24. Januar 2012 Lesezeit: ~1 Minute

Trostlos

Dieser Tage bin ich spontan an den Stadtrand gefahren, um dort zu fotografieren. Irgendwie war mir nicht nach vielen Menschen zumute und ich erinnerte mich daran, dass ich am Rande der ehemaligen amerikanischen Siedlungen Bilder machen wollte. Außerdem hatte ich früh morgens ein intensives Gespräch gehabt und wollte mit meinen Gedanken erst einmal allein sein.

Der Himmel war schon den ganzen Morgen zugezogen und nur ein paar eifrige Jogger rannten mürrisch gegen den trocken-kalten Wind an. Hier und da tauchten die Gassigänger auf und in irgendeinem Hinterhof knirschten Bleche krächzend aneinander – ich erzähle das nicht, um hier eine Pseudostimmung zu erzeugen, es war tatsächlich so.

Ich schnallte mir die Kamera um und zog über ein paar offenstehende Felder, vorbei an ein paar verlassenen Häusern. Wenn der Wind gut stand, hörte ich Kindergelächter, was die Situation gefühlt noch trister machte, als sie ohnehin schon war. Hier und da hielt ich an, machte ein Foto oder zwei und ging weiter.

Es mag vielleicht komisch klingen, aber ich genoss die Tristesse. Und um die Stimmung nicht kaputtzumachen, möchte ich jetzt niemanden mit irgendwelchen EXIF-Daten oder Bildbearbeitungsmechanismen zutexten, sondern lasse lieber die Bilder sprechen.

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44 Kommentare

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  1. Die Stimmung ist in den Bildern richtig zu spüren. Das Licht hat dabei auch mitgespielt. Es ist jetzt kein einziges heraus zu nehmen, sondern alle in sich geben ein stimmiges Bild ab der Gefühlslage. Hoffentlich hat es im nachhinein ein wenig den Tag noch aufleben lassen!

    • Das hat es, Michael. Danke für Dein Feedback. Und ja, die Serie wirkt auch aus meiner Sicht heraus gut in dieser Form – ein Foto herauszunehmen bedeutet auch, auf die Stimmung der anderen zu verzichten. Ich mag Serien gerade, weil Fotos so zusammen ein „Gesamtbild“ ergeben, was ein Foto allein nicht auszudrücken vermag.

  2. Kann dem vorausgehenden Kommentar nur zustimmen. Ich hoffe das Fotografieren hat dich in diesem Fall ein wenig aufgemuntert. Deine Stimmung und die Stimmung vor Ort spiegeln sich deutlich in den Bildern wieder. Das Spiegelbild von dir im Wasser gefällt mir am Besten.

  3. Ja auch ich bin begeistert, was man selbst bei trüben Wetter doch so alles sehen kann! Vor allem gefällt mir, dass man in den Bildern Gefühle und Stimmungen des Fotografen wiedergespiegelt sieht.

  4. Das zeigt mal wieder, dass nicht die Motive gute Fotos ausmachen, sondern der Fotograf, d.h. die Kombination aus Stimmung, Intention, und vlt Können/Auge. Gefallen mir gut!

  5. Hallo,

    Bin gerade am überlegen, ob die Stimmung in den Bildern auch herübergekommen wäre, wenn die Bilder ohne Text dastünden. Bin mir nicht sicher.

    Ein Topf, Maschendrahtzaun, Straßenbegrenzung? Das ist mir zu einfach!

    Die anderen Bilder gefallen dafür. Allerdings überlegte ich beim drittletzen Bild, was das ist. Ein Sarg? Teilweise erkennt man gar nichts, da zu dunkel entwickelt. Ach jetzt, eine abgedecktes Auto. Hätte man da nicht mehr daraus machen können?

    Ciao
    Uwe

    • Gegenfrage: wie definierst Du „mehr“? Und ja, genauso einfach wollte ich die Serie machen. Hier eine Nahaufnahme, da ein alter Topf, nichts Aufregendes. Und dass Du das Auto nicht gleich erkannt hast, finde ich jetzt irgendwie gut, denn ich selbst hege eine ausgeprägte Affinität Bildern gegenüber, die nicht sofort alles verraten.

    • Valid point. Andererseits wenn wir uns die Bilder der großen anschauen, wären sie ohne einen kurzen Kommentar oder eine Schilderung der berichtenden Person auch so wirkungsvoll? Ich lese Magazine und Blogs ja auch um die Intention des Schöpfers genauer zu erschließen. Gleich ob es um sich um Installationen oder Fotos handelt.

  6. „Guten Morgen Karlsruhe, Du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau
    du kannst so schrecklich sein, deine Nächte fressen mich auf
    Es wird für mich wohl das Beste sein ich geh nach Haus und schlaf mich aus
    und während ich durch die Straßen lauf wird langsam Schwarz zu Blau…“

  7. also ich finde den text sehr stimmungsvoll. aber ich stelle mir auch die frage: hätten die bilder denn die gleiche geschichte erzählt? wo sind die leerstehenden häuser? wo die in weiter entfernung spielenden kinder? wo ist das von der welt entrückte?
    ich finde, dass es die hohe kunst ist, mit ein paar fotos eine geschichte zu erzählen. hier finde ich es persönlich nicht so gelungen. zu ausschnittartig erscheinen mir die fotos und damit zu beliebig. zu viel spielerei mit der tiefenschärfe, anstatt zu zeigen und zu erzählen.

    • Hallo Andreas. Was ich an Deiner Kritik mag ist, dass Du konkret sagst, was Dir hier fehlt, was Du anders gemacht hättest. Auch wenn ich Dir nicht in allen Punkten zustimmen kann (die Kinder habe ich gar nicht gesehen und ein Bild ist stets ein Ausschnitt) macht der Text vor den Bildern erstmal ein anderes „Bild“ im Kopf des Lesers, als das, was dann kommt.

      Mir ging es nicht darum, eine Geschichte zu erzählen. Sondern schlicht und einfach Bilder zu zeigen und einwenig darüber zu berichten, wie der Morgen für mich war. Dass hier die Stärke des Textes (Ausdruck) und die Bilder an sich voneinander differieren, ist gut beobachtet – liegt aber ein Stück in der Natur der Sache. Vielleicht hänge ich den Text nächstes Mal drunter. Mal sehen.

      • was ich mag, ist dein konstruktiver umgang mit kritik. wusste gar nicht, dass das überhaupt noch möglich im internet ist. respekt dafür.

        das mit den kindern ist schon klar, sollte aber zumindest verdeutlichen, was ich mir unter so einer stadtrandsiedlung vorstelle. mehr gefühl für den raum drumherum usw.

  8. Hi Martin,

    wie du ja weißt, seheh ich mir gerne erst Bilder an, bevor ich einen „Erklärtext“ dazu lese, um die Bilder zunächst einigermaßen „unverfälscht“ wirken zu lassen. Sowohl mit als auch ohne begleitende Worte komme ich zu dem Schluss: Die Serie funktioniert! (auch einige Bilder für sich allein wirken gut, aber in der Zusammenstellung entfalten sie logischerweise das volle Potenzial).
    Aber, wie Du auch weißt, bin ich auch ein Freund von „Weniger ist Mehr“. Deshalb hier mein Eindruck im Detail…
    1. Bild, der Topf….öhmm ich weiß nicht so genau, wirkt ein wenig manieriert auf mich
    2. Bild, verschwomene Häuserfront hinter eingefallenem Tornetz, aha, Nachtigall, ick hör Dir trapsen, schon besser, bonjour tristesse
    3. Bild, als Einzelbild zu oft gesehen, trotzdem klassicher, starker Symbolismus, funktioniert emotional gut im Kontext zu Bild 2
    4. Bild, jetzt wird ein Schuh draus, vom trüben Detail ins triste Ganze quasi aufgeblendet
    5. Bild, wieder starke Symbolik durch den Vogel
    6. Bild, muss für mich nicht zwingend sein , zumal für meinen Geschmack das
    7. Bild noch deutlich stärker wirken würde, wenn es in direkter Nachfolge, d.h. im direkten inhaltlichen Kontrast zu Bild 5 stehen würde. Finde ich selbstironisch, bricht kurz die eigentliche Geschichte, Botschaft: „Hey Leute, sieht nach übler Depression aus, aber ich bin OK ; )“
    Bild 8 und 9 sind einfach klasse eingefangen, fügen sich bestens in die Geschichte
    Bild 10, hätte für mich wieder nicht sein müssen, ist mir gleichzeitig zu gewollt und zu beliebig, andererseits schließt sich damit für mich ein Kreis zum ersten Bild ; ), ein Rahmen also quasi

    Soweit war mein erster Eindruck und siehe da, dann lese ich den Begleittext dazu und denke: Passt doch! Bild 1,6 und 10 hätte ich weggelassen, um alles etwas zu „verdichten“, aber das kann man, so oder so sehen. Glückwunsch…

    • Na das nenne ich mal eine ausgefeilte Kritik. Damit kann ich viel anfangen – habe jedes Bild mit deinen Sätzen verglichen. In vielen, nicht allen Punkten (welche Bilder für Dich funktionieren, welche weniger), dachte ich: jop. Passt. Was ich mir langsam wirklich überlege, ist, mal bei einer Serie den Text erst zum Schluss zu bringen… ;-)

  9. Mir gefallen die Bilder auch gerade wegen ihres Minimalismus, der durch die S/W Umsetzung erst richtig zu Tage tritt.

    Allerdings fühlte ich mich zugleich an einen Kommentar aus einem Beitrag der letzten Tage erinnert der die omnipräsente Melancholie und den künstlerischen Ansatz auf Kwerfeldein kritisierte. Mir fällt das als regelmäßiger, langjähriger Leser von Kwerfeldein auch auf. Wenn man sich beispielsweise die Varietes ansieht, dann wird die Auswahl stehts von Bildern dieser Art dominiert. Sprich, Tristesse, Minimalismus, beabsichtigte Imprefektion usw. Auch viele Beiträge gehen in diese Richtung, e.g. der Akt-und Portraitbeitrag von gestern, Archangel, Diptychon usw. Ich führe das darauf zurück das ein Großteil der Redaktion (Martin, Holger, Katja, Aileen und Marit) diese Art von Fotografie sehr schätzt. So sehr ich diesen Stil selber auch schätze, freue ich mich immer über „farbenfrohere“ und „lebensbejahendere“ Beiträge und Fotos von Michael und Patricia (und bspw. dem Beitrag von Frank und Radomir kürzlich). Klar, das Leben ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, aber ganz subjektiv verspüre ich hier in letzter Zeit einen gewissen Verfall in die Depression.

    Vielleicht stehe ich mit meiner Auffassung alleine da, vielleicht ist diese Entwicklung auf Kwerfeldein beabsichtigt (und ich würde mich auf „Hochglanzblogs“ wie Krolop&Gerst usw. wohler fühlen), aber mag halt Euer bisher vielfältiges Format und hoffe dass die Waage der Beitragsarten wieder ein bisschen mehr ins Gleichgewicht kommt.

    My 2 cents.

    • Ich hab auch noch 2 cent übrig.. : )

      Warum denn sich für eine Welt entscheiden (kwerfeldein oder Krolop&Gerst)? Liegt doch alles nur einen Klick weit auseinander ; )

      Hier werden einfach auch viele SW-Bilder gezeigt und SW ist nunmal ein tolles Medium gerade für die Melancholie. Ich habe das Gefühl, dass es den von Dir genannten Fotografinnen und Fotografen ähnlich geht wie vielen Musikern und Schriftstellern, für die die Melancholie einfach die interessantere, weil facettenreichere Emotion ist. Ich komme gerade nicht darauf welcher Musiker es war, der in einem Interview auf die Frage warum er so ein trauriger Mensch sei (was der Interviewer aus der Musik und den Texten schloss) antwortete, „Ich bin überhaupt nicht traurig, aber fröhliche Musik langweilt mich als Künstler.“ Das kann der Künstler dann auch nicht einfach mal so ändern.

      Das Problem ist naürlich, dass einem das als Konsumenten irgendwann auch tatsächlich mal stimmungsmäßig total auf den Senkel gehen kann, dann hilft nur eines, mal die CD wechseln : )

      Mir persönlich geht es so, dass ich besonders in „Down“-Phasen mich melancholischer Musik, Stimmungen oder Bildern aussetze. Das hat auf mich eher einen kathartischen Effekt: Totalabsturz, um quasi den Schwung nach oben zu kriegen.

      • Sehr schöner Ansatz ;-)

        Und Du hast wahrscheinlich recht. Ich fühle mich auf Kwerfeldein recht wohl wegen der Umgangsformen und der Abwechslung. Allerdings ist der Kompromiss dieser Vielfalt, dass man mit manchen Bildern und Artikeln nicht viel anfangen kann. Das tut insbesonders dann weh wenn ihre Prozentualität zuzunehmen scheint. Aber klar, dann macht mans halt wie im Kaufhaus, nimmt das passende mit und geht zum nächsten Laden. BTW, hab Deinen brandneuen Blog gesehen und werde da in Zukunft auch mal „shoppen“ gehen. Toitoitoi.

  10. ich muss auch was dazu schreiben weil ich die bilder mag. den text hab ich überhaupt nicht gelesen. bin ja eher der augenmensch ;)

    beim ersten bild denke ich an regen. frag nicht wieso. ist kein regen da. aber ich höre wie die tropfen musik im topf erzeugen. das ist ein schöner auftakt.

    beim zweiten bild höre ich den wind. wie er sich aufplustert und durch die ritzen pfeift.

    beim dritten und vierten bild setzt sich das mit dem Wind fort. Man beobachtet wie er über alles fegt. und wie der wind den vogel trägt beim fünfsten bild.

    das sechste sagt plötzlich halt. der weg ist zuende. aber das siebente bild singt davon das es doch ein überwinden gab und das es hinter dem zaun wunderliche schöne dinge gab. das ist übrigens eines meiner lieblingsbilder. alles so schön. die linien, die steine und wie du mit der schattenhand etwas versuchst zu halten. wunderschön.

    danach geht die reise weiter. die wolken verziehen sich, sonne taucht langsam auf und deckt das nächste bild auf.

    auto, reifen, strasse. weiter gehts mit musik aus dem kassettendeck und runtergekurbelten fenster…..

  11. Feine Bilder. Jedes einzelne. Wahrscheinlich gefallen sie mir, weil sie einen Ausschnitt der Realität zeigen, die im überwiegenden Maße nicht spektakulär ist. Das sie sw sind spielt dabei keine Rolle; sie würden auch in Farbe keine schöne bunte Welt zeigen. Leider gibt es viel zu wenig solcher „tristen“ Bilder. Bilder müssen immer schön und möglichst fine-art-mäßig oder eben spektakulär sein, zeigen oft aber nur die Welt wie wir sie uns wünschen, wie sie aber nicht ist. Man braucht bloß mal rausschauen, da springen einem ja die Motive nur so an. Trist sind sie, sicher, aber was spricht gegen sie?
    Bilder sollten vom Fotografen nicht erklärt werden. Schon bei Titeln habe ich Bauchschmerzen. Wenn ich so was lese, habe ich nämlich meist keine Lust mehr, mich mit dem Bild auseinanderzusetzen, weil ich nicht mehr unvoreingenommen sehe. In diesem Beitrag wird die Situation, die Stimmung et cetera beschrieben. Das ist für mich gerade noch so okay, weil die Bilder nicht buchstabengetreu den Text visualisieren.
    Wie gesagt, die Bilder gefallen mir sehr gut. Sie könnten bei mir Favoritenstatus erlangen Den Text brauchte ich nicht, aber irgendwas muss man dazu ja wohl schreiben. :-)
    Henry

    • „Man braucht bloß mal rausschauen, da springen einem ja die Motive nur so an. Trist sind sie, sicher, aber was spricht gegen sie?“ Nichts, Henry und ich stimme Deiner Bemerkung zur Tristesse in vollem Umfang zu. Ein guter und wichtiger Punkt.

  12. Blogartikel dazu: Vom Kochen und Fotografieren | Über Fotografie

  13. Ganz ehrlich: ich kann mit den Bilder nichts anfangen, finde sie nicht außergewöhnlich, sie erzählen mir keine Geschichte und sind auch fotografisch-technisch nicht wirklich anspruchsvoll. Mir geben sie einfach nichts.
    Sorry für Ehrlichkeit.

    • Wie oben schon angemerkt: Niemand braucht sich dafür entschuldigen, dass er Fotos nicht mag. Weder hier noch anderswo. Dafür ist die Thematik zu komplex und von den Vorlieben, dem kulturellen Hintergrund und dem fotografischen Sujet des Einzelnen geprägt. Lasst doch das „sorry“ weg. Vor allem in Bezug auf Ehrlichkeit. Die ist doch gut.

  14. So, nun möchte ich mich auch noch melden. =)

    Ich hab mir die Bilder gestern morgen angesehen, und mein erster eindruck war gelassenheit. Ich fühlte mich entspannt, und ich denke das kommt davon, weil mich die Bilder an die vielen Sonntagsspaziergänge mit meiner Familie erinnern, egal bei welchem Wetter. Und an diesen Sonntagen, war ich eben immer entspannt. Ich hatte zeit zum nachdenken, und ruhe.

    Darum gefällt mir die Serie, allein schon weil sie dieses Gefühl auslöst in mir.

    Im einzelnen, würden mich bild 4,5,7, und 10 ansprechen, den Rest würde ich warscheinlich nicht gross beachten, aber zusammen ergänzen sie sich sehr gut.