Gorillas
04. Mai 2016 Lesezeit: ~7 Minuten

Gorillas im Nationalpark Virunga

Die Demokratische Republik Kongo gehört wahrscheinlich nicht zu den typischen Reisezielen und das Auswärtige Amt rät von Reisen dorthin auch dringlichst ab. Trotz alledem kann dieses Land zum Beispiel mit Landschaften punkten, die man einfach nur als atemberaubend beschreiben kann.

Sucht man das wilde und authentische Afrika, so ist man hier genau an der richtigen Adresse. Dieses Abenteuer wollte ich mir nicht entgehen lassen und mir einen Traum erfüllen: Mich auf die Suche nach Gorillas machen.

Gorillas

Der Kongo ist ein sehr interessantes Land mit einer traurigen Vergangenheit. Trotz seines Rohstoffreichtums zählt der Staat durch jahrzehntelange Ausbeutung, Korruption, jahrelange Kriege und ständige Bevölkerungszunahme heute zu den ärmsten Ländern der Welt.

Man findet hier die größten noch existierenden Regenwaldgebiete Afrikas. Sie bedecken gut zwei Drittel der Landesfläche und beherbergen eine Vielzahl von Reptilien, Vogelarten und Säugetieren. Darunter Bonobos, Okapis, Afrikanische Büffel und den Östlichen Gorilla.

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Im Rahmen meines Studiums hatte ich mich dafür entschieden, für etwa einen Monat in einem kleinen Krankenhaus in Uganda zu arbeiten. Hier begann meine Reise. Nach dieser eindrucksvollen Zeit ging es weiter nach Rwanda oder wie ich es auch gern nenne: Die afrikanische Schweiz! Ich kenne wenige Länder in Afrika, die so sauber sind wie dieses. Das ist auch nicht verwunderlich, denn einmal im Monat ist nationaler Putztag.

Von hier aus war es nicht mehr weit. Endlich an der Grenze zum Kongo in der Stadt Gisenyi angekommen, warteten schon neue Herausforderungen auf mich und zwar gab es Probleme mit meinem Visum. Nach zwei Tagen des Wartens und einer deftigen „Gebühr“ in Höhe von 120 Dollar war es nun endlich soweit.

Ein für mich organisierter Fahrer erwartete mich, denn man sollte als Tourist im Kongo nicht versuchen, auf eigene Faust zu reisen. Das Auswärtige Amt schreibt wortwörtlich: „Der (…) Aufenthalt in diesen Gebieten muss durch ein tragfähiges Sicherheitskonzept abgesichert sein.“

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Als wir die Grenze von Gisenyi, einem sehr schönen Ort mit fast schon gewissem Strandflair, nach Goma, der Grenzstadt im Kongo, überquerten, passierte etwas ganz Ungewöhnliches: Innerhalb von 200 Metern änderte sich das Stadtbild rapide. Es wurde staubig, dreckig, chaotisch und man wurde mit einer immensen Militärpräsenz konfrontiert. Seit über einer Dekade sind hier UNO-Friedentruppen mit mehr als 20.000 Blauhelmen stationiert.

Goma kann auch als das „Pompeji der Neuzeit“ bezeichnet werden, denn vor rund 14 Jahren wurde die Stadt von einem Lavastrom überrollt. Die Auswirkungen sind noch heute spürbar. Davon betroffen waren das Stadtzentrum und der Flughafen Goma International Airport. Noch heute sind fast 1.000 Meter der Start- und Landebahn unter einer Lavaschicht begraben.

Gorillas

Neben den typischen Safarifotos wurden mir hier ganz andere Motive geboten: Meine Kamera lief förmlich heiß und ich machte zahlreiche Fotos von dieser ungewöhnlichen Stadt und ihrem chaotischen Treiben. Die Ergebnisse findet Ihr auf Instagram.

Verlässt man Goma, so werden aus „Straßen“ Sandwege. Je weiter man sich von der Stadt entfernt, desto größer werden die Schlaglöcher und für die letzten 10 km zum Nationalpark haben wir fast zwei Stunden benötigt.

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Der Nationalpark Virunga ist neben vier anderen Gebieten als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet. Er wurde bereits 1925 eingerichtet, hieß damals noch Albert-Nationalpark und war damit der erste Nationalpark Afrikas. Die Nationalparkranger der ICCN begrüßten mich herzlich und erzählten mir von ihrer Arbeit. Sie leisten hier wirklich Großes; obwohl sie wenig und unregelmäßig verdienen, sind sie sehr überzeugt von ihrer Arbeit.

Schon während des Bürgerkrieges seien Ranger in politische Konflikte verwickelt worden und die Rebellen hätten jeglichen Dialog verweigert. In dieser Zeit hätten weit mehr als 100 Ranger im Dienst ihr Leben verloren. Aber nicht nur Rebellen, sondern auch Wilderei stelle regelmäßig eine Gefahr für die Ranger und die Tiere dar. Zudem sind diese Wilderer teilweise sogar mit Maschinengewehren ausgestattet.

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Die traurige Bilanz: Von 480 ausgebildeten Rangern sind im Zeitraum von 2006 bis Ende 2012 rund 150 ums Leben gekommen. Einer der Ranger zeigte mir sogar eine Schusswunde. Diese Gespräche und die familiäre Atmosphäre sind das Besondere im Gegensatz zu anderen Nationalparks. Man ist der einzige bzw. in einer sehr kleinen Gruppe unterwegs, um sich auf die Suche nach den Gorillas zu machen. So ist es möglich, sich unter vier Augen mit den Rangern über ihre Geschichte zu unterhalten.

Man kann dies auch in Uganda oder Rwanda machen, jedoch gleicht es dort eher einer großen Tourismusmaschinerie. Ich habe in Rwanda den Mount Visoke bestiegen, wo ich im Basiscamp das Treiben beobachten konnte und schon etwas erschrocken war: Massen von Touristen. Sicherlich wird auch dort das Erlebnis, auf wilde Gorillas zu treffen ein ganz besonderes sein, aber im Nationalpark Virunga war alles etwas authentischer und persönlicher. Es gab keinen Wanderweg und für jeden Schritt durch den Dschungel war ein Schlag mit der Machete nötig.

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Der hier ansässige Berggorilla, eine Unterart des Östlichen Gorillas, ist vom Aussterben bedroht. 2012 konnte man nur noch 880 Exemplare zählen. Dennoch ist der Berggorilla die einzige Gorilla-Unterart mit steigendem Bestand, was wohl auch maßgeblich durch die tolle Arbeit der Ranger möglich ist. Wer sich mehr für das Thema interessiert, dem kann ich nur den fantastischen Dokumentarfilm „Virunga“ ans Herz legen.

Nach einer Tasse Tee ging es dann endlich los und wir machten uns auf den Weg zu den Gorillas. Vier Ranger begleiteten uns, zwei davon ausgestattet mit einer AK47, und vor uns lagen nun einige Stunden Wanderung durch dichten Dschungel. Einige Zeit später, zerstochen von aggressiven roten Feuerarmeisen, konnten wir die ersten Tiere hören.

Gorillas

Interessanterweise „kündigen“ sich die Ranger an. Jeder Ranger hat einen jahrelangen Bezug zu einer Gorilla-Familie und ist ihnen sozusagen „bekannt“. Mit einem individuellen Laut macht er die Affen schon einige Hundert Meter vorher auf sich aufmerksam. Und plötzlich war sie da: eine 19-köpfige Gorilla-Familie mit zwei Silberrücken.

Wir hatten nun genau eine Stunde Zeit mit den Gorillas und ich will nur so viel sagen: Unfassbar! Die Gestik und Mimik sind einfach faszinierend und so erschreckend menschlich, dass ich zwischenzeitlich auch einfach die Kamera beiseitelegen musste, um dieses Schauspiel gebührend beobachten zu können.

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Von der fotografischen Seite betrachtet, war es wohl eher eine Katastrophe. Anfangs war ich sehr überfordert, denn Affen sind dauernd in Bewegung. Sie kommen einem oft sehr nah, was Objektivwechsel zwingend erforderlich macht.

Eine Kamera mit guten ISO-Eigenschaften ist von Vorteil, denn die Lichtverhältnisse im Dschungel sind eher schwierig. Zeitweise hatte ich den ISO-Wert bis auf 1600 hochgeschraubt. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit konnte ich mich dann aber gut auf die Bedingungen einstellen und hatte richtigen Spaß mit meinen „Modellen“ der etwas anderen Art.

GorillasGorillas

Jeder, der einmal die Chance hat und sich in dieser Region der Erde rumtreibt, dem empfehle ich, diese Möglichkeit wahrzunehmen und die Gorillas zu besuchen. Für mich war es eine atemberaubende Erfahrung und ich bin froh, diese strapaziöse Reise auf mich genommen zu haben.

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7 Kommentare

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  1. Danke für diesen wundervollen Einblick in die zum Glück verborgene Welt der Silberrücken. Schon lange sehne ich mich nach einem realen Kontakt zu unseren nächsten Verwandten. Deine großartigen Bilder bestärken mich in diesem Wunsch – herzlichen Dank für diese Motivation.

  2. Toller Bericht, da beginnt man doch wieder zu träumen – Virunga ist ganz weit oben auf meiner Reiseliste! Ich war erst im Westen des Landes unterwegs, aber ich kann dem Geschriebenen nur zustimmen, das Land hätte so viel zu bieten, wild, direkt und zugleich so schön!