21. August 2017 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Radfahren entlang der Kanadischen Rocky Mountains

Vor einer Weile entschied ich, dass ich mich für meinen High-School-Abschluss mit einer Sommerreise in die Kanadischen Rockys belohnen wollte. Seit etwas über einem Jahr verfolge ich die Landschaftsfotografie nun ernsthaft und ich wollte mir auf der Reise ein Portfolio aufbauen. Bis dahin hatte ich vor allem städtische Aufnahmen rund um Toronto geschossen und wollte mehr als alles andere den Banff- und Jasper-Nationalpark sehen.

Die größte Hürde, die mir im Weg stand, war, dass ich erst 17 Jahre alt bin, daher noch keinen vollwertigen Führerschein habe und auch kein Auto besitze. Kein Vermietungsunternehmen würde jemandem unter 21 ein Auto anbieten, geschweige denn einem Minderjährigen.

Ein See mit Bergen im Hintergrund

Ich wollte dieses Problem lösen und suchte nach einer alternativen Transportmöglichkeit, die eigentlich so nah lag: Mein Fahrrad. Viele Leute reisen lange Distanzen mit dem Rad und es war sehr spaßig, zu meinen Zielen zu fahren. Die Frage war nur, ob das Radfahren in den Kanadischen Rockys für mich auch möglich war.

Für die wenigen Monate bis zu meiner Reise fing ich an, unermüdlich zu trainieren. Ich fuhr viel mehr mit dem Rad als normalerweise und fuhr für ein paar Wochenendradtouren nach Ontario.

Ein Gebirge spiegelt sich in einem See

Im Juni 2017, gleich nach meinem Schulabschluss, stieg ich also in einen Bus und reiste durch halb Kanada, was meine Geduld stark auf die Probe stellen sollte.

Der Plan war einfach: Ich wollte je eine Woche in jeder Stadt der Nationalparks verbringen, eine in Banff, Lake Louise und eine in Jasper. Dazu geplant war eine einwöchige Radwanderung zwischen den Städten – eine anstrengende Tour von 300 km Länge über ständig wechselndes und steiles Gelände entlang dem Icefields Parkway. Die 300 km zerlegte ich in überschaubare Segmente, mit Endpunkten an Orten, die auch fotografisch für mich interessant wären.

Die Sehenswürdigkeiten auf dem Weg waren einfach wunderschön. Es ist wahr, was gesagt wird: Der Icefields Parkway ist eine der schönsten Straßen der Welt. Leider war das Autofahren der Strecke für mich ja keine Option, also genoss ich sie eben in die Pedale tretend.

Ein See mit Gebirge

Ich gebe zu, dass das Radfahren mit meiner ganzen Ausrüstung schwierig war, vor allem über einige der steileren Hügel. Bei mir hatte ich die Fujifilm X-T2 und ein XF 16–55 mm f/2.8 WR LM , ein Set Lee-Filter, ein Stativ, diverses Zubehör und mein Surface Pro 4 . Alles wurde in meinem Peak Design Everyday Rucksack untergebracht.

Abgesehen von meiner fotografischen Ausrüstung war Minimalismus der Schlüssel für meine Reise. Ich hatte auch meine Campingausrüstung und Zubehör an meinem Fahrrad mit Hilfe von Taschen befestigt. Jedes unnötige Gewicht wäre nur ein Hindernis gewesen.

Ein Radfahrer im Sonnenuntergang

Eines der größten Probleme war, sowohl meine Fotografie als auch den Radsport unter einen Hut zu bringen: Trotz der überschaubaren Segmentierung meiner Reise machten es das steile Gelände und die langen Distanzen schwierig, danach sofort noch zu Wanderungen für Fotos aufzubrechen. Die Jugendherbergen in der Wildnis auf meiner Route machten es etwas einfacher, beide anstrengenden Aktivitäten zu bewältigen. Ich zeltete auch an verschiedenen Stellen auf dem Weg – es war erfrischend, nach Jahren des Stadtlebens im Freien zu schlafen.

Diese Reise hat mir eine neue Wertschätzung für die Landschaftsfotografie beschert. Egal ob bei Regen oder starker Sonne, es spürte nichts weiter als Befriedigung, wenn ich nach einer Wanderung mit steilem Anstieg mit einer wunderschönen Aussicht belohnt wurde.

Am 21. Juli kam ich in Jasper an. Ich bin unendlich stolz auf die Tatsache, dass ich den Weg geschafft habe. Ich denke, dass die Unabhängigkeit während der Reise für mich sehr wichtig war. Je mehr Menschen auf einer Reise sind, desto mehr Kompromisse sind auch erforderlich. Reisen auf eigene Faust erlauben mir, Dinge zu tun, ohne mich auf andere verlassen zu müssen oder meinen Zeitplan zu beugen. Ich konnte so spät aufstehen wie ich wollte, aber auch so früh wie ich wollte losziehen, um den Sonnenaufgang einzufangen. Das war sehr vorteilhaft beim Aufbau meines Portfolios.

Zwei Berggipfel in der Ferne

Während der Reise traf ich viele Leute, die überrascht waren, als ich ihnen sagte, dass ich noch ein Teenager war. Ich denke, dass es für sie überraschend war, weil die meisten Jugendlichen, die ich kenne, nicht auf ein Abenteuer mit dem Fahrrad gehen. Und tatsächlich waren die meisten Leute, die ich mit dem Rad auf der Straße traf, tatsächlich schon im Ruhestand!

In meinen Augen war meine Reise ein großer Erfolg. Ich habe im letzten Monat etwas erreicht, wovon ich vor ein paar Jahren noch nicht zu träumen gewagt hätte. Ich hoffe, dass meine Geschichte andere zum Planen einer Reise inspiriert, die sie schon einige Zeit aus welchen Gründen auch immer vor sich herschieben. Ich ließ mich nicht durch mein Alter davon abhalten und fotografierte die Kanadischen Rockys, weil ich nicht von so etwas Banalem abgehalten werden wollte, meiner Leidenschaft zu folgen.

Und nun hoffe ich, dass dies nur das erste von vielen Abenteuern gewesen ist!

Dieser Artikel wurde zuerst auf Ethans Blog veröffentlicht. Redakteurin Katja Kemnitz hat ihn für Euch aus dem Englischen in Deutsche übersetzt.

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4 Kommentare

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  1. Ich würde es genauso machen. Einfach raus und weg. Die Natur in vollen Zügen genießen und dort wo man ist sein Zelt aufschlagen. Aber sag niemals nie, denn es ist nie zu spät aufzubrechen. Machen!

    Danke für die Inspiration und das Fernweh :)