28. Januar 2021 Lesezeit: ~5 Minuten

Mietstudio oder eigenes Fotostudio?

Nicht alle Fotograf*innen benötigen ein Fotostudio, um ihre Fotos zu machen. Wer in der Architektur-, Landschafts- oder Tierfotografie arbeitet, braucht wahrscheinlich kein Fotostudio. Aber wenn man in der People-, Akt- und Werbefotografie unterwegs ist, kommt man in der Regel um ein gut ausgestattetes Fotostudio nicht herum.

Die Anforderungen an ein Fotostudio sind nicht gerade gering: Auch wenn die Ansprüche sehr unterschiedlich sind, ist ein Fotostudio erst ab einer Grundfläche von 50 m² und einer Raumhöhe von 2,80 m – besser noch 3,50 m – sinnvoll. Einen solchen Raum dauerhaft zu mieten und mit dem nötigen Lichtequipment auszurüsten, zieht erhebliche Kosten nach sich. Daher greifen viele gerne auf ein Mietstudio zurück.

Ich selbst habe einige Jahre lang Mietstudios genutzt. Im Folgenden liste ich Entscheidungskriterien auf, die aus meiner persönlichen Sicht die Vor- und Nachteile der Nutzung von Mietstudios beleuchten. Andere werden vielleicht zu anderen Ergebnissen kommen, weil sie andere Schwerpunkte setzen oder auf andere Dinge Wert legen.

Vorteile eines Mietstudios

Keine Fixkosten

Ein Studio dauerhaft zu betreiben, zieht erhebliche Fixkosten nach sich: Miete, Heizung, Versicherungen und weitere. Diese Kosten fallen an, egal ob und wie oft man das Studio nutzt. In auftragsschwachen Zeiten stehen also niedrigere Einnahmen den unveränderten Ausgaben gegenüber. Bei der Nutzung von Mietstudios ist das anders: Du zahlst nur, wenn Du tatsächlich im Studio arbeitest.

Einfaches Ausprobieren möglich

Insbesondere für den Einstieg in die Berufsfotografie, wenn man die Studiofotografie nur gelegentlich betreibt oder überhaupt erst einmal ausprobieren möchte, ist man mit einem Mietstudio gut bedient. Kleinere Mietstudios sind bereits ab 15 € pro Stunde zu mieten und bieten Hilfe an, um sich im Studio zurechtzufinden.

Flexible Studiogröße

Je nach Auftrag kannst Du ein kleines, günstiges Studio mieten oder ein größeres, wenn es erforderlich ist.

Keine Investitionen

Kosten für die Einrichtung des Fotostudios, Anschaffung des Lichtequipments und Reparaturen fallen nicht an.

Ortswechsel einfach möglich

Je nachdem, wo Deine Kundschaft Aufnahmen benötigt oder wo Du Dich selbst gerade aufhältst, ist die Miete eines Fotostudios möglich. Bist Du an Dein eigenes Studio gebunden, ist ein Ortswechsel nicht möglich.

Unterstützung

In vielen Mietstudios wird eine Unterstützung bei der Arbeit angeboten. In der Regel verfügen die Studiobetreiber*innen außerdem über ein gutes Netzwerk aus Visagist*innen, Modellen, Catering-Firmen und weiteren Dienstleistungsfirmen.

Mann steht im Fotostudio

Vorteile eines eigenen Studios

Mit „eigenem Studio“ ist hier nicht unbedingt gemeint, dass Du die Immobilie besitzt. Ich spreche hier vor allem von dem Fall, dass Du einen langfristigen Mietvertrag hast und jederzeit Dein „eigenes“ Fotostudio nutzen kannst.

Repräsentative Wirkung

Mit einer eigenen Studioadresse und repräsentativen Räumlichkeiten wirst Du ganz anders wahrgenommen, als wenn Du ausschließlich mobil unterwegs bist. Darüber hinaus kannst Du an Deinem Fotostudio in vielen Fällen Außenwerbung anbringen und dadurch Kundschaft auf Dich aufmerksam machen.

Kosten

Bei intensiver Nutzung liegen die Kosten für ein eigenes Studio unter denen eines Mietstudios. Daher ist es sinnvoll, eine realistische Abschätzung der voraussichtlichen Nutzung zu erstellen und die jeweiligen Kosten gegenüberzustellen.

Zeitliche Flexibilität

In ein eigenes Studio kannst Du ohne Vorausplanung schnell mal rein, bei einem Mietstudio musst Du Dich vorher anmelden und kannst das Studio nur mieten, wenn es auch verfügbar ist.

Persönliche Gegenstände im Studio

Viele nützliche Kleinteile oder persönlich benötigte Gegenstände wirst Du im eigenen Studio deponieren (etwa Requisiten, Vertragsformulare, eigene Portfoliobücher). Im Mietstudio musst Du solche Dinge bei jedem Besuch erneut wieder mitbringen.

Effizienteres Arbeiten

Im eigenen Studio kennst Du Dich sehr gut aus. Du weißt „im Schlaf“, wie Blitze einzustellen sind oder wo sich Requisiten befinden. Im fremden Studio musst Du Dich erst einmal zurechtfinden und eventuell an die Bedienung ungewohnter Technik gewöhnen.

Es gibt sicher noch viel mehr Argumente für oder gegen die Nutzung eines Mietstudios. Für mich selbst haben die oben angeführten Überlegungen dazu geführt, dass ich fast die gesamte Zeit meiner Selbstständigkeit als Fotograf in einem eigenen Fotostudio gearbeitet habe. Allerdings habe ich das nicht allein genutzt, sondern mit anderen Kreativen geteilt.

Wie sieht das bei Dir aus? Welche Gründe haben bei Dir dazu geführt, ein Mietstudio zu nutzen oder ein eigenes Studio einzurichten?

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5 Kommentare

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    • Wenn Du Fotografie als Hobby betreibst und genügend Platz hast, ist das sicher eine nette Möglichkeit. Gewerbliche Nutzung ist in den meisten Mietwohnungen jedoch nicht erlaubt.

      (Deinen Link habe ich rausgenommen, da er zu einer fragwürdigen Seite führte)

  1. Hallo zusammen,

    mir geht es ähnlich wie Michael, ich habe mir 2009 mit einer Freundin gemeinsam das Equipment für ein Mobiles Studio gekauft: zwei Studioblitze von Mettle mit Lampenstativ, Hintegrundständer mit Stoffen, 60×90 cm Softbox, Reflektor, Flügelklappe. Da haben wir uns dann gegenseitig fotografiert (um zu lernen), Freunde und Bekannte portraitiert, auf Hochzeiten fotografiert. Am spannendsten war es aber, uns auf „Frauen-Veranstaltungen“ (wie der FiLiA in Oberberg) zu präsentieren. Dort haben wir dann andere Frauen mit sehr viel Spaß abgelichtet.

    Leider hat meine Freundin die Fotografie aufgegeben …

    Daher nutze ich das Equipment nicht mehr und könnte es für kleines Geld verkaufen.
    Vielleicht hat ja jemand Interesse daran, daher bitte einfach melden.
    Eine unbenutzte Ersatzblitzröhre ist auch noch vorhanden.
    (Ein Studioblitz ist jedoch eher was für Bastler, da die Blitzfunktion nicht mehr funktioniert, aber das Dauerlicht noch.)

    Schöne Grüße
    Elke

  2. Es gibt noch eine weitere Option, die beide Seiten miteinander verbindet: Eine Studiogemeinschaft. Ich teile mir aktuell mit 3 anderen Fotograf:innen ein Studio. Das senkt die Fixkosten für alle und man kann dennoch einige Vorteile eines eigenen Studios nutzen. Jeder von uns hat feste Tage in der Woche und wir teilen uns auch etwas Equipment.