06. Dezember 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Portraits alter Menschen

Portraits alter Menschen sind im Netz sehr rar. Deswegen freue ich mich heute umso mehr, die Bilder von Gustav Eckart vorzustellen, dessen bevorzugtes Thema Menschen sind.

Durch ein Unglück im Freundeskreis aus dem Gleichgewicht geworfen, griff er 1985 zur Kamera, lief bei Wind und Wetter in den Wald und machte Naturaufnahmen. Seitdem ist die Fotografie ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens.

1992 © Gustav Eckart

Nach einem Orts- und Berufswechsel erfüllte er sich den Traum einer eigenen Dunkelkammer, in der er nun seine Bilder nach seinen Vorstellungen kontrollieren konnte.

Seinen Wunsch, neben dem „Brotberuf“ noch etwas Eigenes zu schaffen, erfüllte er sich mit der Fotografie. Freunde und deren Familien sind ihm im Leben am wichtigsten und so ist es nicht verwunderlich, dass genau jene ein bevorzugtes Thema auf seinen Bildern sind.

1998 © Gustav Eckart

Ich versuche, Menschen so aufzunehmen, dass diejenigen, die sie kennen, sagen: Ja, genauso ist er oder sie. Das macht mich stolz.

Durch die Privatheit seiner Bilder kam er lange Zeit nicht auf den Gedanken, diese zu veröffentlichen bzw. im Netz zu zeigen. Es genügte ihm, sie zu verschenken oder gelegentlich auf einer Ausstellung zu zeigen.

Wichtig dabei war ihm allerdings das Kennenlernen anderer Fotografen und deren Wertschätzung sowie die Mitgliedschaft im Fotografie Forum Frankfurt.

1999 © Gustav Eckart

Als seine Eltern in ein gewisses Alter kamen, teilte er sich mit seiner Schwester die wesentliche Betreuung, was bedeutete, fast jeden zweiten Freitagmorgen die Koffer in die Gepäckaufbewahrung zu geben und abends mit dem Zug von Frankfurt nach München zu fahren, und am Sonntagnachmittag wieder zurück. Mit dabei immer der Fotoapparat.

Hätte er seine Eltern nicht gemocht, wäre ihm das sicher schwer gefallen, „so aber war es gut und für alles, was ich gegeben habe, habe ich etwas zurückbekommen.“

1998 © Gustav Eckart1993 © Gustav Eckart

Im Erdgeschoss des Elternhauses lebte auch seine unverheiratete Tante, die Ende 2006 hundertjährig verstarb.

Bei den alten Menschen auf seinen Bildern handelt es sich also um die nächsten Verwandten, deren Leben und Alltag er begleitete und mit deren Fotos er ein Zeugnis seiner Zeit anfertigte. Ob alltägliche Dinge wie die Essenszubereitung, beim Fernsehen oder geselliges Beisammensitzen.

2004 © Gustav Eckart

Ende 2005 ist er der analogen Fotografie jedoch untreu geworden und wechselte ins Lager der Digitalfotografen, hauptsächlich aus Bequemlichkeit, so sagt er.

Manchmal greift er jedoch aus Nostalgie zu seinen alten Apparaten und nimmt einen analogen Film auf.

~

Ich möchte an dieser Stelle Gustav Eckart noch einmal danken, dass wir seine sehr persönlichen Bilder und auch einen Teil seiner Geschichte hier bei kwerfeldein veröffentlichen dürfen. Wer neugierig geworden ist, findet auf seiner Webseite weitere Bilder auch junger Menschen sowie auch Natur- und Architekturaufnahmen.

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12 Kommentare

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  1. Guten Morgen, liebes Team :),

    heute habt Ihr einen für mich besonders schönes Thema herausgesucht :). Da ich mit dem Thema Familienaufstellungen arbeite, weiß ich, wie unglaublich wichtig es für unser eigenes Vorankommen im Leben ist, unsere Vorfahren zu würdigen – egal, wie sie waren. Wir sind genauso wie sie Teil der Geschichte.

    Leider existieren wirklich viel zu wenige Photos von den Alten unserer Gesellschaft. Ich wollte im letzten Jahr eine Photo-Serie zu dem Thema machen und habe dazu mehrere Altenheime angeschrieben, sie haben alle – aus ihren guten Gründen – von einer solchen Photo-Reportage abgesehen. Umso schöner finde ich nun diese tollen Arbeiten, die Ihr heute hier vorstellt. Danke dafür!

  2. Wundervolle Bilder, die mir, auch ohne die Menschen zu kennen, sehr nahe gehen. Der Umgang des Fotografen mit seinen Eltern ist bewundernswert, die Mühe und Pflege und Liebe, das spürt man in den Bildern. Schöner Artikel. Danke fürs Zeigen.

  3. Fotografien alter Menschen finde ich unglaublich reizvoll und lebendig.

    Mich begeistert es, die Summe des Lebens im Gesicht, an den Händen, dem Ausdruck wahrnehmen zu dürfen. Eine wunderbare Authentizität und mich faszinierende Ausstrahlung, die von diesen Bildern ausgeht.

    Ich bedauere dieses „Kaschieren des Alters“ mit mehr oder weniger dramatischen Eingriffen.
    Meiner Ansicht nach ist es unfassbar schade, dass Menschen sich selbst mit ihren „Zeichnungen des Lebens“, die doch auch Charakter, Lebenssumme und das „Ich“ widerspiegeln mehr und mehr nicht mehr identifizieren können.

    DIeses Sujet wird einfach sträflich vernachlässigt, wobei es doch eine andere Art der Schönheit zeigt, die aus dem Innersten entspringt und von Erfahrung und Sein geprägt ist.

    Ich bin begeistert!

  4. Blogartikel dazu: Bookmarks | Freiraum