10. April 2018

Robert Winter

Robert Winter, Mitte 60, alleinstehend. Robert kenne ich schon lange. Er wohnt zwei Straßen weiter und ich bin quasi mit ihm aufgewachsen. Dunkel erinnere ich mich an eine Familie, doch das ist lange her. Robert war schon immer alt. Sah ich ihn jemals lachen? Als Kind habe ich jedes Mal gefroren, wenn ich ihm begegnet bin.

Einen Tag lang durfte ich ihn nun fotografisch begleiten. Vom Aufwachen am Morgen bis zum Einschlafen am Abend. Ich bin mit ihm seinen Weg zur Arbeit gegangen, verbrachte viele Stunden mit ihm im Büro. Ich sah ihn diszipliniert und pflichtbewusst. Robert funktioniert – tagaus, tagein.

Träume hat er keine mehr – das ist vielleicht das Beste in seinem Leben. Ich glaube, er hat mich nicht wahrgenommen an diesem Tag. Es schien ihm egal, ob da jemand war oder nicht. Mein Blick durch die Kamera zeigt mir einen isolierten Menschen, der in absolute Starre verfallen ist.

Für mich war das ein sehr wichtiger Tag. Meine Sicht auf Robert ist eine andere geworden. Ich friere nun nicht mehr in seiner Nähe.

Ein Mann sitzt auf einem Bett

Mann im Badezimmer

Ein Mann vor einem Fenster

Ein Mann sitzt am Esstisch

Ein Mann in der Bahn

Ein Mann am Schreibtisch

Ein mann läuft durch eine Unterführung

Ein Mann sitzt am Tisch

Ein Mann vor einem Fernseher

Die Idee zu meiner Serie entstand beim Anschauen eines Films, dessen Grundstimmung und Atmosphäre mich dermaßen in ihren Bann zogen, dass ich sogleich beschloss, ebendiese in einem Bild fotografisch umzusetzen. Fast auf einen Schlag kamen mir so viele Bildideen in den Sinn, dass ich sie notieren musste, um sie nicht wieder zu verlieren. Robert Winter war geboren. So entstanden in drei Wochen zwölf Fotos.

Alle Fotos sind Collagen. Bei den Hintergründen handelt es sich um ältere, teils leerstehende Gebäude, die ich in den letzten Jahren fotografiert habe. Teilweise konnte ich sie 1:1 übernehmen, aber meist waren mehr oder weniger aufwändige „Umbaumaßnahmen“ notwendig. In die Person Robert Winter schlüpfte mein Mann Peter.

Die Latexmaske, die er trug, verfremdete ihn nicht nur vollkommen, sie sorgte auch für eine gewisse Künstlichkeit, die von mir durchaus gewollt ist. Handelt es sich doch auch bei der Person Robert Winter um eine Kunstfigur, die etwas überspitzt dargestellt wird.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich, selbst wenn mich hier ein Film inspiriert hat, keine einzige Filmszene nachgestellt habe. Mir ging es viel mehr darum, diese besondere Stimmung aufzugreifen und mit meinen Ideen und Mitteln umzusetzen.

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20 Kommentare

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  1. „Sie nutzt die digitale Bildbearbeitung zum Erstellen ihrer Fotos …“ -sie erstellt nicht mit der digitalen Bildbearbeitung Fotos, sondern wohl eher mit der digitalen Bildbearbeitung aus Fotos Bilder, was im Ergebnis aus meiner Sicht wie computergeneriert wirkt. Bildbearbeitungtechnisch gesehen – Hut ab!
    Das Ganze ist für mich eher eine Graphic Novel und bedient das Klischee des einsamen deutschen Beamten, der unmenschlich der Vorschrift folgt. Als Darstellung eines Kindheitstraumas gut geeignet.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Wobei ich noch erwähnen möchte, dass ich mit der Bildstrecke nicht unbedingt das „Klischee des Beamten“ bedienen wollte. Mir ging es vielmehr darum, eine bestimmte Persönlichkeit aufzuzeichnen. Daher wird Herr Winter auch -bis auf das Bürofoto- eher im privaten Umfeld gezeigt.

      • Das ist das Problem mit den Klischees – sie wirken auch, wenn man es nicht will. Ich unterstelle nicht, das dies beabsichtigt war, aber die Bilder mit Aktentasche und Büro leiten dahin. Es kann natürlich auch ein nichtbeamteter einsamer Büroarbeiter sein.

  2. Super umgesetzte Bildstrecke !
    Mich machen die Bilder eher nachdenklich, durch meinen Beruf bin ich mehr Roberts begegnet als mir lieb ist. Die Alters Vereinsamung ist meines Wissensstand weit verbreitet…

  3. Gefällt mir sehr!

    Die Bilder finde ich exzellent, sie haben mich zurück zum Anfang gebracht und mich die Geschichte lesen lassen. Die Auflösung brachte mich wiederum dazu die Bilder ein weiteres
    mal anzuschauen..

    Danke!

    Mich würde interessieren welcher Film dich inspiriert hat?

    • Herzlichen Dank für deinen Kommentar!
      Was den Film betrifft- das war „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“
      Alleine schon dieser Titel……
      Ein Film, den man nicht wirklich beschreiben kann. Für mich : feeling pur!

  4. Herzlichen Dank für deinen Kommentar!
    Was den Film betrifft- das war „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“
    Alleine schon dieser Titel……
    Ein Film, den man nicht wirklich beschreiben kann. Für mich : feeling pur!

  5. Lieben Dank für eure Kommentare zu meiner Serie!
    Ich freue mich über jeden einzelnen- zeigt es mir doch, dass sie bei euch genauso ankommt, wie ich sie angemacht hatte!
    Danke, dass ich sie hier zeigen durfte!