Roter Rauch über einem Hügel.
29. Oktober 2015 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Träume

Schon in meiner Kindheit träumte ich nicht nur im Schlaf. Ich besuchte diesen Ort in meiner Vorstellung; ein Ort, der jede Sehnsucht und jede Leidenschaft, jede Hoffnung und jede Angst beherbergt. Dieser Ort ist ein ganzer Kontinent, der aus den riesigen Ozeanen der Emotionen entsteht, ein dichter Wald aus Gedanken und den endlosen Steppen der Intuition.

Für mich war das Land, aus dem Träume gemacht sind, der Ort, von dem ich mir erhoffte, eine Offenbarung über eine andere Realität zu bekommen. Konstant erschienen neue Träume in der realen Welt um mich herum.

Ein Vogel steht in der Wüste.

Durch mein Projekt „In Dreams“ versuche ich derzeit, mich auf die intuitive Erfahrung der Welt zu konzentrieren und meinen Verstand als Autorität herauszufordern. Träume bieten mir einen Ausweg aus der Unvollkommenheit dieser Welt.

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass Logik und Vernunft nicht ausreichend sind, um die einzigartigen Aspekte der Menschlichkeit wie Liebe, Solidarität und Mitleid zu enthüllen.

Eine Wolke schwebt über Gestein.

Da war schon immer „mehr“ und ich spürte die starke Gegenwart dessen in mir. Ein Beispiel teile ich besonders gern mit, wenn ich über die Welt, die außerhalb der Vernunft liegt, spreche:

Mit Logik ist es einfach zu erklären, warum Sophokles’ Tragödie „Antigone“ ein Meisterstück ist. Doch um zu verstehen, zu fühlen und sich selbst mit dem Tun der Heldin zu identifizieren, muss man zuerst der Intuition vertrauen und soweit gehen, die Vernunft über Bord zu werfen – um dem profunden Humanismus Raum zu lassen. In diesem Sinne begreife ich mein Projekt als einen Akt der Romantik.

Ein Pferd steht zwischen zwei Bäumen, im Vordergrund ein Baumstumpf.

Mit „In Dreams“ habe ich Bild für Bild versucht, eine altnernative Welt zusammenzusetzen. Wie eine Sequenz unterschiedlicher Fragmente, die von einem vergessenen Mythos zeugen.

Plato, der mich sehr stark beeinflusst hat, meinte einmal, dass Mythen Bedeutungen übermitteln können, die vor unserem Verstand verborgen bleiben und nur durch Intuition erreicht werden können. Diese Annahme ist das Herzstück meiner Serie.

Ein Vogel steht auf einem Stein in der Landschaft.

Fotografiert habe ich in der Gegend von Attika, am Stadtrand von Athen und in der Nähe der Stadt, in der ich wohne. Es fühlte sich so an, als ob ich ein Tor zu einer ganz anderen Welt öffnen würde; war ich doch so nah und doch so fern vom kämpfenden Zentrum der griechischen Hauptstadt.

Inmitten des lauten Lärmes der melancholischen Metropole nahm eine ganz andere Welt vor meinen Augen Gestalt an. Immer wieder ging ich an dieselben Orte und hielt Ausschau nach Emotionen, die zu Träumen wurden.

Ein Stier in der Landschaft.

Ich spüre eine warme Stille in mir, wenn ich Orte besuche, die ich schon einmal gesehen habe. Die Berge, das Meer, die Wälder und Sümpfe wecken bestimmte Gefühle und öffnen meiner Seele Türen, um durch weite Traumlandschaften zu wandern.

Die Vertrautheit mit diesen Orten half mir, den Tieren zu begegnen, abstrakter zu arbeiten und den ersten Eindruck zu überwinden. Meine Interaktionen mit den Vögeln der Sümpfe, den Schafen und Pferden der Berge waren für „In Dreams“ Schlüsselelemente.

Ein Schaf vor einer Pfütze.

Für mich war das Projekt ein sicherer Weg aus dem sozio-ökonomischen Kollaps, der meine griechische Generation beeinflusst. Doch gleichzeitig spürte ich einen Aufschrei, ein stilles, sanftes Gebet für diese Welt.

Äste ragen in einen See.

Die Sprache der Kunst ist universal und die Ideen, die sie vermittelt, sind nicht limitiert durch die Grenzen eines bestimmten Territoriums, sondern erreichen uns alle als Menschheit.

Obwohl mir klar ist, dass diese Serie eine Reaktion auf die Schmerzen des Menschseins ist, weist nichts davon auf Gewalt oder Verzweiflung hinaus. Ich habe mich dazu entschieden, die entgegengesetzte Richtung der täglichen Nachrichten zu gehen.

Ein Pferd steht zwischen Gestein.

Vielleicht werden die Träume, die wir als Kinder hatten, die Realität, die wir als Erwachsene erleben, infrage stellen und uns in eine bessere Zukunft lenken. Ich werde mich jedenfalls von meinen Träumen leiten lassen.

Dieser Artikel wurde für Euch von Martin Gommel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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4 Kommentare

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  1. Danke fürs Zeigen. Träume und Fotografie, ein gegensätzliches Paar – geht das zusammen ? Bereichernd zu sehen, dass mit einem so technischen und banalen Ding wie einem Fotoapparat solche transzendenten Ergebnisse entstehen können. Durch das Auge und die Intention des Künstlers eben.