31. Mai 2013 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Selbstportraits scharfstellen

Jeder, der sich schon einmal an Selbstportraits versucht hat, ist hierbei sicher über dieses Problem gestolpert: Wie stelle ich scharf? Ich möchte Euch dazu einige Varianten vorstellen, die Ihr gern in den Kommentaren vervollständigen könnt.

Was für Selbstportraits unverzichtbar ist, ist ein Stativ. Zudem braucht Ihr einen Selbstauslöser oder die Möglichkeit, eine Auslöseverzögerung von mindestens 10 Sekunden an der Kamera einzustellen.

Um so weiter die Blende geschlossen ist, um so größer ist der Schärfebereich und um so leichter ist es natürlich auch, Euch selbst in diesen Schärfebereich zu stellen. Bei Blende 1.4 oder 1.8 ist es nahezu unmöglich, auf die eigenen Augen scharfzustellen. Ich selbst nutze immer mindestens 2.8 oder mehr, je nachdem, wie viel Licht zur Verfügung steht. Denn mit höherer Blendenzahl fällt natürlich auch weniger Licht in die Kamera und die Bilder werden dunkler.

Steht die Kamera nun zum Beispiel mit Blende 4.5 auf dem Stativ, kann es auch schon losgehen.

 

Variante 1

Ihr markiert Euch den Bereich, auf dem Ihr stehen wollt mit einem Kreidestrich oder einem Stöckchen auf dem Boden und stellt genau an diese Stelle eine Leiter oder ein weiteres Stativ. Am besten auf jeden Fall etwas, das Eurer Größe nahe kommt.

Nun fokussiert Ihr auf dieses Platzhalter-Objekt und stellt Euer Objektiv auf manuellen Fokus. Das ist wichtig, da sich sonst Eure Kamera einen neuen Schärfepunkt sucht, wenn Ihr die Leiter wieder aus dem Bild gestellt und Euch an ihrer Stelle positioniert habt. Ja, an diesem Punkt freut man sich über den Kreidestrich, den ich leider immer noch hin und wieder vergesse …

Nun steht Ihr also mit Selbstauslöser auf dem Strich und könnt auslösen. Im Optimalfall ist das Bild direkt scharf, was jedoch nicht der Regel entspricht. Etwas Geduld gehört auch dazu. Am besten macht Ihr direkt auf dem Strich stehend mehrere Bilder und bewegt Euch dabei ein paar Millimeter vor und zurück.

 

Variante 2

Meine Kamera hat ein schwenkbares Display und einen Liveview-Modus. Beim Kauf war mir das relativ egal, aber mittlerweile möchte ich beides für meine Selbstportraits nicht mehr missen. Denn steht meine Kamera auf dem Stativ, kann ich das Display so zu mir drehen, dass ich mich bei der Aufnahme selbst sehen kann.

So kann ich mich oder meine Augen genau positionieren, sehe den Bildausschnitt, ob ich mir gerade den Kopf wegschneide oder ob eine Haarsträhne nicht richtig sitzt. Das Objektiv ist bei dieser Variante auf Autofokus eingestellt.

Diese Variante mag ich sehr bei nahen Portraits. Bei weiter entfernten Ganzkörperaufnahmen hat meine Kamera im Liveview-Modus leider hin und wieder Probleme, überhaupt einen Schärfepunkt zu finden.

 

Variante 3

Diese Möglichkeit fand ich hier. Ich konnte sie aufgrund eines fehlenden Studios nicht testen, aber sie klingt plausibel und die vielen postiven Kommentare geben dem Autor recht.

Das Objektiv ist dabei wieder auf Autofokus gestellt. Man selbst positioniert sich im Dunkeln vor der Kamera. Die Kamera benötigt zum Scharfstellen Licht, das man ihr mit Hilfe einer kleinen Taschenlampe gibt, die man genau auf Höhe der eigenen Augen hält. Hat die Kamera den Fokuspunkt gefunden, nimmt man die Taschenlampe aus dem Bild und löst aus. Die gleichzeitig auslösenden Blitze erhellen das Bild und man bekommt ein Foto, das den Schärfepunkt genau auf den Augen hat.

 

Probiert es am besten selbst aus, berichtet von Euren Tests und verlinkt auch Euer eines oder anderes Ergebnis. Und wenn noch Fragen sind, fragt.

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19 Kommentare

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  1. Ich habe noch eine Variante :)

    Wenn ich den Sucher nicht abdecke, sehe ich durch die Linse ein großes Rechteck. Je nachdem welcher Teil zu sehen ist bzw. wo dunkle Ecken sind, weiß ich, wie ich richtig stehe damit das eine ausgewählte Fokusfeld genau meine Augen trifft.
    Klingt irgendwie kompliziert, aber man entwickelt einfach ein Gefühl dafür und nach kurzer Zeit klappt das auch prima.

    Andere Möglichkeit ist es den Kopf so zu halten, dass Mund und Augen in einer Schärfeebene sind und dann auf den Mund scharf zu stellen, der ist meist einfacher zu treffen als das Auge.

  2. Das mit der Taschenlampe funktioniert aber auch nur, wenn die Augen genau auf Höhe eines Fokuspunktes der Kamera sind. Und per Liveview auf dem Display wird bei der Entfernung wie auf dem Artikelbild auch schon schwierig zu beurteilen, schätze ich. Das klassische Stöckchen an der richtigen Position verbunden mit relativ kleiner Blende ist wohl doch das sicherste…

    Thomas

  3. Einfach einen kleinen günstigen Funkauslöser für die Kamera kaufen, anschliessen, die Kamera auf verzögerten Selbstauslöser stellen, mit der Fernbedienung durch Antippen fokussieren, fertig ;-)

    Bei der Sache mit der Taschenlampe frage ich mich, warum nicht gleich das Licht richtig anmachen, wenn sowieso mit Blitz fotografiert wird. Dann spielt das Raumlicht eh keine Rolle ;-)

    • Weil der Autofokus Licht braucht um scharf zu stellen. Wenn alles dunkel ist und nur die Lampe auf Höhe der Augen leuchtet ist das der einzige Punkt den der AF findet.

  4. Das sind Super-Tipps, vielen Dank! Ich wende meistens Variante 1 an, vergesse meine Position oder bin zu spät an der Position, falle hin, mache ein blödes Gesicht etc., aber genau das macht die Bilder einmalig. ;-)

  5. Bei Selbstportraits nutze ich meistens das “Interval timer shooting” bei meiner d7000 (keine Ahnung wie das bei Canon heißt). Dabei fokussiert die Kamera automatisch und man kann sogar mehrere Fotos auf einmal schießen. Je nach dem was für ein Selbstportrait man schießt, kann man entweder ein Messfeld zum fokussieren vorwählen oder man stellt die Kamera einfach auf AUTO-Fokus und es wählt sich das Messfeld selbst. Letzteres funktioniert meistens relativ gut. Damit lässt sich natürlich nicht immer auf das Auge scharfstellen, aber bei einer höheren Blende sollte das kein großes Problem sein. Das kann man sicherlich auch mit der 3. Variante kombinieren.

  6. Das mit der Taschenlampe ist gut und recht… jedoch sehe ich das Probleme mit der Pupille.
    Da sich diese im Dunkeln extrem vergrößern und dann auch so auf den Bildern sind, was ich nicht wirklich schön finde.

    Ich habe es bisher als so gemacht, dass ich die Kamera genommen habe, mich an den Punkt gestellt habe wo ich auf dem Bild sein möchte (diesen mir auch gemerkt habe) und von dort aus das Stativ fokussiert habe. Anschließend Kamera auf dem Stativ befestigen und Timer rein.
    Vorteil davon ist die direkte Fokussierung (auch mit Blende 1.4 oder 1.8 schon gemacht) und man braucht nicht zu verschenken.

  7. Ich habe neulich folgende Variante beim Selbstportrait mit der D700 und ‘nem 85mm/1.8 entdeckt: Den Fokuspunkt habe ich etwas nach oben und verschoben zur Mittelachse gesetzt. Nun auf Unendlich fokussieren. Stellt man sich nun vor die Kamera sieht man durch die Linse (nach etwas hin und her wackel/suchen mit dem Kopf) das schwarze Fokus-Kästchen. (Hinter dem Sucher sollte es dafür hell sein.) Wenn man dieses Feld nun sieht, sitzt es genau auf dem Auge. Jetzt nicht mehr bewegen und inkl. autom. Fokusierung auslösen. Ergebnis: perfekter Fokus auf dem Auge, auch bei großer Blende.

  8. Hi!

    Netter und interessanter Bericht :-)

    Wie bereits in den Kommentaren erwähnt wurde, bietet auch eine Kamera mit WLAN-Funktionalität, wie z. B. die Canon 6D, gute Möglichkeiten, das Bild und die Steuerung auf ein Smartphone zu übertragen. Für Kameras ohne integriertes WLAN scheint es jetzt einen neuen Adapter zu geben, der die Signale weitergibt. Unter dem Stichwort “triggertrap” sollte sowas zu finden sein. Erfahrungen habe ich damit noch nicht, aber für häufgige Selbstportraits wäre das vielleicht eine gute Idee?

  9. Ich habs selber noch nie probiert, habe aber vor kurzem was gelesen von der sog. Fokusfalle. Man stellt wohl (manuell) auf eine bestimmte Entfernung/Punkt scharf, und sobald sich ein Objekt in dieser Ebene befindet, löst die Kamera aus.
    Zumindest bei einigen Nikon-DSLRs geht das.