotografieren… :-))

    Schöne Grüße aus Augsburg.
    Servus Mark