09. August 2018 Lesezeit: ~3 Minuten

Die Schönheit des Unfertigen

Dieses Frühjahr stand endlich eine Reise auf die schöne Insel Samos in Griechenland an. Ich hatte mich für diesen Urlaub gezielt dafür entschieden, nur eine Kamera, eine Linse und einen Film mitzunehmen. Die Wahl fiel mir dabei nicht schwer: ins Gepäck wanderten meine Leica M6, ein Zeiss Biogon 35 mm f/2.8 und mehrere Rollen Ilford HP5+. Zusätzlich packte ich noch einen Rotfilter ein, da ich den HP5+ in der Regel um zwei Stopps pushe, um auch bei strahlendem Sonnenschein nicht an die Grenzen der Belichtungszeit der Kamera zu kommen.

Ich hatte mir schon seit einiger Zeit vorgenommen, meine erste Strecke und vielleicht auch ein erstes eigenes „Zine“ zu fotografieren. Dass ich dies in Griechenland machen würde, hatte ich vor Beginn der Reise allerdings nicht erwartet. Mit viel Vorfreude und großen Erwartungen an dieses geschichtsträchtige Land, begann die Reise Anfang April. Nach der Ankunft ging es mit dem Mietwagen zur Unterkunft. Bereits auf diesem Weg fiel mir am Straßenrand eine Vielzahl Bauruinen auf.

BauruineBetonstreben in der Natur

Im Hotel angekommen, recherchierte ich, was genau es mit diesen Ruinen auf sich hat. Es stellte sich heraus, dass sie nicht allein Produkte der Finanzkrise waren, sondern dass auch das griechische Baurecht eine Mitschuld daran trägt. So gilt ein Haus, bei dem auch nur ein paar Bewehrungseisen aus der Decke gucken, als nicht fertiggestellt und die Eigentümer*innen muss weniger oder gar keine Steuern zahlen.

In unmittelbarer Nachbarschaft unserer Unterkunft befand sich eine solche Bauruine, die ich mir noch am Tag nach unserer Ankunft genauer sehen konnte. Interessanterweise hatte ich den Eindruck, dass diese „Schandflecken“ inmitten der touristischen Badeorte sogar eine gewisse Ästhetik ausstrahlen. Mit dem Gedanken an die Fotostrecke nutzte ich von diesem Moment an jede Gelegenheit, die sich mir bot und fotografierte die unfertigen Schönheiten.

BauruineLichtfleck auf Beton

In der Nähe eines Badestrandes bemerkte ich zwei direkt nebeneinander stehende Ruinen, die mitten im Grünen standen und somit sehr aus der Landschaft herausstachen. Interessanterweise integrierten sie sich aber auch derart gut in die Szenerie, dass man den Eindruck gewinnen konnte, sie würden dort „natürlich“ hingehören.

Für eine Aufnahme bat ich meine Freundin, für mich Modell zu stehen. Ihre Eleganz und die Schönheit des harten, kalten Betonskeletts der Bauruine verleihen dem Bild sowohl einen eindrucksvollen Kontrast als auch Lebendigkeit und Menschlichkeit.

Frau in BauruineBauruine

In den folgenden Tagen fotografierte ich noch an diversen Standorten und freute mich, endlich ein weiteres Ziel in der Fotografie erreicht zu haben: eine zusammenhängende Strecke. Die Tatsache, dass ich mich bei der Ausrüstung auf eine einzige Kamera-Linse-Film-Kombination beschränkt habe, brachte die Freiheit mit sich, dass ich mich voll und ganz auf die Strecke konzentrieren konnte. Ich brauchte mir keinerlei Gedanken darüber zu machen, ob eine andere Brennweite oder ein anderes Filmformat vielleicht einen interessanten „Look“ geschaffen hätten.

Aufgrund der Erfahrungen auf Samos kann ich allen nur raten: Wenn Ihr schon einmal mit dem Gedanken gespielt habt, eine Strecke zu fotografieren, Euch aber noch nicht dazu überwinden konntet oder vielleicht kein passendes Thema gefunden habt: Erzwingt nichts! Meistens kommt die Idee dann plötzlich, doch bei Weitem schneller als gedacht.

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2 Kommentare

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  1. Einerseits interessante Absicht, danke fürs Mitteilen. Andrerseits habe ichs mit unfertigem Sichtbeton nicht so und finde es tragisch, wieviel Aufwand in die Verschandelung der Umwelt investiert worden ist. Haben die Leute denn noch die Absicht, da was fertig zu stellen ?