05. August 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Dekonstruktion und Verwandlung

Einen Künstler, der so frei wie Nádia Maria arbeitet, zu entziffern, heißt auch, sich selbst in Bildern zu verlieren, die einen brutal packen und gleichzeitig mit ihrer Schönheit sanft berühren. Über allem aber steht eine Sensibilität, die hinter den gesunden Menschenverstand geht, den Betrachter mit Nuancen des Alltags und Vorgestelltem provoziert.

Nádia Maria ist eine brasilianische Fotografin, die in Bauru, São Paulo lebt. Sie begann, zu fotografieren, als sie sieben oder acht Jahre alt war, als Kind machte sie Fotos von ihren Puppen und Spielzeugen. Kamera und Film waren die Lieblingsspielzeuge ihrer Kindheit. Über die Jahre erforschte sie die Fotografie, begann mit 18, sie zu studieren und seitdem dient die Fotografie ihr als persönliches Tagebuch der Gefühle und Veränderungen, die sie in ihrem Leben durchläuft.

© Nádia Maria

© Nádia Maria

© Nádia Maria

Nádias Arbeiten haben einen großen emotionalen Anteil. Die meisten ihrer Bilder kreiert sie basierend auf inspirierten oder reflektierenden Momenten wie etwa denen kurz vor dem Einschlafen. Irgendwie findet sie einen Weg, diese diffusen Bilder nachzuzeichnen, sie denkt schon immer eher in Bildern als in Worten. Sie ist Zerbrechlichkeit, Stärke, Stille, ein Universum von Stimmen.

Ein einzigartiger Blick auf die Welt, der ihre eigenen Gefühle reflektiert und unsere in Frage stellt. Eine visuelle Chronik von Auseinandersetzungen mit Aspekten des Alltags, die sie aufwühlen und den Anspruch stellen, verarbeitet zu werden. Sie lädt dazu ein, die eigene Identität und die Erfahrung des Lebens selbst zu überdenken.

© Nádia Maria

© Nádia Maria

© Nádia Maria

Die hier gezeigten Bilder stammen aus der Serie „Vacuum“, die von der Melancholie, der Leere und der ständigen Dekonstruktion und Rekonstruktion unserer selbst inspiriert ist. Den Momenten, in denen der Körper mit der Umgebung verschmilzt und nicht mehr weiß, wo er beginnt und endet.

Diese Erfahrung hatte Nádia, als sie nach der Geburt ihres ersten Sohnes, Zion, eine große Melancholie erlebte. Es war eine schmerzhafte Phase der Verwandlung, aber diese war es, die sie zur Mutter machte und die mütterlichen Gefühle zum Ausbruch brachte, die nun ein universelles Gefühl in ihr sind. Kein Gesicht zu haben, keinen Ausdruck und trotzdem ein Teil des anderen und des Ganzen zu sein.

© Nádia Maria

© Nádia Maria

© Nádia Maria

Um sich auszudrücken, bedient sie sich aus der breiten Spanne fotografischer Techniken und mischt sie angenehm unverkrampft, wie es ihr gerade in die Konzepte ihrer sehr verschiedenen Serien passt. Von Langzeit- und Mehrfachbelichtungen bis zu stimmungsvoller Tonung und grafischen Elementen.

Ihre anderen Werke könnt Ihr auf ihrer Webseite und bei Facebook betrachten.

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1 Kommentar

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  1. Diese Bilder sind so wahnsinnig inspirierend. Zu jedem der Bilder erhalte ich Zugang, höre die Takte dazu. Auch dahinter schauen zu dürfen, mehr über ihre Beweggründe zu erfahren war sehr erhellend.