Ein Mann mit Waffe über der Schulter
05. Mai 2016 Lesezeit: ~4 Minuten

Die Schönheit des Omo-Tals

„The Beauty of the Omo Valley“ ist die Portraitserie einiger afrikanischer Stämme, die im Verschwinden begriffen sind. Wie der Titel schon vermuten lässt, war das Ziel meines Projektes, die Schönheit dieser indigenen Völker zu erfassen – und der Umwelt, in der sie leben.

Besonders fasziniert mich an den Stämmen im Omo-Tal, wie sie in Harmonie mit dieser wunderschönen und unberührten Natur leben. Die Menschen dort haben kaum Kontakt zur Zivilisation und leben so, wie sie es schon in den letzten 1.000 Jahren getan haben.

Zwei Frauen mit bunten Ketten

Eine Frau in der afrikanischen Steppe mit rotem Gesicht

Einer der bekanntesten Stämme und wohl auch der am meisten fotografierte ist der Stamm der Mursi. Bei ihm schmücken sich die Frauen mit einem Teller in der Unterlippe. Ich bekam zwei verschiedene Erklärungen für diesen Schmuck: Eine ist, dass sie den Teller bekommen, wenn sie heiraten, um auf andere Männer weniger attraktiv zu wirken. Die offiziellere Version ist, dass die Größe des Tellers Prestige und den Reichtum der Familie verdeutlicht.

Eine weitere Form der Körperkunst der Mursi sind Narben. Bei dieser Art von Tattoos werden Muster in die Haut geschnitten und Asche in die Wunden gestreut, um die Narbenbildung zu verstärken.

Eine Frau mit Tellerschmuck in der UnterlippeEin Mann mit Waffe vor einem Strauch

Auch wenn alle Stämme in Harmonie mit der Natur leben, gibt es andere Konflikte. In allen Dörfern, die ich besuchte, trugen die Menschen Waffen. In abgelegenen Gebieten wurde mir geraten, selbst eine Waffe zu tragen oder nur in Begleitung der lokalen Polizei zu gehen. Das Problem sei der steigende Alkoholismus.

Die größte Herausforderung der Reise war es, zu den weit entfernt lebenden Stämmen zu gelangen. Um das Omo-Tal zu besuchen, mietete ich mir ein Auto mit Fahrer und einen Guide in der Hauptstadt Addis Abeba. Alles, was ich auf meiner Reise brauchte, musste ich in dieser Stadt besorgen, denn auf dem Weg zu den Stämmen gibt es sehr wenig, also auch nur kleine Läden und Märkte.

Eine Frau lehnt an einem Baum

Zwei Menschen in Stammestracht auf einer Wiese

Ich besorgte Campingausrüstung und Stromerzeuger sowie Nahrung und Wasser für die gesamte Reise. Es war kein gastronomisches Erlebnis, denn unsere Versprgung bestand aus Dosenessen, Reis und Nudeln. Wir konnten noch ein wenig Gemüse auftreiben und der Stamm der Kara verkaufte uns ein Huhn.

Ein paar Meilen in der Gegend zu fahren, kann mehrere Stunden dauern, weil Erdwege und getrocknete Flüsse als Straßen verwendet werden. Das Vorankommen ist stark abhängig von Natur und Wetter – und es ist nur außerhalb der Regenzeit möglich, die entlegenen Stämme zu besuchen.

Ich war dort direkt am Ende der Regenzeit und die Weiterfahrt verzögerte sich mehrmals wegen schweren Regens, der große Überschwemmungen verursacht hatte. Das machte es praktisch unmöglich, die Flüsse zu passieren, da es nur wenige Brücken in der Gegend gibt.

Für die Arbeit an meinem Projekt war ich zwei Mal im südlichen Teil von Omo und ich habe immer noch den Drang, diesen erstaunlichen Teil der Welt weiter zu erkunden. Es ist einer der schönsten Orte, die ich je gesehen und fotografiert habe. Und trotz der großen Herausforderungen dabei, in der Gegend unterwegs zu sein, kann niemand dem Omo-Tal die Schönheit nehmen.

 

Informationen zum Buch

Titel: „Im Tal des Omo“
Fotograf: Ken Hermann
Autor: Suzette Frovin
Seiten: 224
Sprachen: Englisch, Deutsch
Erscheinungsdatum: 20. Oktober 2014
Verlag: Edition Panorama
ISBN: 978-3898234757
Größe: 25 x 33,5 cm
Preis: 45 €

Dieser Artikel wurde für Euch von Katja Kemnitz aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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4 Kommentare

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  1. Ich finde die Fotos großartig und bin sehr beeindruckt, das Fernweh packt mich bereits und auf meiner imaginären Reiseliste ist gerade ein neuer Ort erschienen. Es gilt übrigens der Weg ist das Ziel und wer noch nicht in Afrika unterwegs gewesen ist, der mag das Wort ausgelutscht aus Unwissenheit benutzen. Danke für diese tolle Reiseinspiration in grandiosen Bildern

    • Ich war schon in über 22 Ländern in Afrika unterwegs, um das geht es aber nicht. Viel mehr gab es in letzter Zeit relativ viele Fotografen, die ins Omo Valley gereist sind um „die schönen Wilden“ abzulichten. Auch wenn die Bilder wirklich toll aussehen, ich finde das halt irgendwie nicht so toll. Vielleicht gerade weil ich eben soviel in Afrika unterwegs bin.

      • Dennoch muss man seine eigene Empfindung nicht dazu nutzen, um eine Arbeit schlecht zu machen. Selbst wenn es ausgelutscht ist, heißt es nicht, dass es ein anderer Fotograf nicht machen darf und kann und es heißt heißt auch nicht, dass er es dann nicht veröffentlichen darf. Auch ich habe schon viele Bilder von diesem Ort gesehen, dennoch finde ich es gut, wenn es gezeigt wird.