Eine Collage zweier weiblicher Akte.
24. September 2016 Lesezeit: ~ 3 Minuten

Mit dem Essen spielt man nicht

Eigentlich hatte Kat Kapo etwas ganz anderes im Sinn. Sie war auf der Suche nach männlichen Aktfotografien, auf Flohmärkten und in Auktionshäusern, durch alle Dekaden. Aber sie wurde nicht fündig, nicht in dem Maße, wie es angedacht war. Was sie jedoch in Hülle und Fülle fand, waren Bilder weiblicher Akte.

Sie unterhielt sich mit befreundeten Fotograf*innen und als Begründungen, warum das wohl so sei, kamen folgende Argumente: Wenn ich Männer fotografiere, denken die anderen, ich bin schwul. Oder: Ich fotografiere lieber Frauen, weil mich das anregt. Von Frauen kamen folgende Argumente: Ich finde kaum Männer, die sich nackt fotografieren lassen. Oder: Das ist mir zu platt, zu inhaltslos.

Eine Frau schaut in einen Spiegel.Eine Frau mit einem nackten Rücken.
Eine Frau berührt etwas helles.Eine Frau ist nackt.

Natürlich kann diese Argumentation nicht allgemeingültig sein und vielleicht waren die Gründe der Fotograf*innen ganz einfach undurchdacht, dennoch kam Kat Kapo zu folgendem Schluss:

Weibliche Akte, erotische Aufnahmen, pornografisches Material sind demnach ein Konsumgut, das gesellschaftstauglichen Schönheitsidealen entspricht.

Die Aktfotografie ist ihr hier zu unkritisch, denn Fotografie darf gern hinterfragen, auch mit einem Schmunzeln und so kam sie auf die Idee zwei verbindender Elemente:

Die Serie „Mit dem Essen spielt man nicht“ greift die Idee des Konsums in Verbindung mit Lebensmitteln auf. Die Auswahl der alten, in Auktionshäusern erstandenen Bilder ist absichtsvoll, da die Zeit, in der die Bilder entstanden, einen Markierungspunkt in der Konsumierbarkeit weiblicher Nacktheit darstellt – Zeichnungen oder Skulpturen gab es vorher zwar schon, waren aber für den normalen Bürger kaum bezahlbar.

Eine Frau isst Beeren.Eine Frau verhüllt von Beeren.
Ein Milchmädchen in Schwarz.Ein Mädchen mit Blüten.

Interessant ist auch, wie diese Bilder entstehen. Es gibt keine große Vorbereitung, kein Setting, kein besonderes Licht oder dergleichen. Die Bilder entstehen, während das Essen zubereitet wird. Spielerisch werden dabei die verwendeten Lebensmittel auf den Bildern versprenkelt und mit dem Smartphone fotografiert. Man könnte es vielleicht auch Fastfood-Fotografie nennen.

Nahrung zu kochen und dem Auge schmeichelnd anzurichten, ist ein Akt der Dienstbarkeit. Es ist eine Art, Zuneigung durch ein Geschenk auszudrücken. Dass wir danach streben sollten, perfekt zubereitete und präsentierte Nahrung anzufertigen, ist Symbol eines bereitwilligen und freudespendenden Dienst am jeweils anderen. Food Pornography erweitert genau diese Bedeutung bezogen auf die Nahrungszubereitung. Die Art der verwendeten Bilder unterschlägt immer den Prozess der Herstellung einer Mahlzeit. Sie sind immer wunderschön ausgeleuchtet und oftmals retouchiert. (Coward, Rosalind (1984). Female Desire: Women’s Sexuality Today. Paladin, p. 103.) *

Weitere Künstler_innen, die mit Essen spielen, sind Lisa Origini, zericiphone und Zeren Badar.

Abgeschlossen ist die Serie noch nicht. Aber in ihrer Gänze könnt Ihr sie auf der Webseite von Kat Kapo begutachten.

* Das Zitat wurde für Euch von Marcel Pommer vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Das Originalzitat könnt Ihr auf der Webseite von Kat Kapo nachlesen.

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3 Kommentare

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  1. Schöne Idee – originelle Umsetzung. Respekt.

    Zum Thema Allgegenwärtigkeit des weiblichen Akts (entgegen des männlichen) werfe ich wertfrei in den Raum, dass quasi alle Frauen, mit denen ich drüber rede, weibliche Aktfotografie ästhetischer und anziehender finden als männliche.
    Gleichbehandlungsanspruch in allen Ehren, aber in unverrückbarer Konsequenz um seiner selbst willen..?
    Deutlich wichtiger sind mir Diskussionen über Anspruch, Qualität und Würde in der Aktfotografie – männliche wie weibliche – und welche Werte wir an unsere Kids durchreichen, wenn die schon per Werbung Autopolitur mit nackten Brüsten verbinden.
    Ich bin für jedes überzeugende Gegenargument offen. Aber nicht für abgenutzte Plattitüden, die an wirklicher und ehrlicher Gleichstellung vorbeirauschen.