Testbericht: Olympus Tough TG-4
Auch in diesem Sommer habe ich wieder nach einer idealen Kompaktkamera gesucht, die ich vor allem Unterwasser nutzen kann. Die Olympus Tough verspricht dabei alles, was ich suche. Sie ist wasserdicht bis zu 15 m, hat eine lichtstarke Blende von f/2.0–4.9 und kann die Bilder im Raw-Format aufnehmen.
Vorweg eine kurze Erklärung, warum ich eine Kompaktkamera einem Unterwassergehäuse vorziehe: Die Kompaktkamera ist wesentlich handlicher und meine Hände recht klein. Ich schaffe es kaum, ein Unterwassergehäuse für eine DSLR Überwasser richtig zu halten und auszulösen. Im Wasser bin ich damit regelmäßig verzweifelt.
Zudem lässt die Luft im Gehäuse mich immer nach oben treiben, während eine Kompaktkamera auf den Grund sinkt, wenn ich sie mir nicht um das Handgelenk binde. Die Displaygröße der Olympus beträgt 7,5 cm in der Diagonalen. Ohne die zusätzliche Plastikschicht eines Gehäuses kann man darauf auch im Wasser ganz wunderbar die ersten Ergebnisse auswerten.
Der Nachteil einer Kompaktkamera ist natürlich die Qualität der Aufnahmen. Im direkten Vergleich zu einer guten DSLR wird sie sicher verlieren. Aber ich brauche es nicht immer absolut perfekt. Ich bearbeite nachträglich viel und die Qualität von Kompaktkameras ist in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass sie für meine Zwecke absolut ausreichend ist.
Die Olympus Tough hat mich mit ihrer Bildqualität auf jeden Fall überzeugt. Ich habe sie auf einer Reise auf die Färöer-Inseln zunächst Überwasser als Outdoor-Kamera getestet.
Die „Blende“ der Kamera wird durch einen internen ND-Filter umgesetzt. Leider ist dadurch eine manuelle Auswahl der Belichtungszeit nicht möglich. Einstellen kann man lediglich die Belichtungskorrektur. Die Kamera nutzt Belichtungszeiten zwischen vier Sekunden und 1/2.000 s. Die ISO reicht bis zu 6.400, das Rauschen ist dann jedoch schon sehr stark. Trotz Raw-Dateiformat würde ich nicht über ISO 800 gehen.
Da man wenig selbst einstellen kann, muss man sich etwas auf die Programmmodi verlassen. Davon gibt es ganze 28 Stück. Sehr überrascht war ich von der Makrofunktion. Die Kamera hat in diesem Modus eine Naheinstellgrenze von nur einem Zentimeter! Ich habe mich noch nie wirklich für Makrofotografie interessiert, aber diese Funktion zu testen hat wirklich Spaß gemacht und bietet Möglichkeiten, die ich mit meiner DSLR nicht habe.
Ansonsten gibt es viele verschiedene Modi wie für Intervall-Aufnahmen, spezielle Nachtmodi, HDR-Backlight, fünf Unterwasser-Modi, verschiedene Portrait-Modi, einen Modus für das Abfotografieren von Dokumenten und mehr. Da ich meine Bilder sowieso mit CameraRaw bearbeite, sind die meisten davon für mich nicht reizvoll. Ausprobiert habe ich die verschiedenen Portrait- und Landschaftsmodi und sie machen auf jeden Fall Sinn, wenn man schnell und ohne lange nachträgliche Bearbeitung schöne Ergebnisse haben möchte.
Einzig mit der Panorama-Funktion bin ich überhaupt nicht zurechtgekommen. Ich kenne diese Funktion bereits von meinem Handy Samsung Galaxy s5 und dort funktioniert das Stitchen einzelner Bilder in der Kamera wesentlich besser, schneller und einfacher. Vielleicht muss man dafür dann doch ein schwenkbares Stativ nutzen, ich habe es aus der Hand versucht:
Aber zu den wirklich positiven Sachen: Über- und Unterwasser hat die Kamera eine hervorragende Qualität, kommt gut mit schwierigen Lichtverhältnissen zurecht und dank des Raw-Dateiformats kann man sehr viel aus den Fotos herausholen. In Ermangelung klarer Seen in meiner Gegend musste ich für eine Fotosession auf einen Pool ausweichen, bei dem ich nachträglich den Hintergrund ausgetauscht habe.
Es macht großen Spaß, mit der Olympus zu arbeiten, weil es vor allem so einfach ist. Das Display hat eine ideale Größe und mit Taucherbrille kann man auch Unterwasser den Bildausschnitt genau wählen.
Auch sehr praktisch ist das integrierte WLAN. So konnte ich auf Reisen meine Bilder direkt auf mein Handy schicken und erste Eindrücke in meine Social-Media-Kanäle laden. Zudem kann man mit Hilfe der Funktion das Handy als Auslöser nutzen. Das funktioniert dank einer App, die es für Android und iOS gibt alles kinderleicht und schnell.
Wer tiefer als 15 m tauchen will, kann ein Unterwassergehäuse für die Kamera dazu kaufen. Zusätzlich gibt es auch einen LED-Lichtleiteraufsatz
, um Makro- und Mikrofotos gleichmäßig auszuleuchten, sowie einen Fisheye-Konverter
und einen Tele-Konverter
.
Die Kamera ist ein toller Reisebereiter, insbesondere wenn die DSLR an ihre Grenzen kommt. Sie ist nicht nur wasserdicht, sondern übersteht auch Stürze aus 2,1 m Höhe, Temperaturen bis -10 °C und Belastungen von bis zu 100 kg. Die Olympus TG4 hat eine Auflösung von 16,8 MP und ein optischer Bildstabilisator vermeidet Verwacklungen.
Optisch mag ich die Kamera auch sehr. Man merkt beim Anfassen aber schnell, dass sie zum Großteil aus Plastik besteht. Mich stört das nicht besonders und ich traue ihrer Robustheit dennoch. Ich weiß jedoch mit Blick auf den Preis der Kamera, dass einige sicher eine wertigere Haptik erwarten. Die Verschlüsse sind gut geschützt und man kann mit einem Blick anhand der farbigen Markierungen überprüfen, ob sie richtig geschlossen sind, wenn man Unterwasser gehen möchte.
Mich hat die kleine Kompaktkamera positiv überrascht und überzeugt. Sie bietet sogar mehr Funktionen als ich wirklich brauche. Die Videofunktion habe ich zum Beispiel gar nicht getestet. Die Raw-Funktion ist hingegen mein Highlight. Die Kamera arbeitet mit einer SD-Karte und den Akku kann man mit einem Ladekabel an der Kamera selbst aufladen. Wünschen würde ich mir noch die Möglichkeit, Blende und Belichtungszeit manuell einstellen zu können, dann wäre sie perfekt.
Die Olympus TG4 ist erhältlich in rot und schwarz
. Sie kostet 349 €.
Deine Erfahrungen mit Unterwassergehäusen kann ich bestätigen. Hatte das Vergnügen mit Ewa-Marine. Mit Taucherbrille durch den Sucher zu schauen ist fast unmöglich und auch mit LiveView hat man bei sonnigem Wetter keine Chance. Die Bedientasten sind meist schwer zu erreichen und der von dir beschriebene Auftrieb beim Tauchen nervt einfach. Da ist die Olympus sicher ne interessante Alternative.
Die Bearbeitung deines Poolfotos ist wirklich beeindruckend.
Als regelmäßiger Leser und OLY Service-Mitarbeiter mag ich den Artikel besonders. Ich habe ihn sogar intern an meine Kollegen verteilt :)
Hallo Katja,
ein spannender Artikel. Und Dein Unterwasserfoto gefällt mir gut, die Qualität der Aufnahme ist doch recht beeindruckend, wenn man bedenkt, mit welcher Kamera das aufgenommen wurde.
ich fotografiere sehr oft Unterwasser und habe mich dazu für eine DSLM (Sony a6000) entschieden. Diese ist auch sehr kompakt liefert aber sehr hochwertige Fotos. Ich nutze sie mit einem einfachen Unterwassergehäuse, das auch nicht sehr Groß ausfällt. Daher ist es m.E. auch für kleinere Hände recht gut geeignet. Ich wollte zum Einstieg in diesen Bereich der Fotografie auch nicht sofort mit einer diesen Investition starten, und für meine DSLR ein passendes UW-Gehäuse kaufen. Inzwischen ist es für zum „Sport“ geworden, mit meiner „standard-einfach 700.-€“ Ausrüstung in der UW Fotografie in der Profi Liga mitzuspielen. Letztlich zeigt dein Beitrag ja auch, dass man keine 7000.-€ hinlegen muss, um Unterwasser gute Fotos zu machen.
Natürlich stoßen die einfachen Lösungen für Unterwasser auch an ihre Grenzen, insbesondere bzgl. der Einschränkungen bei der Brennweite und der Brechungsindexanpassung. Aber es führt dazu, dass dieser Bereich nicht den Fotografen vorenthalten bleibt, die viel Geld für Technik hinlegen können.
Dein Bildbearbeitung gefällt mir ausgesprochen gut!
Viele Grüße,
Stephan
Würde mich sehr freuen wenn mich die Kamera nächstes Jahr auf meiner Südamerika Reise begleiten dürfte!
Blogartikel dazu: Wir zeigen die besten Reisekameras 2019 -