© Simone Hertel
22. August 2014 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Märchenhafte Kinderfotografie

Ich finde, gerade die Kinderfotografie ist ein Bereich, der viel mehr Aufmerksamkeit und Beachtung verdient hat. Zumindest ist es ein Bereich, der mit Sicherheit sehr unterschätzt wird. Allzuoft wird angenommen, dass Kinder einfach zu fotografieren wären. Sie sind ja sowieso immer süß anzuschauen und somit hat man automatisch und ohne viel Mühe auf alle Fälle ein tolles Bild.

Weit gefehlt. Kinder sind kleine sensible Wesen. Das eine ist schüchtern, das nächste ist ein Wirbelwind und wieder ein anderes hat einfach einen Tag, an dem es auf alles Lust hat – nur nicht darauf, fotografiert zu werden. Verständlich, geht es uns doch mitunter nicht anders vor der Kamera. Auf dem Foto soll das Ganze aber dann wunderhübsch, natürlich und vor allem richtig entspannt aussehen.

Eine Junge liegt mit einer Katze zusammen auf einem kleinen Weg und lacht.

Und genau darin liegt die Herausforderung in der Kinderfotografie. Ein Kind so zu zeigen, dass es eben nicht einfach nur starr und auf Kommando in die Kamera schaut, sondern einen entspannten und natürlichen Gesichtsausdruck zeigt. Glücklich, verträumt, in Gedanken, lachend oder auch wie ein kleiner frecher Schelm. Das Wichtigste hierfür ist, auf die Kinder einzugehen und eine Art Vertrauensbasis zu schaffen, Freunde für zwei Stunden zu werden.

Ohne dieses unsichtbare Band wird es schwer, entspannte Gesichtsausdrücke und natürliche Emotionen im Bild darzustellen. Deshalb ist es mir wichtig, ein Fotoshooting mit genügend Zeit und Entspanntheit durchzuführen. Innerlich leide ich zwar manchmal ein ganz klein wenig mit, wenn ich vor mir dann einen tanzenden Wirbelwind habe, der nicht zu bremsen ist. Denn ab und an denke ich dann kurz: „Bitte jetzt nicht stürzen mit dem schönen Kleid“.

Zwei Mädchen tanzen auf einer Wiese mit einem Strauß Pusteblumen.

Aber gerade in solchen Momenten entstehen die schönsten Fotos mit den wundervollsten Strahleaugen. Und oftmals heißt das dann auch, spontan und sehr schnell zu reagieren, um genau solche unbewussten Momente nicht zu verpassen.

Erst gestern hatte ich ein Mutter-Tochter-Shooting, bei dem genau so ein Moment eingetreten war. Gerade, als ich noch einen kurzen Blick auf die letzte Aufnahme werfen wollte, sah ich im Augenwinkel vor mir, wie Mutter und Tochter sich plötzlich kurz an die Hand nahmen und anfingen, zusammen zu tanzen. Ich hielt die Kamera schnell bereit und habe innerlich gehofft und vor allem auch gespürt, dass genau jetzt ein wunderbarer Moment kommen wird, den ich auf keinen Fall verpassen darf.

Mutter und Tochter zwischen violetten Blumen geben sich einen Kuss.

Und genauso war es dann auch: Wenige Sekunden später gaben sie sich einen zärtlichen Mutter-Tochter-Kuss. Ohne Zwang, ohne vorherige Absprache, einfach aus dem Moment und aus dem Herzen heraus. Das sind für mich jedes Mal Momente, die einfach in Worten nicht zu beschreiben sind, da sie eine unglaubliche Magie besitzen.

Ein Bild, das für Mutter und Kind von unglaublicher Bedeutung ist. Und Kinderfotos haben meiner Meinung nach eine ganz besonders große Bedeutung. Gerade die Kleinen verändern sich in ihrer Persönlichkeit so schnell und so oft, dass es umso wichtiger ist, diese verschiedenen Augenblicke des Heranwachsens für sie festzuhalten.

Ein Junge auf einem Reifen an einem kleinen Fluss.

Kinderfotos sind für mich eine Art kostbares Gut und auch zugleich „Generationengeschenk“. Jetzt, hier und heute sind es vielleicht „einfach nur“ aktuelle Fotos, mehr nicht. Doch von Jahr zu Jahr mehrt sich ihr ideeller Wert um ein Vielfaches. Wenn dann einige Jahre ins Land gegangen, aus den kleinen Rabauken von damals langsam junge Wilde geworden sind und wir diese Bilder wieder betrachten … dann haben sie den Status „unbezahlbar“ erreicht.

Erinnerungen bleiben immer in unserem Gedächtnis und Herzen erhalten, aber mit Bildern können wir diese Emotionen zusammen mit anderen lebendig halten und uns stets wieder vor Augen führen. Dann, wenn aus den Kindern von heute in einigen Jahren selbst Eltern geworden sind, die ihren Kindern ein Stück eigener bereits vergangener Kindheit aufzeigen wollen … von Generation zu Generation.

Ein Mädchen und ein Junge tanzen auf einer Wiese.

Es wäre zu schade, gäbe es nicht diese Möglichkeit, wundervolle Momente für uns und unsere Kinder für immer festzuhalten. Machen wir ihnen dieses wundervolle Geschenk. Später werden sie es uns danken, wenn sie sich diese wertvollen Momente ihrer eigenen Kindheit selbst bildlich vor Augen halten können. Denn dann halten sie mehr als nur einfach ein Bild in der Hand – es sind kostbare Sekunden aus ihrem Leben, wundervoll, wertvoll und unwiederbringbar.

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28 Kommentare

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  1. Ja, Kinderfotos sind ein Generationengeschenk. Um so mehr, je näher man dabei daran kommt, die Stimmungen des Moments einzufangen, womöglich sogar Alltag und Zorn und Neugier, Versuch und Erfolg, das Scheitern und das drüber Lachen.

    Ich mag Deinen Artikel und Deine wunderbaren Bilder. Meine eigenen sind – wie soll ich sagen – vielleicht etwas unvermittelter. Ich habe zufällig heute Nacht selbst dazu gebloggt. Wenn jemand weiterlesen will: http://stefansenf.de/?p=3220 ;-)

  2. Die Überschrift “Märchenhaft” trifft den Stil der Fotos gut – doch warum, müssen Kinderbilder was unwahres, was märchenhaftes haben? Ich verstehe diese Trend nicht. Warum diese eher kitschige “Überhöhung”?

    Die Fotos sind voller Leben und Energie, das gefällt mir sehr.
    Was mir nicht gefällt ist die Farbgebung das ist mir zu sehr Mainstream und tut, m.E. den Motiven nicht t gut – schade. Die Farbgebung betont den Kitsch und das Versüßlichen von Kinderbildern – was ich für unnötig erachte. Die Motive sind so gelungen, so wahrhaftig, dass sie in schwarz-weiß viel mehr vom Leben erzählen würden und gesehen werden würden, weil sie sich aus der Masse abheben und einen eigenen unverwechselbaren Stil hätten. Denn das ist es, was der modernen Fotografie heute fehlt – ein eigener Stil , der den Autor erkennen lässt und seine Bilder unverwechselbar macht.

    • Ob Schwarzweiß näher an der Realität ist, stell ich jetzt mal in Frage, aber ich weiß worauf du hinaus willst. Es ist einfach Geschmackssache, vielen gefallen diese warmen Märchenbilder, andere mögen es dokumentarisch. Ich persönlich finde es spannend, wie groß die Bandbreite ist und möchte diese auch auf kwerfeldein zeigen.

      • Etwas als “Geschmacksache” zu bezeichnen ist mir zu einfach. Ich habe als Fotografin einen Standpunkt und einen Stil und es gibt den Mainstream. Sich diesem anzupassen ist vielleicht Gewinnträchtiger/Umsatzfördernder als einen eignen Stil zu entwickeln, mag sein.
        Ich habe auch nicht gesagt das Schwarz-Weiß “näher an der Realität ist” – ist das Fotografie überhaupt? Jedes Portrait ist eine Interpretation – da sind wir uns doch einig, oder?
        Was ich nun mal nicht mag ist dieser Zuckerguss und diese Überhöhung durch das Stilmittel Farbe – auch wenn ich selber Sonnenuntergänge liebe, so ganz privat, nicht in meiner Portraitfotografie, es sei denn es ist ein Liebespaar, da wäre es dann wieder passend und ein Stilmittel.
        Spannend findest du die “Bandbreite”? Ist nicht Dein Ernst, denn es gibt zig Webseiten von FotografInnen, in diesem Farbstil, von Bandbreite ist da keine Rede…

      • Dieser Textauszug von der Website brachte mich darauf:

        “Fotografin für natürliche und besondere Portraitfotografie.
        Spezialisiert auf zauberhafte Kinderfotografie, moderne Schwangerschaftsfotografie, lebendige Familienfotografie sowie kunstvolle Portraitfotografie.

        Simone Hertel ist Mitglied beim Bund professioneller Portraitfotografen.
        Ihre Arbeiten erhielten das Zertifikat “ausgezeichnete Portraitfotografie”.
        Simone Hertel erhielt für ihre Portraits die Auszeichnung “International photographer of high Quality”.

        Simone Hertel ist ebenso Mitglied in der Vereinigung professioneller Kinderfotografen.
        Einer Plattform von Fotografinnen aus ganz Deutschland,
        welche sich durch eine sehr besonders hochwertige Bildsprache auszeichnen.”

        Ich war bisher der Annahme, das hier Arbeiten von Fotografen vorgestellt werden, die das Fotografieren nicht als Profession betreiben.

      • Nein, da liegst du falsch. Wir stellen Fotografen vor, deren Bilder uns gefallen, die inspirieren und die etwas zusagen haben. Ob diese die Fotografie als Hobby betreiben oder professionell arbeiten, ist dabei völlig egal.

  3. Das stimmt: KInder sind etwas Wunderbares: Bilder von ihnen sind -wenn sie denn dann erwachsen sind – Kleinode der Erinnerung und immer wieder auch Stoff für Gespräche und gemeinsame Stunden.
    Aber ich frage mich, ob man bei Fotos mit Kindern und Familien zwangsläufig “Märchenwelten” darstellen muss. Alles irgendwie mit Blümchen und Zuckerguss.
    Aber das scheint mir ein allgemeiner Trend zu sein. Der Trend zur Darstellung idealisierter Welten, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben.

  4. Danke für den Artikel.
    @ HF das sehe ich etwas anders. In diesem Text ist einmal mehr viel darin, kurz darüber nachzudenken wann, wo und wie man sich diesem sensiblen Thema nähert.

    Viel zu oft sehen wir die vielen “Standard”-Studiofotos die als Familienbilder Jahr um Jahr angebracht werden.

    Daher sind dies für mich Gedanken, die mir aus dem Herzen sprechen und Ideen aufgehen lassen.

  5. Sehr schöne Bilder.
    Aber mal Hand aufs Herz, wer von uns schaut sich seine alte Kinderfotos sich selbst an und “freut sich über dieses tolle Geschenk für die ewigkeit und kostbare Sekunden”?

    Schöne Fotos, aber der sentimentale Unterbau macht sie nicht besser.

  6. meine hochachtung. kinder fotografieren kann ziemlich schwer sein, wenn die so rumtoben und nicht stillhalten wollen, ich habe da schon ganz schön geflucht, da dauert es echt, bis ein schönes bild herauskommt…. danke fürs teilen!

  7. Da habt ihr wirklich die falsche Fotografin für “authentische” Kinderfotos herausgefischt … der Markt ist voll mit Künstlern, die dieses Thema weitaus mehr verstehen.

    Das ist verkitscht, überbearbeitet und alles andere als natürlich …!

  8. Ausserdem – was ist daran authentisch und natürlich, wenn ich mir als Fotografin Sorgen darüber mache, ob das schöne Kleidchen (diese Klamotten ziehen Kinder ansonsten gar nicht an) schmutzig oder faltig wird.

  9. Man kann sich der Grenze zwischen Kitsch und Kunst vorsichtig nähern oder sie plump überschreiten. Bereits die Überschrift macht deutlich, dass es in diesem Artikel ausschließlich um die fotografische Umsetzung des sentimentalen und trivialen geht. Ich hätte mir anspruchsvollere Motive für ein derartiges Projekt gewünscht. Kinder sind zu naheliegend!

  10. Toller Text! Schöne Bilder.
    @Sandra: Hast du den Text richtig gelesen? Scheint nicht so…
    Würde gern mal paar Bilder von dir sehen!? Oder wenigstens einen Tipp für authentische, natürliche und qualitativ hochwertige Fotos!?
    Bin sehr gespannt;-)

  11. Blogartikel dazu: #360: London, fünfzehnter Tag [236/365] | Gedanken-Notizblog

  12. Wie wahr, wer erinnert sich nicht an die gute alte zeit (zumindest mein Jahrgang) als man draußen unbeschwert spielen konnte und nicht ewig lange auf der Schulbank saß. Danke für diese unberührten Momente in deinen Fotos die mich an diese Zeit erinnern. In der Hoffnung das es noch viele Kinder gibt die das erleben dürfen und ebensoviele Fotografen die solch starke Fotos machen ein schönes Wochenende.

  13. Nichts emotionalisiert uns so wie lachende und spielende Kinder. Umso schöner, wenn es davon auch Fotos (und somit bleibende Erinnerungen gibt) und mehr natürlich noch, wenn die Fotos auch eine entsprechende professionelle Qualität haben. Auf die hier gezeigten Fotos trifft das auf jeden Fall zu, und die Überschrift “Märchenhafte Kinderfotos” passt definitiv sehr gut zu deinem Bildstil!