24. Januar 2015 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Im Gespräch mit Hana Haley

In der Fashionfotografie geht es viel um Perfektion. Nach aufwändigen Shootings mit Visagisten und Stylisten geht es weiter mit stundenlanger Nachbearbeitung in Photoshop und heraus kommt ein perfektes Bild ohne Seele. Das nimmt man zumindest an, hat man die gängigen Mode-Magazine vor Augen. Die Bilder von Hana Haley sind anders. Mit analogem Charme entführt sie in ihren Bildern zurück in die 60er und 70er Jahre.

Die amerikanische Fotografin fotografiert Fashion mit alten analogen Kameras. Ich freue mich sehr, dass sie mir einige Fragen zu ihrer Arbeit beantwortet hat.

Mädchen mit rosa Haaren und Sonnenbrille in der Sonne.

Frauenbeine in einem Diner.

Deine Fotos könnten Original aus den 60ern stammen. Hast Du eine bestimmte Verbindung zu dieser Zeit?

Ich bin bei meinem Großvater in einem etwa 100 Jahre alten Haus aufgewachsen. All unsere Möbel und Einrichtungsgegenstände waren aus den 60ern und 70ern und ich bin daher stark Vintage-Sachen zugewandt. Nach der Schule habe ich gemeinsam mit meinem Großvater seine Lieblingsfilme gesehen, meist Mysterie aus den 60ern wie Alfred Hitchcock.

Ich war immer sehr inspiriert von den weiblichen Charakteren, den Farben und den Details dieser „wahren Kinofilme“. Später entdeckte ich meine Liebe für New Wave Cinema und the Regiekunst dieser Ära. Es macht Sinn für mich, dass sich diese Einflüsse jetzt in meinen Fotografien wiederfinden.

Eine Frau mit Pony und 60er Make-up.

Schwarzweißaufnahme einer Frau, die mit gekreuzten Beinen auf einer Wiese liegt.

Hast Du ein paar Filmtipps? Deine Filmerfahrung klingt großartig.

„Vertigo“, „Heavenly Creatures“, „Persona“, „Me And You And Everyone We Know“, „Dogtooth“ und „Mumsy Nanny Sonny and Girly“ sind einige meiner Favoriten.

In einer Zeit, in der Rauschreduzierung und unglaubliche Schärfe neuer Kameras beworben werden, nutzt Du Unschärfe und Fusseln auf den Negativen. Warum?

Ich bin einfach kein Fan von digitalen Bildern – da fehlt mir die Geschichte, das Geheimnis. Und ich denke, es ist traurig, dass die Bilder als digitale Datei existieren und nicht als konkreter Filmstreifen. Ich ziehe es vor, meine Negative mit den Händen berühren und erlaube mir, mit meinen Fingerabdrücken über die Oberfläche zu schmieren. Es für mich menschlicher, persönlicher.

Du arbeitest also nur mit analogen Medien?

All meine persönlichen Arbeiten, also alle Bilder auf meiner Webseite sind mit analogen Kameras aufgenommen. Ich arbeite digital nur für kommerzielle Projekte, die dies benötigen. In der Regel sind diese Fotos für mich nicht interessant und ich sehe sie nicht als Teil meiner Kunst. Allerdings habe ich eine Menge Fotos auf meinem iPhone! Aber ich glaube nicht, dass diese jemanden interessieren, denn sie zeigen vor allem niedliche fette Hunde und Sonnenuntergänge in der Stadt.

Eine Frau mit Blümchenkleid liegt inmitten von rosa Blumen.

Eine Frau im Lichtschein.Eine Frau in weißem Kleid springt vor einer 60er Tapete.

Wie hast Du überhaupt zur Fotografie gefunden?

Als ich 13 oder 14 war, entdeckte ich Modemagazine wie W und Nylon und war inspiriert von deren Editorials. Sie erzählten schöne Geschichten. Nicht diese billigen, digitalen Geschichten, die sie heute bringen. Ich begann, Bilder von meinem Highschhool-Leben zu machen und zeigte meine halb-langweiligen Fotos im Internet, immer inspiriert von Magazinen und in der Hoffnung, Fashion-Aufnahmen zu machen.

2008 lernte ich einen Fotografen kennen, der vorschlug, ich sollte auf Film fotografieren. Ich war ein bisschen verliebt und wollte ihn vielleicht auch beeindrucken. Ich fand eine Kamera aus den 70ern und begann, Frauen und Dinge um mich herum zu fotografieren. Sechs Jahre sind seitdem vergangen und ich fotografiere immer noch Frauen, aber heute ist es mein Job.

Wie reagieren denn Kunden auf Deine analogen Fashion-Fotos?

In San Francisco zu arbeiten, war schwierig, denn die Nachfrage nach analogen Aufnahmen ist hier sehr gering und mein Stil nicht sehr erfolgreich. Meine Jobs bekomme ich durch internationale Marken und Designer aus Los Angeles. Die wissen natürlich, dass ich auf Film fotografiere und engagieren mich genau für diesen analogen Stil und lieben ihn (sagen sie zumindest).

Eine Frau mit rotem Lippenstift.

Eine Frau mir herzförmiger Sonnenbrille in einer Hängematte.

Was sind Deine fotografischen Ziele?

Ich ziehe in drei Monaten nach New York City, um einen anderen Weg in meiner Fotografie einzuschlagen: Weniger Fashion, mehr Konzeptionelles. Ich dränge mich gerade sehr dazu, an Ideen zu arbeiten und Geschichten zu entwickeln, wie ich es bisher noch nie gemacht habe. Meine Arbeiten irgendwann gesammelt in einem Buch oder einer Ausstellung zu sehen, würde mich natürlich auch glücklich machen.

Hast Du einen Tipp für junge Fotografen, die ebenfalls in Richtung Fashion gehen möchten?

Studiere die Meister der Fashion-Fotografie, finde heraus, was typisch oder langweilig ist und mache diese Dinge niemals. Stürze Dich in Inspiration, übe jeden Tag und sei geduldig!

Vielen Dank, Hana, und viel Erfolg in New York!

Katja hat das Interview mit Hana auf Englisch geführt und anschließend für Euch ins Deutsche übersetzt.

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6 Kommentare

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  1. Hallo, es gehört nicht direkt zu diesem Artikel, aber heute habe ich einen neuen Beitrag auf dem youtube-Kanal von weeklyimogn entdeckt. Dort wirt das Thema Fotografinne in einer männlich dominierten Branche auch anhand von Studien aus usa/Kanada thematisiert. Da sich Kwerfeldein in D m.E. oft Fotografinnen eine Platform bietet, könnte das Thema auch für einen Artikel in Frage kommen.

  2. “Studiere die Meister der Fashion-Fotografie, finde heraus, was typisch oder langweilig ist und mache diese Dinge niemals.”

    Ja, und? Ganz schön glashausig hier, oder sehe ich das falsch.

    • ja, das ist falsch. glashausig ist dein kommentar, denn eine äußerung, die die die subjektive einschätzung des rezipienten und die akzeptanz einer solchen kontextuell voraussetzt als glaushausig zu bezeichnet deutet auf deine unreflektierte glashausigkeit hin. um es fiduzit mit Slavoj Žižek zu sagen: “Word is murder of a thing, not only in the elementary sense of implying its absence – by naming a thing, we treat it as absent, as dead, although it is still present – but above all in the sense of its radical dissection: the word ‘quarters’ the thing, it tears it out of the embedment in its concrete context, it treats its component parts as entities with an autonomous existence: we speak about color, form, shape, etc., as if they possessed self-sufficient being.”

      • was ihr immer gegen Glashäuser habt … Sind doch hier nicht in der Archtekturfotografie :-) aber mal im Ernst: die Bilder gefallen mir, sind jetzt aber nicht so wahnsinnig eigenständig, weil dich gerade das ein absoluter Trend im Moment ist… Und die Erklärung dass das jetzt so anders ist, greift dann halt arg kurz (Wobei deutlich besser umgesetzt, als das so häufig verwendete unsägliche polaroidzeugs)… Und: schöne Fotos sind es!

  3. Eigentlich ist Fashion so gar nicht mein Metier und ich habe den Artikel auch ehrlich gesagt nur gelesen, weil ich durch Zufall darauf gestoßen bin. Dennoch: Ich finde gut, was sie macht, auch wenn es mir eigentlich etwas zu sehr im Trend ist. Die Bilder jedenfalls gefallen mir viel besser, als jene im 2. Satz angesprochenen “perfekten Fotos ohne Seele”.