14. August 2019 Lesezeit: ~8 Minuten

International Wedding Photographer of the Year 2018

Der „International Wedding Photographer of the Year“ ist wohl einer der bekanntesten und größten Wettbewerbe rund um die Hochzeitsfotografie. Und wer sich ein wenig in diesem Genre der Fotografie auskennt, weiß, dass es gerade in diesem Business unzählige Awards gibt.

Das liegt auch daran, dass die Hochzeitsfotografie in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist und die Paare Höchstleistungen erwarten. Das bedeutet eine unglaubliche kreative Freiheit für die Fotograf*innen, aber auch viel Druck, denn die Bilder müssen immer besser sein als die letzten. Dafür werden die Partys immer größer und die Aufnahmeorte für Fotos immer epischer.

Einen guten Einblick, was die Hochzeitsfotografie aktuell bietet, geben die prämierten Aufnahmen des International Wedding Photographer of the Year. Aber seht selbst:

Brautpaar zwischen Licht und Schatten

Gesamtsieger: Dan O’Day

Es war unsere letzte Station für Portraits auf dem Weg zurück zur Hochzeit an der National Art School in Sydney. Eine Stunde lang waren wir wie Kinder auf einem Spielplatz am Stadtrand herumgerannt, hatten Rauchbomben genutzt und versucht, das letzte goldene australische Licht einzufangen, das am Ende des Tages noch blieb. Es war mein erstes und einziges Mal, dass ich bunte Rauchbomben benutzte und so lief alles etwas nach Versuch und Irrtum ab.

Während der letzten fünf Minuten Sonnenschein liefen Jess und Des durch einen Lichtschein, der vom Dach des Gebäudes herunterschien. Überall sah man feiernde Gäste, Gebäude, Feuerlöscher an den Wänden und ungefähr 20 Autos standen hinter ihnen, aber in diesem Moment und dem hellen Lichtstreifen sah ich den Restrauch in der Luft hängen.

Mir gelang es, sie für 0,06 Sekunden davon abzuhalten, herumzukichern und stattdessen einfach in ihrem frisch-verheiratet-Gefühl verliebt auszusehen. So konnte ich sie durch den Lichtstreifen navigieren. Fünf Minuten nach dem Bild stürmten sie durch die Tür zur Party, gaben ihren Gästen High-Fives und tranken aus Flaschen, als wären sie Headliner beim Coachella Festival.

Paar unter der Milchstraße

Zweiter Platz: Jason Tey

Denny und Vivi reisten den weiten Weg von Hongkong nach Perth in Westaustralien, um ihre Verlobungsfotos aufzunehmen. Sie wollten ausdrücklich den Nachthimmel als Teil ihrer Bilder haben, da man die Sterne in einer so dichten Stadt wie Hongkong kaum in dieser Klarheit sehen kann wie dort.

Das Foto wurde in den Sanddünen von Lancelin aufgenommen, einer Stadt am Strand, etwa 140 km nördlich von Perth. Dort draußen ist es so dunkel, dass man immer wieder erstaunt ist, wie weit und großartig das Universum ist. Mit Hilfe der Milchstraße arbeitete ich eine wunderschöne ausgewogene Komposition aus.

Es gab ein seltsames Leuchten in der Ferne (wahrscheinlich von Straßenlaternen), von dem ich dachte, dass es das Bild ruinieren würde, aber es sah aus wie der Sonnenaufgang, also verwendeten wir dieses Leuchten, um eine Silhouette zu erstellen. Es ist eine dieser perfekten Überraschungen, die man nie erwartet hätte, die aber das Bild dann zu etwas Besonderem machen.

Brautpaar zwischen Licht und Schatten

Gewinner der Kategorie „Schwarzweiß“: Chris Glenn

Ich hatte mich auf dem Gelände von Zorik und Johns Anwesen in Palm Springs umgesehen und nach einem schönen Lichtfleck gesucht. Als ich dieses Juwel fand, schnappte ich mir die Bräutigame.

Ich kann nur wenig über das Foto schreiben, außer dass diese beiden und alle ihre Gäste die nettesten und stilvollsten Menschen waren, die ich je getroffen habe. Glaubt es mir, wir hatten Spaß!

Männer im Maisfeld

Gewinnerin der Kategorie „Angehörige“: Célestine Aerden

Natalie und Michael feierten ihren Tag mit Freund*innen und Familie aus der ganzen Welt. Eine Sache, die mir auffiel, war, wie nah sie sich standen. Sie alle waren seit der Grund- und Mittelschule befreundet und es war für das Paar sehr wichtig, den Tag in ihrer Nähe zu verbringen.

Die Trauzeugen im Bild hatten so viel Spaß beim Fotografieren. Ich glaube nicht, dass ich jemals eine Gruppe von Leuten hatte, die sich so für Fotos begeistert haben! Sie waren für alles zu haben. Ich fand es toll, als sie sich bereit erklärten, für mich im Maisfeld zu stehen.

Ganz Alberta war seit einem Monat von den Waldbränden verqualmt und wir hatten Glück, dass der Rauch m Ende des Tages ein wenig aufklarte, wodurch sich einige dramatische Wolken zeigten. Das ist eine der vielen Herausforderungen, die ich an der Hochzeitsfotografie so mag: Man weiß nie, wie die Bedingungen sein werden. Besonders hier in Alberta kann sich das Wetter so schnell ändern.

Ein Mann bekommt Getränk in den Mund geschüttet

Gewinner der Kategorie „Tanzfläche“: Divyam Mehrotra

Die Tanzfläche ist meine absolute Liebe, wenn ich indische Hochzeiten fotografiere, denn sie erlaubt mir, mit verschiedenen und verrückten Blickwinkeln zu experimentieren. Dieses Bild war eines dieser Experimente. Als einige Freunde begannen, Wodka in Teegläser einzuschenken, wusste ich, dass etwas passieren würde, was nicht häufig vorkommt.

Für mich geht es bei der Hochzeitsfotografie darum, Bilder zu kreieren, die das Paar und seine Familie noch Jahrzehnte an jeden besonderen Moment der Feier erinnert.

Motorradfahrer und Braut

Gewinner der Kategorie „Analog“: Alain Schroeder

Dieses Bild wurde vor ungefähr 28 Jahren aufgenommen. Warum ich ein so altes Bild eingereicht habe?

Ich habe alle meine Schwarzweißnegative von meinen Anfängen als Fotograf verloren: Meine Aufnahmen aus Belgien an der Schule für Fotografie in Saint-Luc, in den siebziger Jahren einige Reisen in den Iran, Afghanistan, Indien und schließlich die Bilder der Hochzeit eines damaligen Freundes, Fotografen und Assistenten, genannt Gus, sein Spitzname für alle.

Leider starb Gus nur wenige Monate nach der Hochzeit. Er war mehr als ein Jahr lang mein Assistent und während dieser Zeit bat er mich, die Fotos von seiner Hochzeit zu machen. Da ich kein Hochzeitsfotograf bin, lehnte ich höflich ab, sagte aber, ich würde ein paar Bilder machen, wenn ich sie auf meine persönliche Weise machen könnte.

Deal. Er nahm einen professionellen Fotografen mit, um die Hochzeit in Farbe zu fotografieren und ich beschloss, die Hochzeit in Schwarzweiß (Kodak Tri-X um 1600) mit einer alten Leica M3 und einem modernen Minolta-Belichtungsmesser aufzunehmen.

Er war ein Biker und lud alle Mitglieder seines Clubs ein, an der Hochzeit teilzunehmen. Er trug auch selbst Leder, wie er es normalerweise eben tat. Man kann die Biker in einiger Entfernung oben links auf dem Bild sehen. Das Bild entstand in Seraing, Belgien. Das Paar hatte die Idee, ein altes englisches Taxi zu mieten und der Vater der Braut gibt ihr gerade seinen letzten Rat, während Gus ungeduldig darauf wartet, zu gehen.

Vor ein paar Monaten habe ich eine alte Festplatte überprüft, um zu schauen, ob darauf etwas von Interesse ist und fand eine digitale Reproduktion (nur ein Foto!). Durch einen anderen Zufall habe ich gleichzeitig vom Wettbewerb mit einer analogen Kategorie gehört und beschloss, das Bild einzureichen. Ich sah es als Zeichen.

Brautpaar wird mit Konfetti beworfen

Gewinner der Kategorie „Einzelbild“: James Simmons

Athena und Cameron, zwei wunderschöne Seelen von verschiedenen Seiten des Planeten, planten eine Reihe von Feierlichkeiten für ihre Hochzeit. Dieses Bild stammt aus der Sydney-Zeremonie, die in ihrem Lieblingscafé für die australische Familie von Athena stattfand.

Der Raum im Café war ziemlich eng und voller Freund*innen und der Familie, so dass es nicht wirklich einen Gang gab. Das erlaubte mir, weit nach vorn und mittig heranzugehen. Athena und Cameron saßen so eingeengt, dass sie ein leichtes Ziel für die Familie waren, die sie mit Konfetti bombardierten.

Ich nutzte ein 24-mm-Objektiv, was durch die Nähe eine große Präsenz ergibt, da viele Arme und Gesichter aus dem Rahmen ins Bild kommen. Der Sinn für Stil von Athena und Cameron half der Aufnahme sehr, da nicht oft Konfetti auf einen sauberen weißen Hintergrund trifft.

Weitere prämierte Aufnahmen ohne Texte:

Brautpaar an einem See

© Tara Lilly, Gewinnerin der Kategorie „Von Oben“

Braut auf einer Düne

© Felix Barra, Gewinner der Kategorie „Epischer Aufnahmeort“

Braut

© Aditya Mahatva Yodha, Gewinnerin der Kategorie „Einzelportrait“

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