22. April 2013 Lesezeit: ~ 11 Minuten

Im Gespräch mit Frank Buttenbender

Ich verfolge Dich ja jetzt schon eine Weile bei Facebook. Fast jede Woche gibt es dort wieder neue Konzert- und Festivalbilder zu bewundern. Klingt, als hättest Du einen Traumjob. Ist er das?

Das ist tatsächlich ein Traum, allerdings kein Job, denn ich arbeite nur im eigenen Auftrag für mein eigenes kleines Onlinemagazin. Das verschafft mir einerseits die Freiheit, nur die Konzerte zu fotografieren, die mich interessieren, hat teilweise aber auch den Nachteil, nicht alle Künstler vor die Linse zu bekommen. Zumindest nicht die Herrschaften, die noch immer im Internet eine Bedrohung sehen und nur Printmedien akkreditieren.

Mitunter fragen nach meiner eigenen Veröffentlichung auch Printmagazine an und ich gehe darauf ein, aber im Auftrag anderer arbeite ich nur sehr ungern. Noch besser ist die Situation natürlich dann, wenn man einen persönlichen Draht zur Band bzw. deren Management hat.

Dann findet man vor Ort auch ganze andere Bedingungen vor. Aber um zum Ausgangspunkt zurückzukommen; ja, es ist traumhaft, da es mir Gelegenheit gibt, großartige Konzerte zu besuchen und gleichzeitig zumindest einen Teil zum Ganzen beitragen zu können.

noyce TM von Frank Buttenbender

Bekommst Du denn bei der Arbeit überhaupt etwas vom Konzert mit? Die unberechenbaren Lichtsituationen, schnelle Bewegungen der Musiker – das alles erfordert ja eine hohe Konzentration. Kann man dabei die Musik genießen?

Gute Frage. Wenn ich das komplette Konzert fotografieren kann, bekomme ich nicht wirklich viel mit vom Geschehen. Aber das ist nicht die Regel, denn meistens ist ja nach drei Songs Schluss und man kann sich dem Konzert selbst widmen. Allerdings ist auch dann nicht ausgeschlossen, dass man den Lichtsituationen auf der Bühne mehr Beachtung schenkt als der Musik.

Um diese wirklich zu genießen, bin ich ohnehin lieber zuhause und höre in aller Ruhe ein Album auf CD oder Vinyl an. Bevor ich mit der Konzertfotografie begonnen habe, war ich daher auch kaum mal bei einem Konzert dabei. Und ich mag das eigentlich auch gar nicht. Zu viele Menschen auf engem Raum, der Sound ist meist übersteuert, die Luft schlecht… beim Fotografieren kann man das alles ausblenden, aber ohne das würde ich vermutlich nie Konzerte besuchen.

Das Ich von Frank Buttenbender

Interessant, ein Konzertfotograf, der an sich keine Konzerte mag. Muss man denn die Bands kennen und mögen, um gute Bilder zu machen?

Es ist vor allem motivierend, Bands zu fotografieren, die man mag oder vielleicht bislang noch nicht fotografieren konnte. Aber für gute Bilder reicht allein das nicht aus, manche Künstler sind aufgrund ihrer Statur oder ihres extremen Bewegungsdrangs generell schwieriger zu fotografieren und andere mögen keine guten Lichtbedingungen. Da nützt dann mitunter das Wollen auch nicht viel.

Manchmal sind die Ergebnisse aber trotzdem ganz passabel, das darf man dann gern der eigenen Tagesform zuschreiben oder ein paar glücklichen Momenten. Aber selbst bei perfekten Bedingungen, viel Zeit und guter Form wird es immer ein Foto geben, das man nicht gemacht hat. Vielleicht ist das auch der Grund für den bleibenden Antrieb, beim nächsten Mal wiederzukommen.

Die Leute auf der Bühne zu kennen, ist schon ein Vorteil. Es ist gut, wenn man weiß, wer gern auf welcher Seite das Mikro hält, wie groß die Bandmitglieder sind, ob sie dazu neigen, in den Graben oder ins Publikum zu springen und dergleichen mehr. Ein zu viel an Vorbereitung könnte allerdings die nötige Spontaneität ein wenig hemmen, so dass ich mir meistens nicht allzu viele Gedanken mache.

Laibach von Frank Buttenbender

Gibt es da eine Band, bei der es Dir besonders viel Spaß macht?

Derzeit muss ich da unbedingt die Band IAMX nennen, die mir auch musikalisch am meisten bedeutet. Ich habe sie erst einmal fotografiert, aber demnächst erfährt die Zusammenarbeit eine Fortsetzung. Gute Ergebnisse und daher viel Spaß gab es in der Vergangenheit mit den Bands Diorama, Project Pitchfork, Laibach oder Lacrimosa. Von den bekannteren Künstlern ist mir vor allem ein Abend mit Nick Cave in guter Erinnerung. Auf der Wunschliste stehen die Nine Inch Nails ganz oben.

Wie wichtig ist die Technik bei Deiner Arbeit und mit welcher Ausrüstung arbeitest Du?

Wichtig ist sie insofern, als dass sie mich in die Lage versetzt, unter teilweise extremen Bedinungen ordentliche Fotos zu machen. Derzeit benutze ich eine Nikon D700, eine Nikon D200 sowie einige lichtstarke Festbrennweiten. Damit bin ich derzeit zufrieden. Ich würde dennoch sagen, dass ein gutes, schnelles Auge sowie Erfahrung weitaus wichtiger sind als die optimale Ausrüstung.

The sisters of mercy von Frank Buttenbender

Aber ein gutes, schnelles Auge nützt nichts, wenn die Kamera nicht über ISO 400 hinausgeht, oder?

Es ist schon beides wichtig, keine Frage. Komisch sind immer so Äußerungen, wie „Du machst ja bessere Fotos, weil Du die bessere Kamera hast.“ Das ist sehr wirklichkeitsfern, denn ein ambitionierter Fotograf wird eher Wege und Mittel finden, bessere Technik zu verwenden, als neidvoll auf andere zu schielen.

Ich frage mich oft, warum so viele Fans auf Konzerten ihr Handy um Fotos bemühen. Gute Bilder schafft man damit aus der meist doch sehr großer Entfernung nicht, oder?

Die Handy-Knipser und Filmer sind ein ganz anderes Thema. Ich denke mal, denen geht es nicht so sehr um Qualität, sondern um den Beweis der eigenen Teilnahme. Mit Web 2.0 Apps wie Facebook und YouTube ist das Dabeisein und Mitmachen ganz wichtig geworden, wichtiger offenbar, als das pure Konzerterlebnis selbst.

Einige Künstler sprechen sich daher auch gegen die Verwendung von Handyknipsen aus, was ich ihnen hoch anrechne. Aber es gibt nicht nur zu viele Handyknipser, es gibt auch deutlich zu viele Leute, die sich um den Einzug in den Fotograben drängeln. Da ist in den letzten Jahren leider vieles in eine fragwürdige Richtung gelaufen.

Eisbrecher von Frank Buttenbender

Ja, von den Kämpfen im Fotograben hört man selbst als Nicht-Konzertfotograf in der Tat häufig. Woher kommen die ganzen Fotografen auf einmal und wo kann man ansetzen, um das Problem aufzulösen?

Die Zugangsbarierren sind einfach wesentlich niedriger als früher. Digitalfotografie und Internet sind zwei wichtige Gründe dafür, dass es in diese Richtung gegangen ist. Veranstalter sehen sich daher mit weitaus mehr Anfragen konfrontiert und soweit es möglich ist, wird diesen Anfragen auch entsprochen.

Denn im Zweifel sind mehr Vorabwerbung und Nachberichterstattung immer lukrativer als die zwei, drei Lokalmedien, die zur Analogzeit berichtet haben. Da die richtige Auswahl zu treffen, ist sicher nicht einfach und auch mal nein zu sagen leider nicht die Regel.

Wenn man die Zugangsbarierren erhöht, wäre Deine Arbeit nicht auch in Gefahr? Als eigener Auftraggeber für ein Online-Magazin bist Du doch wahrscheinlich einer der vielen neuen Fotografen im Graben, oder?

Das könnte man meinen, allerdings haben sich in den vergangenen Jahren einige gute Kontakte entwickelt, die mich zumindest innerhalb der alternativen Musikszene zuvorkommend behandeln. Das Online-Magazin war aber letztlich immer nur Mittel zum Zweck, denn ich bin dort weit davon entfernt, richtigen Journalismus zu betreiben.

Wesentlich lieber wäre mir daher die nähere Bindung an einzelne Bands, das würde dann auch eher zu einzigartigen, außergewöhnlichen Fotos führen und die beschriebene Situation gar nicht erst entstehen lassen.

fields of the nephilim & lacuna coil von Frank Buttenbender

Möchtest Du als eine Art persönlicher Fotograf Bands für eine Tour oder zumindest ein paar Konzerte begeleiten oder wie kann ich mir das vorstellen?

Für einzelne Konzerte ist das bereits schon so geschehen, eine komplette Tour wäre allerdings eine neue Erfahrung, die ich unter gegebenen Umständen gern machen würde.

Auch wenn bereits zu viele Fotografen im Konzertgraben stehen: Hast Du vielleicht Tipps für angehende Konzertfotografen?

Ein Tipp wäre eventuell, nicht so sehr die anderen Fotografen und ihre Fotos als Vorbild vor Augen zu haben, sondern eher zu versuchen, so früh wie möglich einen eigenen Weg der Bildsprache zu entwickeln. Ich war am Anfang sehr aktiv in der Fotocommunity, was letztlich aber ein Fehler war, denn dort wird eher das Streben nach einem Konsensgeschmack gefördert als die eigene Entwicklung.

Zeromancer von Frank Buttenbender

Passend zur Musik würde ich Deine Bildsprache als düster und kontrastreich beschreiben. Wie würdest Du sie charakterisieren?

Düster und kontrastreich, genau. Das hat wohl mit meiner Persönlichkeit zu tun, die gern schwarz oder weiß malt, aber niemals grau und selten farbig. Farbe gibt es vermehrt dann zu sehn, wenn es mir bei dem Ereignis gut ging, aber im Nachhinein sind das meist die schlechteren Fotos. Persönliche Krisen hingegen haben sich meist positiv auf die fotografischen Ergebnisse ausgewirkt.

Ich finde ja auch Deine wenigen farbigen Bilder schön. Entscheidest Du bereits während des Konzertes, ob die Bilder am Ende schwarzweiß werden? Und wieviel Nachbearbeitung steckt überhaupt in den Bildern?

Das ist zunächst davon abhängig, welche Bedingungen vor Ort herrschen. Im Gegensatz zur oftmals vertretenen Meinung, schwarzweiß sei nur eine Notlösung, ist es bei mir eher umgekehrt: Ich versuche fast immer, die Fotos im Ergebnis schwarzweiß zu bekommen.

Aber manche Farbkonstellationen lassen dies einfach nicht in genügendem Maße zu. Wenn das Ergebnis farbig ausfällt, kann es also nicht nur an der guten Verfassung während des Ereignisses liegen, sondern auch schlichtweg daran, dass die Umwandlung nicht geglückt ist.

Nachbearbeitet werden alle Fotos, zunächst meist im Schnitt, was eine Folge der Festbrennweiten ist. Dann wird nachgeschärft, verkleinert und der Kontrast erhöht. Von Bildmanipulationen halte ich aber nicht so viel. Mir ist der rauhere Charakter sowieso lieber als eine glattgebügelte HDR-Anmutung.

Generell halte ich Farbe für problematisch, weil es den Betrachter viel zu sehr vom Geschehen selbst ablenkt. Ich habe auch manchmal den Gedanken, einfach von vornherein schwarzweiß und analog zu fotografieren. Vielleicht werde ich das demächst wieder versuchen.

Project Pitchfork von Frank Buttenbender

Das klingt für mich nach einer großen Herausvorderung. Was steht denn in nächster Zeit noch an?

Ja, letztlich werde ich aber der Konzertfotografie weiter treu bleiben. Es gibt dann auch immer mal Anfragen der Musiker für gestellte Fotos. Ich habe mich allerdings nie so richtig wohl gefühlt, wenn es darum ging, selbst Regie zu führen, so dass ich das lieber anderen überlasse.

Falls alles klappt, werde ich in der nächsten Zeit Konzerte von IAMX, Rammstein und Dead Can Dance besuchen. Zudem freue ich mich auf verschiedene Open Air Events im Sommer auf einer malerisch gelegenen Festung in der Nähe meiner Heimatstadt, zu denen mich der Veranstalter bereits eingeladen hat.

Dann viel Erfolg dabei! Ich bin gespannt auf die neuen Bilder.

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11 Kommentare

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    • Es sind wirklich interessante Bilder dabei.
      Ich finde es nur schade, dass die Farbe so ausgespart wird. Ich meine die Bands und die Techniker verwenden sehr viel Zeit und Energie darauf um bestimmte Stimmungen zu erzeugen, da spielen die verschiedenen Farben eine extrem große Rolle.
      abgesehen davon: Hut ab, großartige Arbeit.