23. Juli 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Urban Graphics Photography

In der folgenden Fotoserie „Urban Graphics Photography“ habe ich Fotos gemacht, die den Menschen in seiner städtischen Umgebung zeigen. Die meisten Großstädte der Welt sind zugebaut, asphaltiert und zubetoniert; sodass sich dort der Mensch wie ein Fremdkörper bewegt.

Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, in welchem architektonischen und grafischen Umfeld sie sich bewegen. Die Grafik ist wie ein Korsett, das die Person oder den Menschen umspannt, umgarnt und vielleicht sogar einengt.

Die abgebildete Person sieht ihr Umfeld nicht aus dem Betrachtungswinkel des Fotografen und weiß somit gar nicht, in was für einem schönen, hässlichen oder eleganten Umfeld sie sich bewegt. Ich suche speziell in den Städten nach solchen Mustern, Linien und Strukturen, um die Situation besser zu veranschaulichen und darzustellen.

Inspiriert wurde diese Serie durch den Bauhauskünstler Lionel Feininger, dessen Art es war, die Welt in Flächen zu zerlegen, was mich schon immer fasziniert hat. Mir kam es in dieser Fotodarstellung darauf an, das vorhandene urbane Umfeld in Flächen und Linien zu erfassen und abzulichten mit einem menschlichen Fokuspunkt.

Hamburg 2007 © Siegfried Hansen
Hamburg 2007

Bei dem ersten Bild habe ich ganz formal nur die Flächen gesehen. Ich habe mir einen für mich interessanten Standpunkt gesucht und einen Teilausschnitt aus dieser gesamten Brücken- und Rolltreppe-Situation gewählt.

Meistens warte ich einen Augenblick ab, bis jemand vorbeikommt, oftmals besuche ich die besagte Stelle aber auch mehrmals, bis sich der für mich richtige Zeitpunkt ergibt. Die Grundsituation bleibt, nur Licht und Schatten müssen bei dieser Vorgehensweise noch beachtet werden.

Die Wahl des Standpunktes geschieht rein nach Gefühl, geschult durch jahrelanges Sehtraining von Flächen, Linien und Formen in der Straßenfotografie.

Hamburg 2012 © Siegfried Hansen
Hamburg 2012

Als erstes fiel mir die sogenannte „Rasterfahndung“ zu diesem Bild ein. Ich sah die Situation von einem Parkdeck aus. Zuerst beobachtete ich das Umfeld. Teilweise überquerten die Leute die Straße oder es fuhren Autos vorbei. Aus mehreren unterschiedlichen Aufnahmen und Betrachtungen entstand diese Aufnahme, die mir am besten gefiel.

Hamburg 2011 © Siegfried Hansen
Hamburg 2011

Im folgenden Bild haben mich die Rundungen des Geländers sowie die abgerundeten Treppen inspiriert. Eine Fotografie, die auf mehreren Ebenen aufgebaut ist. Auch hier spielt der Mensch nur eine Randfigur in der urban-grafischen Sichtweise.

London 2008 © Siegfried Hansen
London 2008

Während bei dem vorherigen Bild die Rundungen dominierten, sind es bei diesem Bild Linien, Licht und Schatten. Zuerst habe ich auch hier die Grafik gesehen und überlegt, wie ich mich am besten positioniere, um für den Betrachter eine interessante, grafische Darstellung zu zeigen.

Hamburg 2013 © Siegfried Hansen
Hamburg 2013

Bei dem letzten Bild dieser Serie habe ich eine Wendeltreppe in die vordere Ebene platziert, um diese grafisch dominante Situation besser darstellen zu können. Der entscheidende Moment entstand, als eine Person die Straße überquerte.

Einen ausführlichen Bericht über 14 Seiten mit Tipps zur Entstehung meiner Bilder zeigt die Zeitschrift fotoforum in ihrer aktuellen Ausgabe Juli/August 2013.

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14 Kommentare

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  1. Naja, die Motive sind wahrscheinlich mit viel Gedanken in Szene gesetzt. S/W passt gut. Die Bilder sprechen mich nicht (mehr) so an, möglicherweise weil wir etwas übersättigt sind mit „urban“ und „graphics“. Hat ja eine lange Tradition und die Inszenierung der Architektur scheint ja derzeit auch wieder Mode zu sein. Wer sich im urbanen Umfeld bewegt, ist mit diesen architektonischen Perlen (manchmal auch in Hochkomma) gesegnet.

  2. Das sind überzeugende Bilder – eine andere Art von Strassenphotographie als die verbreitete, die sich auf die Menschen in der Stadt konzentriert (und uns Photographen zwangsläufig in Konflikt mit dem Recht am eigenen Bild geraten lässt). Mir gefällt das überaus gut!

  3. Siegfried Hansen in Schwarzweiss ist eher selten. Es ist ein anderer Kick, als wenn man direkt auf Menschen zu geht. Und ich finde es schwieriger, einen interessanten Hintergrund zu finden und dann auf den passenden Menschen zu warten. Ruhe und Geduld statt Stress und Konfrontation. Eine andere Art und eine andere Sicht. Gefällt mir auch bei meinen Arbeiten immer besser.

  4. Das ist genau die Art von Fotografie, die ich in den entsprechenden Zeitschriften erwarte. Es wurden sich schon viele Gedanken gemacht ob das alles korrekt so sei, aber irgendwas fehlt mir. Beim Text habe ich auch eher das Gefühl, dass es um die Art und Weise und nicht das Bild geht. So weit, so gut, ist ja Geschmackssache, was mich mehr irritiert ist das Graustufen-Schwarz-Weiß, nicht nur diesem Artikel. Mit dem Siegeszug des Digitalen ist irgendwie das Stilmittel der Tonung verloren gegangen. Schade. Schwarz-weiß heißt nicht, dass es Bild nur aus Graustufen bestehen darf.

  5. Ich verfolge Siegfried schon seit vielen Jahren auf flickr und bin großer Fan. Die hier gezeigten Fotos sind imho nicht einmal die besten Arbeiten, am oberen Ende der Skala werden seine Arbeiten absolut stellar. Ein einzigartiges Auge und grandiose Sichtweisen, die vorgefundene Elemente zu surrealen Collagen kombinieren.
    Die Beschränkung auf schwarz-weiß finde ich hier unnötig und es gibt auch genügend andere (und bessere) Beispiele aus seinem Fundus, die Menschen und Geometrie verbinden.

    • Vielen Dank Arnd,
      ich zeige hier eine kleine Serie von graphischen Bildern die ich selber so zusammengestellt habe. In diesem Fall weg vom Top Einzelbild , hin zu einer Serie. Hier die Graphik in der Großstadt immer mit einem Menschen im Bild. Es werden 5 Fotos gezeigt aus einer Serie von ca. 50 -100 Bildern die ich im Laufe der letzten 10 Jahre gemacht habe. Immer nach dem oben genannten Motto.
      Auf der HP sind noch weitere zusehen. Das ist ein fortlaufende Serie die ich schon länger einmal im Zusammenhang zeigen wollte.

      Danke nochmal für das Lob ! Freut mich, das Dir meine Bilder gefallen.

      Für Interessierte, hier der Link zu weiteren Bildern dieser Serie :
      http://www.street-photography-hamburg.siegfried-hansen.de/?page_id=270&album=1&gallery=18

  6. Gute Bilder die die beklemmende Situation in Städten visualisieren. Im direkten Vergleich zu Holland oder Dänemark fallen einem auch immer wieder typisch deutsche „Unarten“ auf.

    Interessant sind auch wie ich finde die aktuellen Einflüsse der Globalisierung und Gentrifizierung in den Großstädten. Ich hab für Münster in Westfalen einiges an „alten“ Häusern fotografiert, die dann abgerissen wurden und fotografiere gerade die neuen „Luxuswohnungen“ und „Verdichtungsquartiere“.
    Gerne stelle ich die Fotos bei Bedarf mit einem kleinen Artikel auch zur Verfügung. Da sich Münster in den letzten 10 Jahren von einer Studentenstadt in eine Touristen und Schickmicki-Stadt ala Düsseldorf entwickelt, sagen die Bilder mehr als 1000 Worte.

  7. „Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, in welchem architektonischen und grafischen Umfeld sie sich bewegen.“

    Auf architektonisch würde ich es nicht unbedingt beziehen. Das kann man in der Stadt einfach nicht übersehen.
    Den grafischen Aspekt kann ich allerdings sehr gut nachvollziehen. Das Grafische sehe ich persönlich nämlich auch erst seit ich viel mehr Zeit ins Fotografieren investiere und nach Ausschnitten suche, die eben genau den grafischen Aspekt ins Bild bringen. Das zweite Bild mit dem Gitter hat die stärkste grafische Wirkung aller Bilder in dem kurzen Artikel. Die übrigen wirken auf mich viel zurückhaltender.

    Das Grafische ist der Hauptantreiber für meine eigenen Fotos. Da bietet die Stadt mit den vielen Formen und Flächen sehr viele Möglichkeiten.

    Gruß
    Stefan