30. Januar 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Nimm bloß nicht den Aufzug!

Als an Architektur interessierte Hobby-Fotografin liebe ich das Stöbern auf Flickr und anderen Foto-Community-Seiten auf der Suche nach interessanten Plätzen und Orten.

Aufgrund einer entsprechenden Recherche kurz vor einer Reise nach Helsinki bin ich auf ein Foto eines Treppenhauses gestoßen, dass sich in dem 1930 fertiggestellten Warenhaus Stockmann befindet. Meine damalige Kamera Sony DSC-V1 bewältigte nicht ansatzweise das dazu notwendige Weitwinkel-Format, trotzdem war ich plötzlich infiziert.

Treppenhaus

Von da an hieß es nur noch: Nimm bloß nicht den Aufzug. Ich begann in meiner Heimatstadt Hannover zu recherchieren und war überrascht, wie viele wunderschöne Treppenhäuser ich plötzlich entdeckte. Dabei fasziniert mich nach wie vor ein Phänomen: einige Treppen sind besonders schön von den oberen Etagen fotografiert,

Treppenhaus 2

die anderen wirken nur, wenn man sie von unten betrachtet:

Treppenhaus 3

Selten findet sich ein Exemplar, bei dem beide Ansichten faszinieren. Hier ein schönes Beispiel aus Hannover:

Treppenhaus 4

Treppenhaus 5

Besonders wirkungsvoll sind i.d.R. runde und ovale Treppenhäuser. Hier leistet mit mein Sigma 10-20 mm mit meiner Pentax K20D gute Dienste. Aber auch eckige Treppenhäuser entwickeln bei entsprechender Betrachtungsweise ihren besonderen Reiz:

Treppenhaus 6

Und letztendlich ist auch einfach mal die frontale Ansicht attraktiv:

Treppenhaus 8

In meinem Flickr-Album befinden sich derzeit ca. 230 Fotos von Treppenhäusern. Regelmässig werde ich gefragt, wie ich meine Treppenhäuser finde.

Ich bin überzeugt, dass sich in jeder Stadt schöne Treppenhäuser finden. Schon die äußere Betrachtung eines Gebäudes erlaubt Rückschlüsse. Dankbar sind häufig Gebäude aus den 50er und 60ern. Hier erkennt man bereits von aussen z.B. an der elegant geschwungenen Dachtraufe das Augenmerk des Architekten.

Deshalb sind Bücher über die Nachkriegsarchitektur immer hilfreich. Auch erlauben die dunkleren Jahreszeiten durch die Innenbeleuchtung einen Blick in das Gebäude.

Wichtig ist grundsätzlich, die Erlaubnis des Eigentümers einzuholen. Generell biete ich an, die Fotos für Homepages etc. zur Verfügung zu stellen. Oft reagieren Pförtner oder zuständige Mitarbeiter erstaunt über mein Anliegen. Meist habe ich ein kleines Album mit einigen Treppenhaus-Fotos bei mir, um meine bisherigen Ergebnisse zu zeigen.

Und dann heißt es nur noch: jede Etage einzeln ablaufen! Permanent ein Blick nach oben und nach unten. Mit der Hand den Handlauf entlanggleiten, mal aus Edelstahl, mal aus poliertem Messing, mal aus warmem Holz. Den Übergang vom gerundeten Geländer bis zu dem Punkt, an dem das Geländer in den geraden Teil der Etage übergeht, erfühlen.

In der untersten Etage hilft nur: flach auf den Boden legen, entweder mich selbst oder zumindest die Kamera. In den oberen Etagen hilft mir mein Manfrotto-Stativ, bei dem die Mittelsäule von der Vertikalen in die Horizontale geklappt werden kann. Ansonsten heißt es: schwindelfrei und lange Arme.

Am Rechner zeigen sich dann schnell die Nachlässigkeiten der letzten Renovierung durch Maler und Verputzer. Hier hilft mir mein Fotoprogramm Fixfoto. Ich bin kein Photoshop-Junkie, der Bilder aus zahlreichen anderen Fotos zusammensetzt. Dies passt nicht zu meinen Treppen. Einige mal dezenter, mal kräftiger angebrachte Farbveränderungen reichen mir aus, ohne den Treppen die Seele zu nehmen.

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22 Kommentare

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  1. Absolut fantastischer Artikel und wunderbare Fotos! Ich bin schwer beeindruckt und werd mich gleich mal an die Recherche nach Treppenhaeusern in meiner Stadt machen. Vielen Dank fuer diesen tollen Beitrag!

    • Bauhausgebäude ist richtig, aber nicht in Weimar, sondern in Dessau ! Alle Fotos sind ansonsten aus Hannover, bis auf das erste (Helsinki) und das letzte aus Dessau.

  2. Sehr kurzweiliger Artikel. ich liebe die neue Abwechslung auf kwerfeldein.de.

    Jetzt weiß ich inhaltlich bescheid. Wie verhält es sich den technisch. Gibt es irgendwelche Tipps für die Aufnahme selbst (außer der Verwendung eines Stativs?). E.g. reicht Blende 11 für die volle Schärfe, wie gehst Du mit Mischlichtsituationen um beim Weißabgleich?

    • @Martant: am besten lassen sich Treppenhäuser fotografieren bei grauem Schmuddelwetter (sofern Tageslicht ins Treppenhaus fällt), also besser keine direkte Sonne, dies ergibt meist viel zu schwierige Lichtverhältnisse. Mit meinem recht schlichten Fotoprogramm maskiere ich zu helle Bereiche und dunkle sie ab, da gibt es bei Photoshop bestimmt was raffinierteres. Den Weißabgleich kontrolliere ich direkt vor Ort. Da ich ja auch viel mit Farben arbeite, erreiche ich natürlich durch Verändern des Weißabgleiches schon entsprechende Farbeffekte. Zumindest bei Treppenhäusern in meiner Heimatstadt habe ich die meisten schon mehrfach bei unterschiedlichen Wetter- und Lichtverhältnissen fotografiert. Und nur im Extremfall nehme ich Photomatix.
      Manche Treppenhäuser werden durch künstliche Beleuchtung „verhunzt“, egal wie oft ich sie fotografiert habe, ich kriege sie einfach nicht richtig hin. Schade drum, aber dann gebe ich eben auf

  3. Hallo

    Schöner Bericht – hat wirklich spaß gemacht zu lesen. Mir fallen auch gleich ein paar ähnliche Treppenhäuser in Hamburg ein. Allerdings bezweifle ich, dass ich nun zum Treppenfotograph werde. Aber schön das es Leute gibt die das machen.

    Gruß Martin

  4. Also darauf hab ich schon sehr lange gewartet. :)
    Hab mich immer gewundert warum von dir hier noch kein Artikel zu sehen ist.
    Das Thema macht süchtig!
    Wenn man einmal ein paar gefunden und fotografiert hat will man immer mehr.
    Und Karin, du bist wirklich die Treppenqueen schlechthin!
    Da kann Matze, ich und Frank Schober schon garnicht mithalten!
    Freu mich immer wieder von dir was neues zu sehen.

  5. na das ist mal ein erfrischend anderes thema.
    ich kann mich erinnern, als ich in budapest die wendeltreppe von der st. stephans basilika fotografieren wollte und die treppe einfach nie touristenleer war…

    ich find, gerade wendeltreppen haben etwas faszinierendes. endlos irgendwie

  6. Hallo Karin,

    Viele Grüsse aus Helsinki. Ich bin zufällig auf deine Seite gestossen und war begeistert. Ich bin selbst schon oft an der Stockmann-Treppe gestanden und gedacht dass ich sie mal fotografieren soll.

  7. danke für die Verlinkung Marcel :-)

    ein wunderbarer Beitrag, der ganz genau meine Passion beschreibt

    Sehr schöne Treppen werden hier gezeigt, schaue mich gerne mal um und werde früher oder später mal nach Hannover kommen :-D

    LG aus DD
    Frank

  8. Großes Lob für diese Aufnahmen, die mich sehr beeindruckten.
    Ein faszinierendes Thema. Schon manches Mal dachte ich darüber nach, ein solches Thema aufzugreifen. Treppenhäuser können so unterschiedlich wie Gesichter sein. Mich hielt jedoch bisher immer das Urheberrecht ab, es mal zu versuchen. Der Aufwand, eine Genehmigung zu bekommen…, was wenn es kein Hausmeister oder Pförtner in greifbar ist, den man befragen kann, wie an den Eigentümer ran kommen? Das hielt mich immer davon ab.
    Aber ich finde dieses Thema sehr reizvoll.