08. Oktober 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Über alltägliche Dinge

Die Mehrzahl der Dinge, die uns im Alltag umgeben, ordnen sich ganz ihrer Funktion unter. Wenn sie gebraucht werden, benutzen wir sie, anschließend stellen wir sie ab bis zum nächsten Gebrauch.

© Jakob Hunosøe

Dabei ist ihre Anordnung im Raum zufällig, wirkt meist chaotisch, da wir keinen Mehrwert aus einer Anordnung ziehen würden. Dinge stehen dort herum, wo wir sie abgelegt haben oder sie beim nächsten Mal brauchen.

Die Form der Falten auf einem Bett und der zerknüllt getrockneten Spüllappen wird nur durch unsere Bewegungen bestimmt. Oft routiniert, immer gleich und doch jedes Mal anders, weil keine Situation vollkommen gleich ist, in der wir durch unser Leben das Aussehen unserer Alltagsumgebung gestalten.

© Jakob Hunosøe

Selten passiert es, dass die Form einer solch zufälligen Anordnung figürlich ist, sodass irgendein Teil unseres Gehirns ein Bild erkennt und uns staunen oder lachen lässt. Über eine Regelmäßigkeit im zufälligen Chaos, über plötzlich auftretende Symmetrien oder unmöglich scheinende Anordnungen.

Jakob Hunosøe wartet nicht auf diese Momente, er schafft sie sich selbst. In seiner aktuellen Fotoserie „On Things Ordinary“ arrangiert er Situationen, die zu sonderbar oder regelmäßig sind, um aus unserem zufälligen Umgang mit unserer Umgebung hervorgegangen zu sein.

© Jakob Hunosøe

In einem aufgeräumten, klaren, fast dokumentarischen Stil hält er Symmetrien, angeordnete Objekte, schwebende Gegenstände und ungewöhnlich Geformtes fest, das er vorzugsweise in Bädern, Küchen und der eigenen Wohnung findet.

Ich bewundere, wie Jakob es schafft, sich mit alltäglichen Gegenständen, die uns normalerweise so vertraut sind, dass wir sie im Grunde nicht mehr richtig wahrnehmen, fast übersehen, nie genau anschauen, so zu beschäftigen, dass verblüffende Momentaufnahmen entstehen.

© Jakob Hunosøe

Dazu schafft er einen Kontrast zwischen Minimalismus und Komplexität, denn obwohl die meisten seiner Kompositionen mit einem Blick zu erfassen sind und nur wenige Objekte involvieren, kann man sehr lange auf seinen Arbeiten herumwandern und trotzdem weitere überraschende Details entdecken.

Eine Einladung an jeden von Tatendrang erfüllten, oft aber ideenlosen Fotografen, der wie ich schon vor Jahren die eigene Wohnung mangels potentiell interessanter Motive gedanklich abgehakt hat. Zeit für eine Neuentdeckung der eigenen vier Wände.

© Jakob Hunosøe

Jakob Hunosøe wurde 1975 in Dänemark geboren, heute lebt und arbeitet er in Kopenhagen. Seit seinem Abschluss 2004 an der Königlich Dänischen Kunstakademie kann er auf eine beachtliche Anzahl an Ausstellungen und Auszeichnungen zurückblicken.

Seine Arbeiten beschäftigen sich nicht nur in dieser Serie mit den alltäglichen Gegenständen und dem Raum um uns herum. Er benutzt die Fotografie als neutrales Abbildungsmittel, um damit die Grenzen des Absurden, Humorvollen und Surrealen auszuloten.

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13 Kommentare

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  1. ich muss mich meinem Vorredner anschließen, kann da auch leider nichts Besonderes bzw. Absurdes, Humorvolles oder Surreales dran entdecken, wie seine Arbeiten in dem Beitrag beschrieben werden. Mir ist das zu banal.

  2. ich sage ja nicht, dass es banal ist, sondern, dass ich es als banal empfinde und obwohl ich nachvollziehen kann, was man daran als erfrischend oder lustig empfindet, kommt das bei mir einfach nicht so an.

  3. Tolle Sache… mich erinnert das ganze ein wenig daran wie ich und meine Freundin mal versucht haben ein frisches Handtuch auf dem Gäste-WC so aussehenzulassen als wäre es benutzt und die Form des Handtuchs ungewollt also nicht gefaltet oder so (natürlich nur Spinnerei – aber i-wie Kunst :)) – deshalb gefällt mir das Wasch-/Putzlappenbild am Besten :)