03. Mai 2014 Lesezeit: ~3 Minuten

Unsichtbar

Ich bin in einer kleinen Stadt in einem kleinen Land geboren. In der Regel wissen die Menschen nicht, wo sich Weißrussland befindet. Aber fast alle kennen den Maler Marc Chagall, der in Witebsk geboren wurde und Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris Berühmtheit erlangte.

Vor zehn Jahren gab mir ein guter Freund eine Zenit-Kamera mit einem 135mm-Objektiv. Als ich in die Kamera sah, war ich verliebt. Auch der Film „American Beauty“ übte Einfluss auf mich aus und ich erkannte, dass ich ebenfalls Sekunden sammeln wollte. In den USA kaufte ich mir dann meine erste Digitalkamera, eine Canon EOS 300D.

Normalerweise mache ich Portraits von Menschen, die ich kenne. Wir treffen uns, verbringen ein wenig Zeit miteinander, unterhalten uns, trinken Tee und ich drücke den Knopf. Aber ich fotografiere auch Fremde, die ich auf der Strasse treffe. Es ist ein Projekt mit dem Namen „Non Age“ – eine Auswahl von klaren Portraits junger Menschen.

© Alex Veledzimovich

© Alex Veledzimovich

© Alex Veledzimovich

Ich versuche, einen Moment der Stille zu finden, in dem ich unsichtbar und die Person allein mit der Kamera sein kann. Dieser Moment tritt ein, wenn ich mich ganz und gar auf die Person vor der Kamera konzentriere. Ich glaube nicht daran, nur jemanden anschauen zu müssen, um etwas zu finden. Ich warte. Ich verbanne mein Ego. Wenn dies eintritt, werde ich unsichtbar. Denn: Wenn Du allein bist, wer kann Dich dann angreifen?

Ich mag, wie ich mit meiner Rolleiflex FX+ aussehe. Es ist eine Kamera mit Chromteilen und schönem braunen Leder, das hier und da schon einige Kratzer hat. Es sieht großartig aus zu meinen grauen Schuhen, meiner grünen Hose, dem cyanfarbenen T-Shirt mit kleinen braunen Spitzen. Auch besitze ich eine alte Rolleiflex 2.8c, die aus der legendären Zeit von Richard Avedon, Diane Arbus, Francesca Woodman, dem Film „Blow Up“ und den großen Rockbands stammt.

© Alex Veledzimovich

© Alex Veledzimovich

Verstehst Du jetzt, dass sie viel attraktiver für mich ist als meine gewöhnliche Arbeitskamera, eine Canon 5D Mk II?

Entschuldige, ich habe nur versucht, in einer mir fremden Sprache einen Witz zu machen.

Aber wenn ich ehrlich bin – Film macht mich langsam. Ich muss abwarten und versuche, keine gewöhnlichen Portraits zu machen. Außerdem kann ich den Film anfassen, er existiert, und wenn ich fotografiere, dann erschaffe ich eine materielle Welt im Gegensatz zur digitalen, die bis zum Druck nur aus 100101 besteht.

© Alex Veledzimovich

© Alex Veledzimovich

Meine Fotos sagen etwas über meine eigene Welt. Ich erschaffe Fotos, ich finde sie nicht. Ich denke, ich bin sehr subjektiv. Aber anderseits benutze ich die Realität um mich herum, um meine Fotos zu machen, und ich lebe in einer Gesellschaft mit Stereotypen über Schönheit. Es ist schwer zu sagen.

Dieser Artikel wurde von Redakteurin Marit Beer für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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5 Kommentare

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  1. sehr schöne, ruhige Fotos. Gefällt mir gut;
    den Text verstehe ich nicht wirklich… aber ich ahne, welche Ruhe und Poesie er mir (als Leser) nahezubringen versucht.