10. Juni 2014 Lesezeit: ~3 Minuten

Finding Vivian Maier – Der Film

Was ist interessanter: Die Fotos von Vivian Maier oder ihr geheimnisvolles Leben? Für einige Personen des Dokumentarfilms „Finding Vivian Maier“ ist es ganz klar die Geschichte dieser exzentrischen Frau, die als Kindermädchen arbeitete und ganz nebenbei und heimlich großartige Bilder machte.

John Maloof, Regisseur des Films und „Entdecker“ Vivian Maiers fand ihre Negative bei einer Auktion. Eigentlich auf der Suche nach historischen Aufnahmen des Stadtviertels, enttäuschten ihn die Aufnahmen zunächst. Sie zeigten Straßenszenen Chicagos aus den 50ern und 60ern, Portraits von Menschen. Doch er erkannte bald, dass er da auf etwas gestoßen war, was mehr als nur historischen Wert besaß.

Eine schöne Frau steht im Mittelpunkt einer Straßenszene und sieht nach rechts.

Eine Nachtaufnahme. Zwei Männer schleppen einen scheinbar Betrunkenen zwischen sich über die Straße.

Die Aufnahmen waren spannend, zeigten die Menschen auf eine besondere, gefühlvolle Weise. Einzig mit dem Namen der Fotografin und dieser Kiste voller Negative machte sich Maloof auf die Suche nach der Frau, die bei Google damals noch keinen einzigen Treffer ergab.

Im Dokumentarfilm begeben sich Maloof und sein Kollege Charlie Siskel auf Spurensuche. Menschen, die mit dem Kindermädchen in Kontakt standen, werden interviewt und berichten ausführlich über die Stärken, Schwächen und Exzentriken dieser mysteriösen Frau. Einig sind sich alle vor allem in einem: Warum hat sie nie gezeigt, was sie da macht? Keiner kannte ihre Bilder, niemandem hatte sie ihre Arbeiten gezeigt.

Plakat: Finding Vivian Maier

So kamen sie erst nach ihrem Tod ans Licht. Und mit ihnen der Ruhm, Ausstellungen und Veröffentlichungen. Hätte Vivian Maier das gewollt? Auch diese Frage wird in der Dokumentation aufgegriffen und zum Teil beantwortet. Ob sie einen so privaten Film über sich selbst gewollt hätte, bezweifle ich stark, aber ja, ich habe ihn mit Faszination gesehen. Trotzdem.

Wir alle bestimmen, was die Welt über uns erfährt. Doch ob wir wollen oder nicht – am Ende müssen wir Farbe bekennen. Es ist gut möglich, dass wir nichts über Vivian Maiers Leben und ihre Fotos wissen würden, wenn es nach ihr gegangen wäre. Sie entschied sich für eine heimliche Existenz und versteckte ihre Kunst, solange sie lebte. Doch wer seine Kunst verbirgt, vernichtet sie eben nicht. Vivian Maier bewahrte ihr Werk auf und überließ dessen Schicksal anderen.
– Charlie Siskel, Regisseur

Der Film ist abgesehen von diesem moralischen Konflikt sehr empfehlenswert. 84 Minuten mit deutschen Untertiteln. Ich habe gespannt die Geschichte um Vivian Maier verfolgt, habe mitgerätselt, war manchmal erstaunt, manchmal schockiert. Zudem bekommt man neben den besten Fotografien Maiers auch noch viele ihrer eigenen Filmaufnahmen zu sehen.

Der Film „Finding Vivian Maier“ kommt am 26. Juni 2014 in die deutschen Kinos.

Ähnliche Artikel


17 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Das, was Vivian Meier im Laufe Ihres Lebens geschaffen hat ist ein Meisterwerk und ich bin froh und dankbar, das ich mir das heute ansehen kann.
    Auf die Doku freue ich mich sehr.

  2. oh ja, wie wunderbar- ich liebe solche Menschen wie Vivian Maier! Mensche die uns zeigen, wie falsch wir doch oft liegen mit unseren Einschätzungen, mit unseren voreingenommen Beurteilungen. Sie ist doch bloß ein ‚Kindermädchen’…- oh ja, wie oft habe ich mich doch selber schon getäuscht, durch meine eigene Voreingenommenheit, um dann doch eines besseren belehrt zu werden, um festzustellen, dass in Menschen oft etwas ganz anders steckt, als das Offensichtliche, was Sie uns auf den ersten Blick zeigen. Ich denke es gibt gut Gründe für ihre Vorgehensweise im ‚Untergrund‘- denn ist es letztendlich nicht die einzige Möglichkeit halbwegs unbeeinflusst und unabhängig unseren eigenen Weg zu gehen?
    Ich hatte von Vivian Maier bisher weder etwas gehört noch gesehen, aber das bischen was ich bis jetzt sehen und lesen konnte finde ich doch sehr, sehr Beeindruckend!
    //Matz

    • schöner Gedanke… auch ich liebe es überrascht zu werden von Menschen und habe mich schon erwischt, wie ich vorverurteile. Leider lassen wir uns wirklich viel zu oft durch Äußerlichkeiten beeinflussen….
      ich finde es auch beachtlich, wie jemand so lange so intensiv ohne feedback im untergrund arbeiten kann. ich persönlich brauche ab und zu feedback, damit ich nicht das gefühl habe, ich gehe in die falsche richtung. dabei sollte ich doch eigentlich einfach mein ding durchziehen – do your thing! – egal wie andere reagieren. dennoch bin ich ein soziales wesen und würde dieses einsame vor-mich-hin-arbeiten wie Vivian es gemacht hat, gar nicht aushalten. Meine Hochachtung vor der Frau!

  3. 2010 als der Film über Kickstarter mit finanziert wurde, war ich auch sehr berührt von den dort gezeigten Bildern und würde mir den Film nun auch gern ansehen. Wenngleich mich auch schon damals schon eher der Fotoband interessiert hat (und der war dann doch etwas teuer…)

    Was ich nicht ganz verstehe, wieso sie zweimal im Artikel als exzentrisch bezeichnet wird. Für mich hat das einen faden Beigeschmack und ist schon eine halbe Antwort auf eine Möglichkeit, warum sie zu ihren Lebzeiten die Öffentlichkeit für ihre Bilder nicht gesucht hat.

    • Ich habe das Wort genutzt, weil sie immer wieder im Film so bezeichnet wird und sich selbst auch gerne als Einzelgängerin und etwas anders sah. Sie hatte eine seltsame Art, die später auch krankhafte Züge annahm. Darum geht es im Film auch und das war für mich auch der moralische Konflikt: Darf man so einen Menschen bloßstellen, nach seinem Tod?

  4. Ob man sie als exzentrisch oder introvertiert bezeichnen möchte, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Frage des Blickwinkels und letztlich sekundär.
    Sie war wie sie war und hat hingebungsvoll großartige Fotos gemacht.
    Sie hat ein Bild ihrer Zeit geschaffen das die Zeit überdauert hat.
    Von sich und anderen.

    • das sie sehr introvertiert war sieht man an ihren Bildern.
      Sie hat immer eine gewisse Distanz in den Bildern, einige der Portraitierten auf der Straße sehen Sie zwar an aber irgendwie auch durch sie hindurch. Einige wenige lachen Sie an, die meisten schauen ernst oder überrascht. Viele sehen Sie nicht einmal an, obwohl Sie offensichtlich nur wenige Meter vor ihnen stand, als Sie das Bild gemacht hat.

      Ja, in den Bildern lese ich eines ganz klar – sie ist nicht auf die Menschen zugegangen.
      Im Gegenteil vermute ich, das Sie froh darüber war, unsichtbar zu sein.

      Exzentrisch würde ich Sie anhand der Bilder (und mehr Informationen zu ihrer Person stehen mir aktuell nicht zur Verfügung) definitiv nicht beschreiben.

      Möglicherweise ist das alles nicht zutreffend, was ich hier geschrieben habe, aber das entspricht meiner Interpretation Ihrer Bilder.

  5. Sehr interessante Geschichte, die ich mir sicher anschauen werde. Einzig die Selbstinszenierung Maloofs stößt mir da ein wenig auf, da er, ein eher mäßiger Fotograf, sich selbst so in den Vordergrund schiebt und die Diskretion, mit der man V. Smith gegenüber treten sollte, vermissen läßt.

    • Kann ich unterschreiben, nachdem ich nun auch Maloofs „Doku“ gesehen habe. Auch wenn er geholfen hat, den Schatz zu heben (er ist übrigens nicht der einzige, der Maier entdeckt hat): Er ist Partei und hat ein Interesse, dass die Bilder für gutes Geld nun über den Tresen gehen.

      Zum zweifellos sehenswerten Werk von Maier habe ich mittlerweile einen zwiespältigen Eindruck: Vielleicht war sie eine Getriebene, die eine Veröffentlichung tatsächlich überhaupt nicht gerne gesehen hätte. Naja, nun ist’s halt passiert – freuen wir uns an den interessanten Bildern.