15. Dezember 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Konzeptionelle Selbstportraits

Die Idee, mich einfach selbst zu fotografieren, kam Anfang des Jahres, nachdem ich wundervolle Fotos anderer Fotografen, wie Sarah Ann Loreth oder Alex Stoddard auf Flickr gesehen habe. Bei dieser Art der Fotografie geht es mir darum, Selbstportraits zu machen, die auf unterschiedliche Art und Weise den Betrachter in ihren Bann ziehen.


Dieses Foto ist aus mehreren Einzelfotos in Photoshop zusammengefügt worden. Ich möchte hiermit nochmal dem Bauer danken, der die Sonnenblumen angepflanzt hat – die passen super.

Warum eigentlich immer ich?

Das Schöne an Selbstportraits ist die Tatsache, dass ich die Modelle nicht um etwas bitten (was die meisten vermutlich eher abschrecken würde) oder ihnen meine Vorstellung vom Endresultat erklären muss. Da meine Aufnahmen auch schon einmal mit Schmerzen oder Ekel verbunden sein könnten, liegt es in meinem Ermessen, was ich mir abverlange. Wie zum Beispiel mich samt Kleidung in kaltes Wasser zu legen.

Die Entstehung meiner Fotos ist eigentlich immer gleich. Wenn ich die Entscheidung getroffen habe, mein nächstes Foto zu machen, überlege ich mir je nach Wetter- und Gemütslage, was das für ein Foto werden könnte und ob ich in der Lage bin, das auch so umzusetzen.

Ich stelle zuerst immer den manuellen Fokus ein. Dann sehe ich durch den Sucher und suche mir einen Punkt, der möglichst leicht wiederzufinden ist. Das kann ein Stück Holz, eine Blüte oder ein Stein sein. Ich stelle genau auf diesen Punkt scharf und muss dann nur noch zu diesen Punkt laufen, um ein scharfes Foto zu bekommen.

Hinzu kommt noch eine wichtige Sache – ein reines Männerproblem – die Frage, ob das, was ich machen will, möglicherweise zu weiblich wirkt und damit bei Männern mit Homosexualität assoziiert werden könnte. An diesem Punkt beneide ich alle Frauen, die ohne Bedenken sinnliche oder stimmungsvolle Fotos machen können. Im Zweifel entscheide ich mich dann aber doch immer für das Foto und gegen meine Bedenken.

Wer mir beim Fotografieren zuguckt und keine Vorstellung von dem hat, was ich da tue, der kann mich durchaus für verrückt halten, denn bei mir fliegen schon mal Bücher, Sitzkissen oder Geröll durch die Luft.

Eine Aussage möchte ich mit meinen Fotos nicht treffen, sie sollen viel mehr den Betrachter dazu bringen, sich das Foto etwas länger anzuschauen. Wenn der Betrachter mir dann noch schreibt, wie schön er das Foto findet, dann hat sich meine Arbeit bereits gelohnt.

Ein weiterer positiver Aspekt an diesen Fotos ist, dass ich mir eine künstlerische Freiheit offen lasse. Diese Freiheit brauche ich einfach zum Ausgleich von Auftragsarbeiten. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich diese Arbeiten fotografisch einfach weiterbringen und ich mich viel mehr mit den Fotos auseinander setze.

Teilweise sehe ich die Welt jetzt mit anderen Augen, so war ich beim dem letzten Foto gerade mit dem Auto unterwegs, als es draußen sehr nebelig war. Die nächsten Gedanken, die mich beschäftigt haben waren: Wo kann ich im Dunkeln jetzt ein gutes Foto im Nebel hinbekommen?. Ich konnte dann mein Auto auf einer kleinen Anhöhe neben dem Feld abstellen und dieses so ausleuchten. Der Rest war Alltag: Kamera auf das Stativ stellen, Einstellungen vornehmen, Selbstauslöser aktivieren und laufen.

Also, Freunde der Fotografie, wenn Ihr beim nächsten Mal nicht so recht wisst, was Ihr fotografieren könntet, warum nicht einfach Euch selbst? Ob Regen, Nebel oder dunkle Wolken, es gibt eigentlich keinen Grund, nicht rauszugehen und eine Idee umzusetzen.

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54 Kommentare

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  1. Ein spannender Beitrag. Deine Bedenken bezüglich der Homosexualität sollten tatsächlich keine Beachtung finden. Menschen, die so denken, wie Du es befürchtest, schauen sich eh keine Fotos an… dazu reicht es im Kopf meist nicht ;)

    Mache weiter so! Tolle Fotos.

  2. Ich finde deine Bedenken äußerst bedenklich, da sie ja deinem Kopf entspringen. Wenn Fotos von Frauen mit Homosexualität assoziiert werden, ist das kein Problem? Wovor hast du Angst? Das ein Mann, der deine Fotos sieht, dich für schwul hält? Autsch.
    Aber schön, dass du das Risiko dann doch in Kauf nimmst…

    • Danke für die Rückmeldungen von euch…damit das nicht in die falsche Richtung abdriftet würde ich es gut finden, wenn ihr dem Teil mit der Homosexualität nicht zu viel Aufmerksamkeit widmet. Es ist nicht so schlimm wie es sich möglicherweise liest. Ich wollte nur darstellen, mit wieviel Gedanken ein Foto verbunden sein kann.

  3. Ach, was für schöne Photographien!
    Ich freue mich richtig und könnte hier jetzt so ein smiley-cartoon einsetzen, doch warum dem so ist, das kann ich eigentlich nicht sagen, denn die Aufnahmen sind ebenso seriös wenn man in sie ‚hineinsieht‘.
    Die Idee der Selbstportrait-Aufnahmen finde ich hervorragend und sind im Grunde genommen viel spontaner als mit einem modellstehendes Subjekt, wenn man so einen Ausdruck überhaupt benutzen kann.
    Danke!

  4. Zunächst einmal: Die Fotos sind großartig, wirklich. Das Selbstportrait ist nach wie vor eine wundervolle Art, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen – mit der eigenen Kreativität, aber auch immer bezogen auf die Fragen, die einen in einer Lebensphase umtreiben.

    Aber. Wenn man nicht möchte, dass hier bestimmte Themen diskutiert werden, muss man beim Schreiben eines Eintrages eben auch überlegen, was man in einen Blogeintrag schreibt. Deine Aussage in Hinblick auf Homosexualität ist nicht besonders glücklich im Wortlaut. Ich zucke innerlich zusammen, wenn die Begriffe „Homosexualität“ und „Problem“ gemeinsam genannt werden. Ich bin kein Mensch, der im Netz der political correctness gefangen ist, aber ich bin schwul und muss mich regelmäßig mit dem Thema Ausgrenzung auseinandersetzen – auch wenn noch so viele Menschen denken, heutzutage sei die (westliche) Welt offen. Ob man sich Pöbeleien ausgesetzt fühlt oder eben über Blogeinträge stolpert, bei denen jemand seine Angst äußert, Bilder könnten falsch interpretiert werden – sowas löst in mir nach wie vor das Gefühl aus, „falsch“ zu leben, „problematisch“ zu sein. Ich meine: What’s the big deal? Wenn deine Bilder weicher wirken – kratzen sie dann an einem Männlichkeitsideal? Sollte nicht zumindest die Kreativszene mittlerweile locker genug sein, um über Stammtischgebahren zu stehen? Sollte man als in sich ruhender heterosexueller Fotograf nicht auch Fotos von sich in einem Kleid machen, wenn die Ästhetik stimmt, ohne sich sorgen zu müssen, das könnte „falsch“ rüberkommen? Und die nächste Frage wäre: Sind dann Menschen, die mit gleichgeschlechtlichen Partnern händchenhaltend über die Straße laufen oder Männer, die lieber eine Frau wären, Frauen, die lieber ein Mann wären, „falsch“, „problematisch“?

    Keine Sorge, im Ansatz verstehe ich, was du meinst. Aber grundsätzlich ist diese Aussage oben krude, verletzend und tatsächlich diskriminierend. Sorry.

    • Hey Björn, du musst dich auf keinen Fall ausgegrenzt fühlen…ich habe 0 Probleme mit Homosexuellen Menschen nur kommt es auch vor das Fotos im Internet mit „hübschen“ Männern ohne Nachfrage auf Seiten hochgeladen werden die konkret in die homosexuelle Richtung gehen und da ich nicht homosexuell bin, möchte ich auch nicht dass so etwas mit meinen Fotos passiert. Ich denke das sollte man dann auch respektieren. Du lebst auf keinen Fall falsch…leb dein Leben so wie du Bock drauf hast und vielleicht solltest du die Sachen nicht so kritisch sehen. Aber deine Ansichten (big deal) zeigen auch mir eine Denkweise auf, die ich sehr interressant finde…vielen Dank dafür.

      • aber schwule männer dürfen deine fotos schon auch angucken? oder möchtest du das auch nicht?
        und wenn deine fotos ohne nachfrage auf seiten hochgeladen werden, die konkret in die heterosexuelle richtung gehen, dann ist das in ordnung für dich?

      • Kann ich super verstehen – ist dann aber auch kein Männerproblem. Frauen wollen gute Fotos, die irgendwie einen erotischen Touch haben, bestimmt auch nicht auf Porn-Seiten sehen :-)

        Trotzdem super, dass du so ausführlich geantwortet hast. Klar wirkt mein Kommentar ein bisschen überkritisch, aber oft bringen solche Rückmeldungen was. In der Regel sind solche Aussagen wie die oben ja nicht homophob gemeint, auch wenn sie sich so anhören. Und wenn man eben dann erreicht, dass man sich aufeinander zu bewegt, ist doch alles im Lack. Es ist halt so, dass man nicht schon immer so kritisch war – sondern irgendwann von der Vielzahl solcher Aussagen genervt ist. Damit jetzt aber Schluss, hier solls ja um die Fotos gehen, nicht um Politik :-)

        Eins nur: Mit welcher/welchen Kamera(s) arbeitest du – rein aus Interesse?

  5. sexualität in fotos zu Implizieren in denen keine sexualität in erscheinung tritt ist für mich mehr als befremdlich. Ein kopfproblem? stellt sich da bei mir die frage. Wenn jemand die fotos für homosexuell hält, ja was solls denn. Ich bin hetero und habe viele schwule freunde und die haben def nicht diese gedanken, ich habe die rein subjektive vermutung das dir deine fotos fast unangenehm sind und du eine rechtfertigung als MANN suchst warum sie so sind wie sie sind den „echte“ männer machen schließlich nicht solche fotos oder wie? das wiederum stößt viele vor den kopf und damit stellst du dich für mich genau in eine ecke in die du nicht möchtest. sei du selbst ob nun hete oder homo shit egal denn die fotos sind gut. oder können homosexuelle keine guten fotos machen und sind begrenzt auf die schmuddelecke? ich bin keine frau und kann auch ohne bedenken sinnliche und stimmungsvolle fotos machen ohne mich dabei „komisch“ zu fühlen..egal..die arbeiten überzeugen mich … deine art jedoch nicht wirklich.

  6. Die Bilder sind grandios – mehr gibt’s dazu nicht zu sagen!

    Wenn ich mir die Kommentare sonst so durchlese, frage ich mich ernsthaft, wer hier ein Problem mit (seiner Homo-)Sexualität hat. Bedeuten Offenheit und Toleranz nicht auch, seine Bedenken darüber äußern zu dürfen, wie man in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird!? Natürlich könnte man sich dann fragen, warum er seine – oder diese – Fotos denn dann überhaupt veröffentlicht. Normen hat sich deshalb aber m. E. noch lange nicht diskriminierend verhalten. Seine Bedenken sind ausnahmslos seiner Persönlichkeit geschuldet – und die steht doch nun wirklich jedem ohne Wenn und Aber zu – Männern wie Frauen, Homos wie Heteros, Klein wie Groß, Hell wie Dunkel… In welcher engstirnigen Welt leben wir eigentlich immer noch, dass wegen einer allgemeinen persönlichen Meinungsäußerung die Wogen derart hochkochen?? Das sollten wir doch bereits hinter uns haben, oder!? Schließlich wissen wir alle, wie bunt die Welt und ihre Menschen sind.

    Im Übrigen finde ich es gut, dass sich ein Heteromann traut, derartige Gefühle offen zu äußern – wir sollten uns glücklich schätzen, dass dies nicht mehr hinter vorgehaltener Hand, mit zugekniffener R… und Fingerzeig passiert. DAS nenn ich mal Emanzipation!

    Auch wenn Ihr etwas nicht gut findet, bleibt tolerant – alles und jedem gegenüber. Das macht das Leben wesentlich entspannter. :)

      • Es geht nicht um Toleranz gegenüber Dingen. Es geht um Toleranz gegenüber Menschen und ihrer Persönlichkeit.

        Ok, nicht allem – aber doch jedem gegenüber… Besser!? :)

        Hängt Euch dennoch lieber an den Fotos auf.

    • Aber Nadja, glücklich schätzen können wir uns erst, wenn man über ein Unwohlsein in dieser Hinsicht gar nicht erst sprechen muss, weil es keinen Grund mehr gibt, sich unwohl zu fühlen. Das bezieht sich im Übrigen genauso auf „euch“ Frauen – die Emanzipation ist auch erst dann richtig angekommen, wenn man keine Frauenquoten mehr in Angriff nehmen will.

      In meinem Kommentar ging es nicht darum, Normen böse zu kritisieren, es ging mir darum, darauf hinzuweisen, dass der Satz einfach inhaltlich blöd rüberkommen kann, und ich denke nicht, dass Normen das beabsichtigt hat. Und um dir zu erklären, warum der Satz doof ist, spielen wir ihn mal durch: Normen fühlt sich unwohl, wenn jemand denkt, die Bilder wirken schwul. Warum fühlt er sich unwohl? Weil einige Menschen vielleicht komisch über ihn denken müssten. Theoretisch ist das aber kein Problem, weil er auf Frauen steht. Aber er fühlt sich eben unwohl, ok. Wie soll sich denn ein Schwuler fühlen, wenn er aber auf offener Straße angepöbelt wird, weil er die Hand eines Mannes hält? Du kannst dir vorstellen, dass das Unwohlsein bedeutend größer ist. Vielleicht ist das vergleichbar mit einem Chef, der seiner Angestellten regelmäßig auf die Nase bindet, dass Frauen für ihn eigentlich an den Herd gehören. Würde dir auch nicht gefallen. Nur bist du in der glücklichen Lage, dass Frauen in Hinblick auf Ausgrenzung zumindest den Unangenehmsten Teil hinter sich haben, Homosexuelle aber noch in diesem Prozess stecken.

      Das alles hat nichts mit Engstirnigkeit zu tun, nichts mit (Über-)Empfindlichkeit und schon gar nichts mit meiner Haltung zu mir selbst. Ich habe jemanden auf eine blöde Äußerung hingewiesen, weil man Veränderungen nur dann in die Wege leiten kann, wenn man den Mund aufmacht und nicht immer alles schluckt. Normen hat das so aufgefasst, damit ist die Sache für mich erledigt. Das ist eben doch so ein bisschen wie bei Frauen: Irgendwer musste anfangen, und das waren eben die Sufragetten – vor einhundert Jahren. Wir engagieren uns erst seit 40 Jahren, und wenn man hinschaut, gibt es da noch was zu tun. Das merkt man aber auch erst dann, wenn man selbst betroffen ist – und wie die Kommentare hier zeigen, gibt es eben doch einige Betroffene, die das als unangenehm empfinden.

  7. Offenheit und Toleranz bedeuten nicht, dass ich es nicht problematisch finden kann, wenn öffentlich die Angst vor der möglichen homosexuellen Wahrnehmung beschrieben wird. Nichts für ungut, aber damit hat sich der Autor für mich nicht nur lächerlich gemacht, sondern sich gleichzeitig ziemlich diskreditiert. Ich kann mich Björn nur anschließen und ergänze, dass es schade ist, wenn Menschen sich im 21. Jahrhundert über so etwas Gedanken machen müssen.

    • Unser Problem? Schubladendenken!

      Mir ist es egal, wer was über mich denkt. Aber mir ist auch egal, ob es für jemand anderen auch egal ist. Das ist sein Ding und geht niemanden was an.

  8. meine fresse. was ein dahingeworfener satz für wind machen kann. hört doch einfach auf, in langweiligen kategorien zu denken und macht einfach bilder…. sonst wirds doch alles nur blablabla

    JEDER hat das recht:

    1) homosexuell zu sein
    2) nicht homosexuell zu sein
    3) homosexualität zu mögen oder nicht zu mögen
    4) drüber zu reden oder nicht drüber zu reden
    5) sich gedanken über seine außenwirkung zu machen oder auch nicht.

    was gibts also zu diskutieren?

  9. Mal die Gedanken leicht umlenken…
    Selbstportraits hat wohl jeder bedeutende Maler bzw. Photograph gemacht. Zum Teil aus praktischen Gründen, die du auch erwähnst: nicht alles kann man einem Modell zumuten. Selbstportraits sind daher ideal für Studien, Experimente oder auch gewagte Projekte. Doch wenn man beschließt, ausnahmslos sich selbst zu fotografieren, braucht das ein inhaltlich besser fundiertes Konzept, als nur die Erklärung, dass du „die Modelle nicht um etwas bitten […] muss“. Ohne dieses Statement, dieser Orientierungshilfe für die Öffentlichkeit: warum du dich ausschließlich mit sich selbst beschäftigst, sind solche von dir erwähnten Spekulationen wohl berechtigt. Mir kommt allerdings an erster Stelle nicht der Begriff „Homosexualität“ in den Kopf, sondern eher „Narzissmus“. Davon abgesehen finde ich deine Bilder und dahinter steckende Ideen sehr schön und wünsche dir immer weiter gutes Licht!

    VG
    VT

  10. Ich bin echt erstaunt, wie Normens Gedanken zur Homosexualität hier ausgelegt werden. Ich habe selbst schon oft die Erfahrung gemacht, dass ich auf Portraits, die ich von Männern gemacht habe, sehr eigenartige Rückmeldungen bekommen habe, weil sie genau zu „weich“, zu „weiblich“ oder zu „naturverbunden“ wirken. Mich überrascht selbst, dass damit vom Betrachter überraschend viel Homosexualität assoziiert wird. Nein, ich hab‘ kein Problem mit Homosexualität und die Portraitierten, soweit ich weiß, auch nicht. Trotzdem sind wir dann beide (Fotograf und Modell) über die Reaktionen überrascht. Dann ist es ziemlich leicht gesagt, sich keine Sorgen darum zu machen, wenn das Foto keinen sexuellen Inhalt hat. Das hat auch nichts mit Angst vor Homosexualität zu tun, sondern nur damit, dass mehr in einem Bild gesehen wird als vorhanden ist. An der Stelle kann man selbst als Fotograf oder Modell noch so tolerant sein, aber es entwickelt leider eine Eigendynamik, wenn Freunde oder Bekannte des Modells aufgrund eines Fotos ihre eigenen – vollkommen falschen – Rückschlüsse ziehen. Ich kann die Gedanken von Normen daher absolut nachvollziehen und finde es schade, dass sie von vielen hier so einfach abgetan werden, die Wirkung der Gesellschaft ringsherum nicht berücksichtigt wird. Um die geht es nämlich und nicht darum, wie Normen sich selbst sieht.

    • liebe aileen,
      irgendjemand findet immer alles zu schwul. was soll man da machen? am besten ist es mit diesen leutchen nie mehr über fotos zu reden… und keine gedanken an diesen mist zu verschwenden.

      • Ja, wenn es nur einzelne Leute wären, würde ich das sofort unterschreiben. Aber mich hat gewundert, dass es oft einfach erschreckend viele sind. Klar, man kann drüber reden, gerade im Netz schön unter den Fotos diskutieren. Aber damit krempelt man ihr Denken und ihre Wahrnehmung nicht mal eben um, also denke ich, dass man auf dem Weg zum Ziel auch Kompromisse und kleine Schritte machen muss. Wir haben ja eigentlich das gleiche Ziel, aber wenn man direkt vom Start zum Ziel will, erreicht man die Menschen nicht – hat man ja schön in den Reaktionen zu meinem Artikel zu fast genau dem Thema vor ein paar Wochen gesehen.

  11. Blogartikel dazu: Konzeptionelle Selbstportraits | KWERFELDEIN | Fotografie Magazin | shared – Der Abfall, der bleibt

  12. Homosexualität, bzw. deren Auslegung, scheint doch mal ein interessantes Thema für einen neuen Artikel zu sein…

    Zum eigentlichen Thema: Ich finde die Bilder wirklich sehr gut, man überlegt, sie ziehen mich in ihren Bann.
    Könntest du beschreiben, wie genau du bei dem ersten Bild vorgegangen bist?

    Danke!

    • Zu erst habe ich ein Foto ohne alles gemacht (das brauchte ich zum freischneiden des Stuhls), dann eines wo ich auf einem Stuhl liege und danach habe ich die Bücher hochgeworfen und fotografiert…alle einzelnen Fotos habe ich dann später zusammengefügt.

  13. Wieso lässt du überhaupt Bedenken in der Hinsicht aufkommen?
    Wieso hättest du ein Problem damit, wenn jemand mit deinen Fotos eventuell Homosexualität assoziieren würde?
    Es ist nichts Negatives und.. kann es dir nicht auch egal sein?

    Immerhin entscheidest du dich dann trotzdem für das Foto ;) Denn die sind allesamt sehr toll.

    Der Point.

  14. Hättste mal diesen berüchtigten Absatz einfach weggelassen und alles wäre ok und ein schöner, interessanter Fotoartikel geworden ;-)

    So driftet das ganze irgendwie ab…Schade, dass man sich für alles rechtfertigen bzw. vorher 10x überlegen muss, was man schreibt. Einige wollen einfach immer mehr sehen, als da eigentlich ist.

    Man kommt sich manchmal vor, wie in „Das Leben des Brian“ :
    >> Chleudert den Purchen ssu Poden << zum Todlachen :-))

  15. Ich kann es leider nicht besser als Aileen beschreiben, sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Mehr möchte ich da eigentlich nicht dazu sagen, weil es mir zu müßig ist. Es gibt einige Leute die mich verstehen und einige die eine andere Sichtweise haben…und damit kann ich leben.

  16. Schöner Artikel und tolle Bilder. Bei manchen hät mich noch mehr interessiert wie es gemacht wurde aber man muss ja nicht immer alles wissen :P

    Selbstportraits haben den Vorteil auch ohne anderes Modell auszukommen und bilder machen zu können. Allerdings halte ich das für sehr schwer, seh ich doch eig lieber direkt durch den Sucher beim auslösen…

  17. absolut lächerlich und auch etwas diskriminierend deine angst vor homosexualität-man weiss ja, wer die meiste angst davor hat….ich staune, dass kwerfeldein das hier so einfach stehen lässt…

    • Ich habe keine Angst vor Homosexualität und diskriminiere auch niemanden…ich bin es einfach nicht und möchte nicht so gesehen werden…Ein Vegetarier möchte auch nicht als Fleischesser angesehen werden. Es geht um die Wirkung von Fotos auf den Betrachter und nicht darum das ich Homosexualität diskriminiere, denn das tue ich in keinster Weise.

    • schon wieder muss ich „meine fresse“ sagen. was bewegt dich eigentlich? oben schrieb jemand „schwul ist cool“ – das ist genauso diskriminierend wie „schwul ist uncool“ ! nur mit anderem vorzeichen. und wenn jemand ne meinung (!) hat und nicht gern für schwul gehalten werden will – was gibts daran rumzumäkeln? soll ich die keule schwingen und sagen „boar, bist du intolerant gegenüber anderen meinungen!!!!“ – nö, merkste selber, wa?

      gottseitdank darf man hier im netz seine meinung (zumindest halbwegs) offen sagen. danke!

      • einer der intolerantesten gegenüber anderen meinungen in diesem diskussionsstrang bist übrigens du, martin.
        du regst dich ja sogar schon über trackbacks auf.

  18. Genau wie Noren eben sagte, sehe ich das auch. Björn schreibt oben, es habe nichts mit „(Über-)Empfindlichkeit“ zu tun. Doch das hat es! Warum kann einer sagen: „ich will nicht Vegetarier genannt werden, auch wenn ich kein Fleisch esse“? Ohne, dass alle Vegetarier der Welt sich beleidigt fühlen? Weil man daraus kein Thema und kein Drama macht. Warum brauchen Homosexuelle eine Sonderbehandlung? Und währenddessen wollen sie zum gewöhnlichen Teil der Gesellschaft werden? Nur so eine doch überempfindliche Reaktion, wie von Björn: „Ich zucke innerlich zusammen“ macht daraus einen „Ausnahmefall“. Kein Macho der Welt wird ernsthaft zusammen zucken, wenn jemand andere nicht als ein Macho bezeichnet werden will. Mann darf doch jemand sein wollen oder nicht, und eine Selbstidentifikation ist doch keine Beleidigung für die restliche Welt. Oder sollen wir jetzt alle schwul werden, damit die schwulen endlich kein Drama aus ihrer „Sonderlichkeit“ machen? Mag sein, dass die Wortwahl „Männerproblem“ und „Homosexualität“ nicht besonders politisch korrekt war. Aber nur, wenn man diese zwei Begriffe aus dem Kontext reißt und kein Verstand dabei einsetzt. Poltische Korrektheit ist eines der größten Übel unserer Zeit, die raubt der Menschheit die letzten Reste der Vernunft, reißt die Flügel der Vorstellungskraft ab, vergiftet gesunde Menschenbeziehungen und mach aus uns paranoid-schizophren gestörte Mimosen.

  19. Schöne Fotos, Normen – aber das weißt du ja bereits.

    Zu der Diskussion sag‘ ich einfach mal: Alle die, die schreiben, dass Normen etwas gegen Homosexualität habe – seid nicht so empfindlich. Er hat einfach Bedenken, dass er für jemand gehalten wird, der er nicht ist. Das kommt in allen möglichen Themenbereichen vor, auch in diesem. Die Wortwahl und Formulierung mag zwar ein bisschen unglücklich getroffen sein, aber tut nicht so, als wüsstet ihr nicht, was er damit meint. Außerdem hat er das ja in den Kommentaren bereits geklärt.
    Gut ist.

    Catherina

    • glaubt normen wirklich, dass sich hier irgendwer gedanken um seine sexualität macht? und das vielleicht, weil er sich gerne auch mal nackert fotografiert und damit dann sowieso in kauf nehmen muss, dass er auch auf schwulen seiten verlinkt wird, egal welche sexualität er selbst hat?
      ihn hat niemand aufgefordert, sich als heterosexuell zu outen, aber wenn er es direkt bei der beschreibung seiner arbeiten machen muss, dann ist das schon recht aufdringlich und eben völlig fehl am platz, denn egal wie wenig er mit homosexualität verknüpft werden will, das sieht man am ende und auf anderen seiten den fotos nicht mehr an.

      als künstler sollte man sich freuen, wenn sich menschen für die fotos begeistern, aber hier klingt es ja durchaus mit, dass es die schwulen nun ausgerechnet nicht sein sollen und dürfen. man stelle sich mal vor, ein schwuler findet den normen geil! ohje.

      und in den kommentaren wurde vor allem geklärt, dass man das doch noch mal sagen darf.

  20. wow, darum liebe ich Kwerfeldein so! Immer wieder solche tolle Berichte! ;) hat mich ermutigt mich selber mal mehr zu fotografieren, obwohl es für mich ziemlich schwer ist „über den eigenen Schatten zu springen“…aber ich werde es denoch probieren :)
    Danke für den Bericht und die tollen Fotos, Homosexuelle hin oder her..Ich weiß wie du es gemeint hast und es macht mich traurig, dass sich einige Leute so sehr in eine Aussage vertiefen, die eigentlich nur für nebenbei gedacht war, aber okay…

  21. Schöner Artikel ;) ich gehe auch oft dazu über Selbstportraits aufzunehmen… leider war ich bei der Fokussierung bisher nicht so erfolgreich… vllt sollte ich das Mal mit dem manuellen Fokus versuchen :)
    Deine Bilder gefallen mir auf jeden Fall :)

  22. „Eine Aussage möchte ich mit meinen Fotos nicht treffen, sie sollen viel mehr den Betrachter dazu bringen, sich das Foto etwas länger anzuschauen. Wenn der Betrachter mir dann noch schreibt, wie schön er das Foto findet, dann hat sich meine Arbeit bereits gelohnt.“

    Das ist doch so ziemlich genau das Gegenteil von konzeptionell, oder?