05. März 2011 Lesezeit: ~1 Minute

Timothy Archibald: Echolilia

Umso älter sein erster Sohn Elijah wurde, desto mehr wurde Timothy und seiner Familie bewusst, dass mit Eli etwas nicht stimmte. Er konnte sich stundenlang mit einzelnen Gegenständen beschäftigen und die Fahrtzeiten des lokalen Nahverkehrs auswendig. Im Alter von fünf Jahren war klar: Eli ist Autist.

Timothy Archibald, Echolilia, Portrait

Timothy war anfangs überfordert mit dem Gedanken, Eli großzuziehen. In ihm machte sich eine Hilflosigkeit breit, aus der schließlich die Idee entsprang, sich seinem Sohn auf eine Weise zu nähern, die Timothy vertraut war:

Mit Hilfe der Fotografie. Dies sollte ihm helfen, eine Verbindung zu seinem Sohn Eli aufzubauen. Ihn und sein wundersames Verhalten besser zu verstehen.

Timothy Archibald: Echolilia

Die Fotos entstanden in kurzen Sessions von nur wenigen Minuten Dauer. Ausgelöst wurden sie jeweils durch Elis Interesse an einem Objekt; die Szenerie der Fotos ergab sich aus der Situation heraus.

Timothy inszeniert seinen Sohn nicht, aber manchmal hatte Eli eine Idee für eine bessere Pose oder Timothy schlug vor, ein Foto später zu wiederholen, z.B. an einem anderen Ort.

Timothy Archibald: Echolilia

Veröffentlicht wurde die Serie als Buch in einer limitierten Auflage.

Einen Einblick in diese gefühlvolle Serie könnt Ihr auf Timothy Archibalds Webseite erhalten und eine Bildstrecke mit weiteren Fotos findet Ihr bei der NY Times.

Ähnliche Artikel


11 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

    • Bernd, vielen Dank für den Link! Nicht nur die Sprache, sondern auch die andere Form (des Interviews) und auch der andere Schwerpunkt (es geht ja mehr um die Krankheit als um die Fotos) ergänzen sich sehr schön mit dem Artikel in der NY Times.

      Wobei ich es persönlich fast etwas schade finde, dass der Unterton im Interview so negativ ist, mehr auf die beschwerlichen Seiten der ganzen Situation eingeht. Aber vielleicht liegt das daran, dass ich bisher vor allem die Schönheit der Fotos gesehen habe und mich weniger in die Situation der Familie eingefühlt habe.

      Außerdem finde ich es sehr interessant, dass Timothy sagt, er habe für seine Arbeit am Anfang fast nur negatives Feedback bekommen. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns für Fotografie interessieren und die Serie deshalb intuitiv mit anderen Augen sehen?

      • Gut möglich, dass Du da Recht hast, aber ob wir die Bilder wirklich mit anderen Augen sehen, oder ob wir nur auf andere Bereiche achten, das kann ich nicht sagen…

      • Aileen,
        aber bitte für den Link.
        Ich kann mir das schon vorstellen, dass das „normale“ Umfeld negativ reagiert. Woran liegt es? Vielleicht, weil es „unnormal“ ist autistisch zu sein? Zeigt man eine solche Person nicht? Zugegebenermaßen kann ich zu diesem Punkt nur spekulieren und nicht aus Erfahrung sprechen. Niemand kann etwas dafür, so zu sein, auch die Eltern nicht.
        Ich denke für den Vater war es befreiend diese Fotografien zu schaffen. Der Prozess dahin war sicherlich nicht einfach, aber der Mut wurde wohl belohnt.
        Ich finde es aber gut, das ein solches Thema auch hier erschien.

  1. Autismus ist wirklich ein faszinierendes Phänomen – meiner Meinung nach eine wirklich unheimliche und dunkle Krankheit. Genau das finde ich kommt in den Bildern gut rüber – die Stimmung ist wirklich einmalig! Toller Beitrag – Danke! :)

  2. Besser als mit diesen Aufnahmen, kann man dieses wundersame Verhalten kaum ausdrücken! Sie regen zum Nachdenken an und schaffen mir eine neue, faszinierende Sichtweise. So zeigen Sie sehr gut, dass in „Elis Welt“ die einfachen, kleinen Dinge oft viel spannender und faszinierender sind, als ich sie je betrachtet habe.
    Es gibt „perfekte“ Bilder, die jedoch rein garnichts aussagen. Und dann gibt es diese Aufnahmen, die so viel ausdrücken, dass es mir erst einmal die Sprache verschlägt. Danke für diesen Artikel!

  3. @Bernd: Vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel in der Zeit!

    Besonders berührend finde ich die darin gemachte Aussage, dass die Fotografie sozusagen ein inniges Band zwischen Vater und Sohn geschaffen hat. In dem Artikel der Zeit vermutet der Vater auf die Frage des Journalisten sogar therapeutische Wirkung.

    Erschreckend finde ich die Reaktion der Umwelt, nämlich Abstand zu diesem Thema zu äußern und dem Vater für seine Fotografie – zumindest anfangs – noch dazu Vorwürfe zu machen…

    Warum eigentlich?

    Auch hier auf kwerfeldein scheint eine zurückhaltende Haltung zu diesem Thema vorzuherrschen.

    Dem Vater zolle ich meinen größten Respekt für sein Handeln.