21. August 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Sie sind da drin.

Ich bin Bauingenieurin, geboren 1987 in Thessaloniki, Griechenland. 2008 habe ich angefangen, herumzufotografieren, jedoch dauerte es bis 2010 bis ich wirklich einen Anfang finden konnte: Ich wusste, dass meine Großmutter in ein paar Monaten sterben würde und ich hatte keine Fotos von ihr.

So blieb ich bei ihr. Ich unterhielt sie, kümmerte mich um und fotografierte sie bis zum Ende. Es war das erste Mal, dass ich mich mit meiner Kamera verbunden und komplett der Fotografie hingegeben fühlte. Das war der Anfang.

© Ania Vouloudi

© Ania Vouloudi

Ich bin aber nicht konsistent. Ich mache lange Pausen und manchmal habe ich den Eindruck, aufgegeben zu haben. Dann kommt es wieder. Es kommt, wenn ich spüre, dass ich etwas zu sagen habe und es ist, wie wenn meine Augen Dinge sehen, die zuvor einfach vorbeizogen.

Über meine Fotos zu sprechen, ist schwer für mich. Einer der Gründe, warum ich fotografiere, ist, dass ich so nicht über meine Gefühle sprechen muss. Sie sind da drin. In meinen Bildern. Meistens habe ich keine Ahnung, was mich angesprochen hat, warum ich dies oder das auf diese Weise fotografiert habe.

© Ania Vouloudi

© Ania Vouloudi

Klar, sicher gibt es Erklärungen und Gründe dafür. Jedoch bin ich daran nicht interessiert. Ich weiß nur, dass meine Fotos mich an Geschichten erinnern, die ich erlebt habe. So kann ich mich an eine Zeit, einen Liebhaber, einen Ausflug, eine Angst oder einen Gedanken erinnern.

Die Fotos helfen mir, nicht zu vergessen, was ich in der Vergangenheit wichtig fand.

Leute erklären mir, dass es Street ist und fragen mich, ob meine Fotos gestellt sind. Ich weiß nichts. Ich möchte meine Fotos nicht etikettieren, nicht sagen „Das ist meine Katze“ oder „Das ist Tante Mary“.

Ein Bild kann eine komplett andere Geschichte für jeden Betrachter sein und so sehe ich keinen Grund, warum ich den Gedanken der Leute irgendeine Richtung vorgeben sollte.

© Ania Vouloudi

© Ania Vouloudi

Ja, manche Fotos sind gestellt. Ich dachte „Das ist ein schöner Ort“ und sagte dann „Du! Geh dahin!“, aber danach kann sich alles ändern – und wird es auch. Dinge bewegen sich, Gesichter verändern sich, die Sonne wird hervorkommen und der Wind mag auf einmal beginnen, zu wehen. Es gibt immer Dinge, die man planen und kontrollieren kann, aber das Meiste kannst Du nicht planen.

Bilder werden für mich immer wichtig sein. Ich weiß nicht, ob ich weiter fotografieren werde, aber ich hoffe, dass ich immer fähig sein werde, all diese schönen Dinge zu sehen, wie ich sie sehe.

Dieser Artikel wurde von Martin Gommel aus dem Englischen übersetzt.

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7 Kommentare

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  1. Das ist aber ein Augenschmaus heut ;)

    Sie macht wirklich tolle Bilder – auf der Website gibts ja noch viel mehr und es ist toll editiert. Auch ihre Gedanken finde ich toll, denn sie hat rund ums Thema Fotografie nen wirklich freien Kopf und konzentriert sich auf Ihre Inhalte. Wenn ich nix durcheinander haue, ist sie mit Charalampos Kydonakis verbandelt und beide profitieren fotografisch sehr voneinander. Verfolge Ihre Bilder schon länger und freu mich auch immer wieder über Ihren subtilen Humor…

    Grüße us Kölle
    Roman

  2. Wunderbare Melancholie. Schöne Bilder, wahre Worte – Seelenfotografie. Dieses ständige „abliefern“ müssen ist auch nicht mein Ding. Wenn ich etwas zu sagen habe, melde ich mich zurück. Die Pausen sind wichtig, um das Feuer am brennen zu halten.

    DANKE für den wunderbaren Artikel.

  3. Das sind mal Worte, die mich berühren und ein wunderbares Zitat für die Ewigkeit ist auch dabei:

    „Bilder werden für mich immer wichtig sein. Ich weiß nicht, ob ich weiter fotografieren werde, aber ich hoffe, dass ich immer fähig sein werde, all diese schönen Dinge zu sehen, wie ich sie sehe.“