Ein Portrait
02. Mai 2015 Lesezeit: ~5 Minuten

Abenteuer Alltag

Kürzlich habe ich mit jemandem darüber gesprochen, wie schwierig es mir erscheint, meine eigene Fotografie, meine Motivation und meine Ideen zu beschreiben. Es ist interessant, dass ich ausgerechnet ein paar Tage später damit begann, diesen Artikel für kwerfeldein zu schreiben.

Eine intime Szenerie mit zwei Frauen

Ich bin keine dieser Fotografinnen, die mit einer Kamera unter dem Arm geboren wurden, ich bin noch nicht einmal wirklich Fotografin, ich habe nur immer eine Kamera dabei. Meine erste Kamera war eine Konica Jump, die mir mein Onkel zur Kommunion geschenkt hat und ich erinnere mich nicht daran, ob ich jemals einen Film eingelegt habe.

Wirkliches Interesse an der Fotografie entwickelte ich mit 21 oder 22 Jahren, als ich mir mit meinen Ersparnissen eine Canon 1000D kaufte. Ich war plötzlich eine Digitalfotografin und die Wahrheit ist, dass ich zu Beginn wirklich schreckliche Bilder meiner Freunde in sexy Posen und gruselige Nachbearbeitungen machte. Ich glaube, das ist ein weit verbreitetes Übel im Zusammenhang mit der ersten Kamera.

Eine Straßenszene an offenen Fenstern

Kurz danach wurde ich durch Zufall eine enge Freundin von Alberto Polo, der zu meinen fotografischen Vorbildern gehört. Seine Analogfotos und Polaroids fesselten mich von Anfang an und wir begannen damit, zusammen zu fotografieren, was wir bis heute tun.

Ein Akt von zwei Personen

Im Moment verbringe ich jeden Tag neun Stunden im Büro als Designerin und baue mobile Apps, Webseiten und Videogames. In meiner Freizeit trage ich immer eine Kamera mit mir herum. Genauer gesagt eine Canon AE-1, Contax T2 oder die Fujifilm XM1. Meine Bilder erzählen von meinem Leben, den Leuten, die ich treffe oder den Situationen, die ich erlebe. Die meisten meiner Bilder sind also wahre Geschichten, eine Reise, ein Ausflug, eine Nacht des Feierns oder ein Kater am Sonntag im Bett. Aber manchmal erfinde ich natürlich auch Situationen für die Kamera.

Ein Ausschnitt aus einem Frauenportrait

Wenn ich fotografiere, sind meine Hauptmotive meistens die Liebe und das Zerbrechen von Herzen – diese beiden Zustände sind für mich Quelle großer Inspiration, sie geben meinen Bildern eine Geschichte und laden sie mit Bedeutung auf.

Wer meine Bilder anschaut und die Hintergründe nicht kennt, der wird sie wohl nur als reine Ästhetik betrachten, aber ich reise mit den Bildern in der Zeit zurück und erlebe wieder die Gefühle, die ich damals hatte. Natürlich verallgemeinere ich das hier, ich habe auch viele Bilder, die wirklich nur die Schönheit eines Moments festhalten.

1-©-Diana-Reinoso

Meine Hauptdarsteller sind vor allem Menschen, aber ich mag es auch, Landschaften und Objekte festzuhalten. Die Menschen in meinen Bildern sind die, zu denen ich eine enge Bindung habe: Paare, Liebende, Freunde, meine Schwester. Eigentlich fotografiere ich nicht gern Fremde, aber es fällt mir dennoch leicht.

Eine junge Frau mit Pizza

Momentan fotografiere ich vor allem analog. Ich habe viele Filme ruiniert, viel Geld für Entwicklung ausgegeben und mein Negativscanner ist nicht der beste, aber ich bleibe trotzdem dabei und gehe nicht zu digitaler Fotografie zurück. Wenn ich digital fotografiere, entwickle ich eine andere Einstellung, es ist mehr wie Fast Food im Gegensatz zu richtigem Essen.

Meine Analogfotografie ist tiefer. Ich lebe den einen Moment, der gut oder schlecht sein kann, aber ist, was er ist und die Bilder, die ich analog mache, sind genau dasselbe, sie sind einzigartig, perfekt oder nicht perfekt. Vielleicht wird ein Teil des Bildes durch das Licht unbrauchbar gemacht, aber genau darin finde ich die Schönheit des Moments wieder.

Eine nasse Katze

Dieses und letztes Jahr war ich sehr produktiv mit meiner Fotografie. Ich habe viele intensive Situationen erlebt, fotografiert und als Ergebnis war ich im Januar in Berlin bei der Bright Trade Show als Gast, nachdem ich einen Wettbewerb des spanischen Magazins Lamono gewonnen hatte. Eine großartige Erfahrung.

Eine Gruppe Frauen zeigt Brust

Ich verfolge die Arbeit vieler Fotografen wie zum Beispiel Ren Hang (dessen Direktheit mich fasziniert), Lina Scheynius (das Licht in ihren Bildern und die Intimität), Lukasz Wierzbowski (der ein Genie ist, mehr fällt mir zu ihm nicht ein), Jan Durina (die dunkle Atmosphäre hat mich direkt gefangen), Michal Pudelka (noch ein Genie, vor allem mag ich seine Farben) oder Ryan McGinley (die Nacktheit, die Natur und die Freiheit in seinen Bildern ist wie eine Droge für mich).

Zähne und Glitzer

Ingesamt ist die Fotografie für mich ein wirkliches Bedürfnis geworden, ein Weg, auszudrücken, wer ich bin und was ich lebe. Ich werde weiter jeden einzelnen Tag Bilder machen und meine Webseiten updaten.

Dieser Artikel wurde für Euch von Sebastian Baumer aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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11 Kommentare

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  1. Ein schlechter Negativscanner und eine schlechte Camera sind natürlich Gold wert, das wusste schon Miroslav Tichy. Natürlich nützt einem auch schlechte Technik nichts, wenn man keinen Blick für interessante Motive und Perspektiven hat – worüber man sich bei dieser Photographin aber ganz offensichtlich keine Sorgen machen muss. Sehr interessante Arbeiten, bei denen man mehr als einmal hinsehen muss.

    • Hello, i do not understand your message very well but I I searched on the internet to Miroslav Tichy and I love his work and history. Thank you so much, he is a very interesting photographer.

      • I said that a crappy scanner is a fortune, refering to Miroslav Tichy, who said that for good pictures, you need a crappy camera first, because the aspects of crappyness your equipment provides something special you got to deal with that may cause some singularity to your pictures. But of course you need a knack for subject, scene and perspective, and imho your pictures assemble those needs. They are interessting, because they provide and require a second sight.

  2. ich liebe den analog charme – herrliche Fotos! ich persönlich würde dennoch den staub wegphotoshoppen aber das ist vielleicht eine frage der konsequenz – ob man konsequent auf digital verzichtet oder nicht. ich persönlich mache da kompromisse – einscannen und dann noch etwas bearbeiten. der analog-look bleibt damit ja dann erhalten
    nur mal so aus neugierde – mit was für filmen arbeitest du???? welcher film ist immer in deiner kamera drin?

    • Hi Julia, I usually use a canon ae1 but recently bought a contax t2 because I needed a camera to shoot easily and quickly. And the film…i use the cheapest I found, fujifilm superia 200/400 or kodak color plus.

      greetings!

  3. Very impressive pics which show us the reality of our world – it’s not about perfection, but in a special way of beauty and I like the way you get your inspiration! Good work!

  4. Bei fast allen Bildern entgeht mir das Zeigenswerte. Drei Bildideen finde ich interessant (Titelbild, Pizza, oben-ohne), aber von der Umsetzung überzeugen sie mich nicht und wirken eher anfängerhaft. Keine Ahnung, ob das deshalb Kunst oder Stil ist bzw. sein soll – meins ist es nicht.
    English:
    I’m missing some kind of singificance, „wow“ in most of the pictures. In three pictures I see good ideas (cover, Pizza and topless), but the results do not convince me, they look like beginners photos, point and shoot as seen, no thought spent about the contents. I don’t know whether this shall be a matter of style or arts – it just does not reach nor touch me.

    • Hi Ralf, yes often use a point and shoot camera looking for speed in the shot. I do not usually worry about technical or formal aspects, I use photography as a tool to express certain emotions or own experiences that will happen only once.

      greetings!