10. Dezember 2019 Lesezeit: ~8 Minuten

Machen wir Fotos von der Welt oder zerstören wir sie?

Hach ja, die Malediven. Klischee vom perfekten, weißen Palmenstrand, gern gebuchtes Reiseziel für die Flitterwochen, beliebtes Motiv für Menschen aus der ganzen Welt – und damit auch Ausgangspunkt für ein klassisches Dilemma.

Denn die berühmten Korallenriffe vor Ort sterben infolge steigender Wassertemperaturen und einige der Inseln befinden sich nicht mehr als einen Meter über dem Meeresspiegel; was bedeutet, dass wenn dieser weiter ansteigt, die Eilande eher früher als später im Wasser verschwinden werden. Und was trägt maßgeblich dazu bei, den Meeresspiegel sowie die Wassertemperaturen ansteigen zu lassen?

Richtig, Flugreisen. Zum einen aufgrund von CO2-Emissionen, zum anderen über Stickoxide und Wasserdampf in hohen Luftschichten. Für viele Fotograf*innen stellt sich daher seit geraumer Zeit die Frage: Wenn das Ablichten der großen, weiten Welt dazu beiträgt, sie zu zerstören – müssen wir es dann nicht sein lassen?

Es fällt zugegebenermaßen schwer, den Klimawandel auf unser eigenes Verhalten zu beziehen. „Was wird die eine weitere Flugreise schon anrichten können, aufs große Ganze bezogen? Die anderen fliegen ja auch trotzdem weiter und immerhin habe ich kein Auto, Fleisch esse ich auch nur noch ganz selten.“ Dazu kommt, dass die meisten (und schlimmsten) Folgen des Klimawandels noch gar nicht Teil unserer Realität sind – und noch nicht einmal der Realität derjenigen anderen, die es in absehbarer Zeit viel schlimmer treffen wird als uns hier. Nun gibt es jedoch Möglichkeiten, die Auswirkungen unseres Handelns zu quantifizieren.

In einem aufschlussreichen Artikel der New York Times beschreibt Andy Newman einen Schlagabtausch unter Wissenschaftler*innen, der zu dem Ergebnis führte, dass jede*r US-Amerikaner*in im Durchschnitt durch die eigenen verursachten Treibhausgasemissionen das schwere Leiden und/oder den Tod zweier zukünftiger Menschen zu verantworten hat. Oder, noch weiter heruntergebrochen: Eine Sonntagsfahrt mit dem Auto hat im übertragenen Sinne den Effekt, jemandem den Nachmittag zu ruinieren.

Was eine Flugreise von Berlin auf die Malediven da anstellen würde, möchte man sich lieber gar nicht ausrechnen. Bleibt uns also nur noch, von nun an in den Regionalzug zu steigen und Apfelbäume in Brandenburg abzulichten? Oder gibt es auch Gründe, weshalb es wichtig und moralisch richtig sein könnte, die Kamera mit hinaus in die weite Welt zu tragen?

Ein gewichtiges Argument dafür ist das der Dokumentation. Bewusstseinsbildung rund um den Klimawandel kann dazu beitragen, dass wir unser Verhalten überdenken und Schritt für Schritt verändern. Sieht man sich beispielsweise die Bilder James Balogs des im Verlauf von zehn Jahren immer kleiner werdenden Gletschers Sólheimajökull in Island an, so lässt sich der Klimawandel nur schwer leugnen.

Und Bilder haben eine ganz andere, unmittelbarere Wirkung auf uns und unsere Emotionen als Worte oder Zahlen. Wie der Psychologe Robert Zajonc sagte, besitzen Informationen, ohne dass sie einen Einfluss auf uns haben, keine Bedeutung per se. In diesem Sinne also sind Bilder wichtig für die Kommunikation rund um den Klimawandel.

Interessant in diesem Zusammenhang ist beispielsweise auch die Arbeit der Fotografin Lisa Murray, die in den vergangenen Jahren mit Ihrer Kamera in Afrika und Asien unterwegs war. Ihre Arbeit zeigt die Auswirkungen des Klimawandels in Ländern wie Indonesien oder Äthiopien.

Aber statt sich fotografisch auf Wetterbedingungen oder Bodenerosion zu konzentrieren, zeigen ihre Bilder die Betroffenen selbst. Das ist für Betrachtende auf emotionaler Ebene etwas ganz anderes. Zudem hat sie in ihrer Arbeit auch viele erfinderische Methoden dokumentiert, mit denen die Probleme in der jeweiligen Region angegangen werden. Ihre Fotografie konzentriert sich also nicht nur auf das Negative, sondern ist in ihrer Herangehensweise konstruktiv.

Nun soll an dieser Stelle jedoch auch nicht verschwiegen werden, dass es in den allermeisten Fällen nicht Deutscher, Französ*innen oder US-Amerikaner*innen bedarf, um mit der Kamera zuhause ein Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels zu schaffen. Das in Fotograf*innenkreisen höchstwahrscheinlich unpopuläre Gegenargument lautet: Es gibt in jedem Erdteil talentierte Foto-Aficionados, die das ebenso gut – oder vielleicht sogar besser – können. Darum kommen wir (zumindest) um diese Frage nicht herum: Wenn ich nicht ganz auf Flugreisen verzichten möchte, wie kann ich ihre negativen Auswirkungen zumindest minimieren?

In einer Zeit, in der selbst der deutsche Flughafenverband eine Abschaffung von Inlandsflügen als sinnvoll erachtet, scheint dieser erste Punkt fast selbstverständlich: Kürzere Strecken nicht mit dem Flugzeug, sondern mit der Bahn bestreiten. Dass das nicht immer angenehm oder gar kosteneffizient ist, wissen wir alle – müssen aber in diesen sauren Apfel schnellstens zu beißen lernen.

Das gilt selbstverständlich auch für die Regionen und Länder, in die wir per Langstreckenflug gereist sind. Statt als Jetsetter von Stadt zu Stadt zu eilen und nicht lang genug zu verweilen, um irgendeinen Ort überhaupt wirklich zu begreifen, müssen wir Langsamkeit wieder lernen. Nicht nur der Umwelt, sondern auch den Menschen vor Ort und uns selbst zuliebe.

Carbon Offsets, wie man sie beispielsweise bei Atmosfair erwerben kann, um Flüge zu kompensieren, scheinen den direktesten Weg zu bieten, die Schuld der Reisenden zu lindern. Man gibt einfach ein wenig zusätzliches Geld aus, um beim Bau eines Windparks zu helfen oder Abholzung zu verhindern und hilft so, an anderer Stelle Treibhausgase zu reduzieren. Einige Klimaexpert*innen bezeichnen Carbon Offsets jedoch als Ablasshandel und Drückebergerei:

„Es ist, als würde man jemand anderen dafür bezahlen, für einen selbst auf Diät zu gehen“, sagt zum Beispiel Alice Larkin vom Tyndall Center for Climate Change Research der Universität Manchester. Mit anderen Worten: Carbon Offsets vermitteln uns den Eindruck, den Schaden, den wir verursachen, wieder gutmachen zu können – und verhindern damit einen wirklichen Bewusstseins- und Verhaltenswandel.

Dieser Drückeberger hier jedoch findet, dass nichts schlimmer ist als eine Haltung à la wenn ich am Großen und Ganzen nichts ändern kann, dann ist es ja auch ganz egal, was ich in Kleinen tu. Ich denke, dass es jetzt schneller und drastischer Veränderungen bedarf, wenn wir noch mit einem blauen Auge davon kommen wollen. Ich denke auch, dass diese schnellen und drastischen Veränderungen vor allem von der Politik initiiert werden müssen – aber auch, dass wir selbst als Individuen eine Verantwortung besitzen, der nicht nachzukommen wir uns nicht mehr leisten können.

Für mich bedeutet das: Ich weiß selbst, dass ich nicht nie wieder einen Langstreckenflug antreten werde. Dafür habe ich schon viel zu früh in meinem Leben Blut geleckt. Andere Länder und Kulturen kennenlernen zu dürfen, hat mein Leben und meine Persönlichkeitsentwicklung maßgeblich beeinflusst und ich würde es nie missen wollen. Aber inzwischen fühle ich mich schuldig bei jeder angetretenen Flugreise – unter anderem dank toller Fotoreportagen über den Klimawandel und seine Folgen für Flora, Fauna und Mitmenschen.

Und das bedeutet, dass ich weniger und bewusster fliege – und es hoffentlich bald ganz sein lassen werde. Und in der Zwischenzeit werde ich versuchen, die von mir verursachten Emissionen via Ablasshandel auszugleichen. Denn aus meiner Sicht nützt das der Welt immer noch mehr als stumpfer Fatalismus.

Wie steht Ihr zu dieser ethischen Zweckmühle? Und was sind Eure Tricks und Kniffe, um bei Fotoreisen den CO2-Fußabdruck zu reduzieren?

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11 Kommentare

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  1. Ich bin einmal mehr berührt von Kwerfeldein, solche Themen zu wagen und kommentieren zu dürfen. Bei Photoscala werden kritische Kommentare schlicht nicht veröffentlicht.
    Ja, wir stehen auch in dem Dilemma, fahren einen VW Bus, neu gekauft. Auch als Umweltgründen. Wir sind mit zwei Kindern, 1 und 3 Jahre alt und einem alten Hund unterwegs. Leider verbraucht er in unseren Augen viel zu viel, weil er in unseren Augen viel zu schwer ist. Aber wir versuchen, sparsam zu fahren. Haben keinen unnötigen Schnickschnack an Bord, verzichten auf ein Wohnmobil und sammeln unterwegs Plastikmüll in der Natur ein. Und so hat es mich gefreut, einen alten Land Rover-Fahrer in Nordnorwegen zu treffen, der diese Ansicht mit mir teilt. Auch er sammelt einen Tag lang Plastik in der Natur, um dem Land, dem Ort, den er nutzt, etwas zurück zu geben.
    Zudem bringe ich nicht nur schöne Bilder und Texte mit nach Hause, sondern versuche auch die traurige Seite darzustellen.
    Ein Beispiel: https://mare.photo/store-molvik/
    Genauso gehe ich in Texten kritisch mit Kreuzfahrten um und mit dem zunehmenden Gigantismus der Wohnmobile.
    Aber auch in der Fotoausrüstung kann man verantwortlich handeln.
    So wenig wie möglich an elektronischen Bausteinen, damit fallen für uns schon mal elektronische Sucher weg. Weil sie bereits in der Gewinnung extrem giftig sind. Optische Sucher, geringer Einsatz von Live View, möglichst manuell fokussieren, nur die Bilder machen, die man wirklich braucht, eine Sensorauflösung, die auch wirklich den eigenen Bedürfnissen angemessen ist und auch für kleinere Hardware in der Verarbeitung sorgt, Verzicht auf Smartphone. Dazu laden wir Bilder nur in einer Größe von max. 800px hoch. Haben keinen Flachbildschirm, sondern machen für uns ganz klassisch ein Fotoalbum. Dazu haben wir ein Kamerasystem, was ewig hält, vielleicht nicht so modern ist, aber fair produziert wurde.
    Es sind viele Kleinigkeiten, mit denen man seinen Fußabdruck minimieren und auch etwas bewirken kann.
    Wenn der Hund nicht mehr ist und die Kinder ein wenig größer sind, planen wir eine Bahnreise durch Skandinavien.
    Bei allem, wir sollten wieder eine Reise als etwa ganz besonderes zu schätzen lernen. Und vielleicht nicht mehr die sozialen Medien mit Bildern fluten. Denn auch diese haben einen prägenden Anteil an mancher unerwünschter Tourismusflut.

    • Lieber Kai, so löblich ich dein Bemühen auch finde, darf man sich meiner Meinung nach nicht im Kleinklein verlieren.
      Wie ich auf meinem Blog ausgerechnet habe, braucht man mit einer Spiegellosen Kamera wie der Sony A9 für 100.000 Fotos etwa 3,4 kW/h, mit einer Spiegelreflex wie der Canon 5D Mark IV etwa 1,5 kW/h.
      Warum ist das Kleinklein? Weil man effizienter sparen kann. Ein Liter Diesel hat einen Brennwert von 10,4 kW/h (Benzin 8,5 kWh/l). Wer also einen Liter Diesel weniger verbraucht, weil er z.B. etwa 16,7 km weniger Auto fährt (bei 6l/100km Verbrauch) kann seine Kamera für zwei bis drei Jahre mit Strom versorgen. Und der Stroms für die Kameras ist da noch deutlich umweltfreundlicher, weil der Energiemix für das Auto ja zu 100% aus fossilen Brennstoffen besteht ;-)
      Mit einem sparsameren Auto bist Du in jedem Fall schon mal auf der richtigen Fährte, auf optische Sucher muss man sich aber nicht unbedingt einschränken, wenn man an anderer Stelle mehr sparen kann ;-)

  2. Danke für diesen umfangreichen und vielschichtigen Artikel zu einem sensiblen und wichtigem Thema. Ich erachte es für unbedingt notwendig, dass in möglichst vielen Bereichen danach geschaut und Bewußtsein geschaffen wird, was man (wir) tun kann (können), um ein „gutes Morgen“ zu ermöglichen. Denn – um einen Satz aus dem Artikel zu zitieren: „Es fällt zugegebenermaßen schwer, den Klimawandel auf unser eigenes Verhalten zu beziehen“. – Ja das ist wohl so und hat auch damit zu tun, dass wir in unseren westlichen Gesellschaften seit drei Jahrzehnten ein Auseinanderfallen des gesellschaftlichen Konsens erleben und begleiten, das sich auf ein neoliberales Weltbild gründet. Zugespitzt kumuliert es in der Aussage „jeder ist sich selbst der Nächste“. Hier bei uns spiegelt sich das in der Spaltung der Gesellschaft in „arm und reich“ wider. Was wir brauchen ist eine Gesellschaft, in der Menschen Verantwortung für sich und andere übernehmen und das Miteinander eine größere Rolle spielt als heute. Daraus ließen sich Konzepte entwickeln, die ohne Hysterie dem Klimawandel entgegenwirken.

  3. Noch schlimmer als die bevorstehende Klimakatastrophe finde ich, dass auf den Malediven oder auf Island alle dieselben Fotos machen.

    Macht irgendjemand von diesen „Fotografen“ Fotos von den Bewohnern statt von Gletschern und Kokospalmen?

    • Also, noch schlimmer ist es nicht. Und solche Aussage versucht nur zu relativieren, was uns erwartet. Aber ich versuche es so zu verstehen, dass man sich oft gar nicht für das Land interessiert.
      In meinem Fall ist es aber eher der Respekt, dass ich die Menschen an den Orten, wo ich bin, nicht fotografiere. Es sei denn, sie wollen es. Aber ich führe sehr viele, oft spontane, Gespräche. Und erfahre so sehr viel über die Region und das Leben dort. Z.B. Child Protection Service Norwegen. Ich habe kein Foto der Betroffenen gemacht, aber ihre Geschichte lange recherchiert und einen aufwendigen Artikel darüber geschrieben.
      Die Klimakatastrophe wird vermutlich über 40 Mio Menschen zur Flucht bringen. Und viele Lebensräume für immer verschlingen. Da kann man kaum sagen, dass es etwas schlimmeres gibt.
      Immerhin führen wir einen einseitigen Krieg gegen die Natur und damit gegen uns. Weil es uns Spaß macht.

  4. Überall hinzufliegen ist meiner Philosophie nach kein Menschenrecht. Und es ist auch keine sogenannte Freiheit. Es ist ein Privileg, das seinen Wert leider völlig verloren hat. Und genauso wird es meistens genutzt. Die Phantasie und Kreativität, Fotos aus dem PC zu befreien, die endet mittlerweile oft damit, auf entsprechenden Plattformen Likes dafür zu sammeln. Es geht so gut wie nie um inhaltliche Werte, sondern um eingeforderten Massenzuspruch, also, kurz Ego streicheln, und ab zum nächsten Durchlauf. Dafür wird vieles angestellt, rund um die Welt geflogen, und auch die teils wenig empathische Verhaltensweise vor Ort wäre da wahrscheinlich auch den einen oder anderen Kurswechsel wert. Runtergebrochen, passiert im großen Stil die totale Vergeudung. Die Verantwortung des Einzelnen dazu läßt sich nicht pauschalisieren, oder jemandem abnehmen. Das weiß auch eigentlich jeder. Eine große Masse an Menschen benimmt sich heute seltsamer Weise entgegen ihrer Kenntnisse, und rechtfertigt das mit dem Verhalten derer, die sich auch so verhalten. Positive Vorbilder, Idole, Zukunftsweisende, werden sich kaum gesucht. Was „nichts bringt“ (Likes, Kohle, Anerkennung..), wird sein gelassen. Die öffentliche Klimadebatte hat sich allerdings in ihrer Art und Weise selbst entsachtlicht. Das alles nur medial mitzuverfolgen und herum zu moralisieren ist genauso Energieverschwendung. Man fängt wirklich besser ernsthaft im Kleinen seine eigene Debatte an, und macht sich Stück für Stück in kleinen, erreichbaren Schritten, selbst auf den Weg zu einem positiven Individuum. Da läßt sich in Kürze sehr viel sehr effektiv bewegen.

    • Ja, dem schließe ich mich an. Und zähle auch die Kreuzfahrten dazu oder die Wahl der Fahrzeugklasse und Fahrweise. Wir versuchen, unseren Abdruck zu minimieren und fühlen uns damit auch sehr gut. Leichtes Gepäck ist eben toll zum Reisen. Kennst Du, Dirk, ja auch am besten :-)
      Wir selbst nutzen die sozialen Netzwerke nicht und ich habe sie bewusst auch für meine Seite kein social media. Wäre mir zudem auch viel zu viel Streß.
      Ich habe auch Sorge, dass die Klimadiskussion so stark flutet, dass sie keiner mehr beachten, weil„man es einfach nicht mehr hören kann“. Wir werden in unserem Umfeld schon komisch angeschaut, weil wir kein whtas app, kein Facebook und co haben, weil wir förmlich darum bitten, unseren Kindern so wenig wie möglich zu schenken und weil wir es schlicht verboten haben, unseren Kindern irgendwelche batterie-erzeugten Geräusche als Spielzeug zuteil werden zu lassen. Wir kommen für unsere vierköpfige Familie zur Zeit mit 30 EUR Strom im Monat aus und versuchen auch das noch zu minimieren. Und doch wissen wir, auch von unserer Seite ist es lange nicht genug.
      Aber als meine Tochter mit mir am Strand war, mir Plastik brachte und meinte „…das ist doch Müll, Papa“, (sie war zwei Jahre alt, dachte ich, im kleinen bringt das was. Und im letzten Urlaub, gerade drei geworden, brachte sie etwas in den Einkaufskorb und meinte, das as gut wäre, es hätte kein Plastik.
      Vielleicht ist es uns abgegangen, unsere Welt und uns wirklich zu lieben und Respekt vor dem Leben zu haben.

  5. Kai, ja danke, möglichst „leichtes Gepäck“, auf Reisen, wie auch sonst im Leben, ist unglaublich befreiend… ;-)
    Ich möchte aber gerne mal noch einen Punkt ins Spiel bringen, der mir an mir selbst auch oft auffällt. Geboren ´64 gehöre ich zur Generation, die von Schwarz-Weiß-TV mit 3 Programmen und Wählscheibentelefon als einzige Elektrik im Haus, binnen wirklich überschaubarer Jahre ins Jetzt katapultiert wurde. Das ist wie gestern VW Käfer-heute Raumschiff Enterprise, und das einhergehend mit unglaublich viel frei verfügbarer Zeit. Sowas hat es ja zuvor in der Art in der Menschengeschichte nie gegeben. Da haben viele, viele Generationen hintereinander nahezu identische Lebensumstände gehabt. Ich habe tatsächlich auch schon mal das Empfinden von viel zu hoher Grundgeschwindigkeit in Allem, die auch überfordert. Das Wesentliche war damals einfacher, und immer zentraler Lebensmittelpunkt. Arbeiten, Haus& Hof, Kochen, Familie, sozial-gesellschaftlicher Kontext. Und die Religion stand im Mittelpunkt. Eigentlich sind das für den heutigen Mensch immer noch dieselben Inhalte, machen aber nur noch einen kleinen zeitlichen + energietechnischen Teil dessen aus, wie das früher war. In alten Dörfern und Städten standen in der Mitte die zwei wichtigsten Gebäude. Die hoch aufragende Kirche, und daneben das Wirtshaus. Heute ragen in den Mittelpunkten der Orte die Hochhäuser der Banken in den Himmel, und getroffen wird sich bei FaceBook. Sich dem allen zu entziehen, und gleichsam die immer noch elementaren Dinge eigenverantwortlich im Blick behalten, ist wahrscheinlich das Abenteuer der Neuzeit.

  6. Wenn es um die Thematik geht, sollte man Instagram, was für eine völlig irren Menge an Reisebildern sorgt am besten verbieten.
    Aus meiner Sicht wird von vielen Instagramern dieser destruktive Reisefotostil gelebt und propagiert. Das ist einfach nur erbärmlich, wenn Leute mit sinnlosem umhergefliege und Fotos von Motiven, die alle Anderen auch fotografieren, Geld auf kosten der Umwelt verdienen wollen.
    Man kann ja einfach mal um seinen Wohnort fotografieren. Ich verlasse für Bilder auch nur seltenst meinen Landkreis und komme sehr gut damit klar. Ich bin in meinem bisherigem leben nur alle 15 Jahre einmal privat geflogen und kann damit gut leben. Ich befürchte viele glauben, etwas zu verpassen und müssen deshalb um die Welt fliegen und die schöne Natur an fremden und „exotischen“ Orten kaputtmachen. Es wäre vielleicht besser, wenn eine peruanischer Fotograf*in Peru fotografiert und kein Teutone, der wild dreck ausstoßend dort hin fliegt, seinen Müll hinterlässt und jemandem die Arbeit wegnimmt.
    Das entspricht aber nicht unserem gewohnten, westlichen Lebensstil (der Werbeslogan „Reise dich interessant“ ist leider heutzutage der Lifestyle vieler Leute). Das beste für alle wäre, wenn man einfach mal zu Hause bleibt und sich hauptsächlich um seinen Wohnort aufhält. Ist gut machbar, vernünftig aber offensichtlich leider nicht zeitgemäß…

  7. Wir sitzen hier also alle vorm Rechner und beklagen, dass Fliegen so umweltschädlich ist. Der Anteil der Fliegerei am menschengemachten CO2 beträgt 2,69%. Das Medium, das wir hier gerade benutzen, um die Flug-Scham voranzutreiben, hat diesen Wert schon überholt. Sagt jetzt jemand, wir sollten besser auf das Internet verzichten?
    Ähnlich sieht es mit Geschwindigkeitsbegrenzungen aus. Ganze 3% deutscher Überlandstrecken sind ohne Tempolimit. Wirklich schnell fahren kann man selbst dort nur selten und Unfälle werden gerade dort in Relation nur sehr wenige verursacht.
    Diese Liste ließe sich noch deutlich erweitern.
    Was ich sagen will: Klimaschutz ist unendlich wichtig! Mich nervt aber, wie es den Hauptverantwortlichen immer wieder gelingt, die Diskussion um die tatsächlich wirkungsvollen Maßnahmen herum zu lenken.
    Anstatt verantwortungsvoll zu reagieren, schmeißen Autokonzerne unterstützt von der Politik im Moment der erregtesten Klimadiskussion SUVs auf den Markt. Die sollen dann aber möglichst schnell durch E-Mobilität abgelöst werden. Hauptsache Umsatz. Welcher Wahnsinn… Für den Bau eines neuen PKW könnte man in Bezug auf CO2-Ausstoß mit der alten Karre 100.000km weiterfahren. Und woher soll bitte die unfassbare Menge klimaneutraler Energie kommen, die wir für E-Mobilität bräuchten?
    Fliegt möglichst wenig, fahrt verantwortungsvoll mit Euren Autos und ersetzt sie nicht alle paar Jahre. Kauft vor allem keine E-Kisten, weil das die Probleme nur verlagert, aber nicht bekämpft. Aber vor allem: Wählt, wenn Ihr die Gelegenheit habt, Parteien, denen Umweltschutz wirklich am Herzen liegt.

  8. wie wäre es:
    wenn wir uns schöne Bilder ausdenken und diese z.B. zu Hause als Stillleben aufbauen, wenn wir schöne Gegenstände (in der Küche gibt es z:B. endlose Motive), Pflanzen, Blumen, Obst …. fotografieren

    wenn wir die Menschen um uns herum Porträtieren – die freuen sich nach meiner Erfahrung immer über gute Bilder

    wenn wir durch die Stadt laufen und die Architektur fotografieren, Kirchen, Rathaus, alte Häuser …. die Gemeinde freut sich sicher über gute Fotos

    wenn wir raus gehen, radeln, fahren in die Natur und diese als Ganzes, im Detail, bei unterschiedlichem Licht, zu unterschiedlichen Jahreszeiten …. fotgrafieren

    VG dierk