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27. Mai 2013 Lesezeit ~ 2 Minuten

Bildvorstellung: Spinat Implosion

Der Winter war vorbei. Die Hände hatten keine Lust mehr auf Chemie und der Kopf wollte Farbe. Als die ersten wärmeren Sonnenstrahlen das Land umfingen, schnappte ich mir Anne und einen Adox „Color Implosion“-Film.

Genau danach war mir nämlich. Aus meinem Hirn musste der ganze Schmodder raus. Über die Wintermonate hatten sich böse Gedanken direkt neben die Geister gesetzt. Meine erste Ausstellung war gerade vorbei und meine Künstlerseele war in einem heftigen Disput mit sich selbst und ihrer Schaffenskraft.

Plötzlich überlegte ich nämlich, was das alles soll, wohin das überhaupt führt und führen soll. Die oft gestellte Frage – Warum macht man das überhaupt? – lief ins Nirgendwo, ankerlos wippte ich auf dem Meer der Möglichkeiten.

Der einzige Gedanke in meinem Kopf war: Raus hier! Ich ging konzeptlos in den Wald, ohne Bilder im Kopf, ohne eine Idee, ohne Anforderung an mich selbst und die anderen. Ich wollte die elendige Melancholie, die so oft von mir und anschließend auch von meiner Umgebung Besitz ergreift, abschütteln.

Ich lieh mir ein lachsfarbenes Kleid, wir suchten eine grüne Wiese und Bäume. Ich machte, was meine Hände schon ohne meinen Kopf ganz gut konnten: Durch den Sucher schauen, scharf stellen, klick, aber ohne dabei schwarzweiß zu denken. Denn die Kunst überließ ich dieses Mal ganz dem Film und seiner, so hieß es auf der Packung, surrealen Wirkung.

Anne-(9)

Ich liebte das Rot ihrer Lippen, die Farbe und den Schwung des Kleides. Ich liebte das Grünbraun der Wurzeln und das Moos auf Steinen und ausgewurzelten Bäumen. Ich liebte diesen Tag, die angenehme Wärme, den kühlen Wind, der nach Norden und Aufbruch duftete.

Wir waren wie Kinderseelen. Kletterten, erkundeten, fanden und staunten. Hin und wieder sagte ich stop, schaute sie an und hielt fest, was ich festhaltenswert fand.

So blieb in meinem Kopf dieses eine Bild. Der umgeworfene Baum, den wir zufällig fanden, weil wir die falsche Abbiegung nahmen, das moosige Grün, auf das sie sich bettete.

Vielleicht wird dieses Bild Teil einer Serie, aber vielleicht bleibt es auch einfach für sich selbst. Für ein Auftauchen aus dem Schwarzweiß meiner Gedanken, für einen anderen Teil meines Schaffens und Wollens. Vielleicht auch eine kleine Revolution gegen mich selbst, gegen das Stehenbleiben und Festgefahrene.

Über die Qualität dieses Films möchte ich jedoch keine Aussage treffen. Es ist vielleicht wie mit Spinat: Der eine mag’s und ein anderer ist zutiefst erschüttert.

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19 Kommentare

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  1. Den “Spinatfilm” möchte ich auch mal ausprobieren, analog dazu gibt es vom Spürsinn den SW-Grobkorn-Entwickler, der bereits bei Nennempfindlichkeit deutlich sichtbares, akzentuiertes Korn erzeugt. DOM ist die Abkürzung für Dirty Old Man. Im übrigen mag ich deine stillen Bilder, sie haben was geheimnisvolles.

  2. das bild ist mir zu aggressiv unruhig. ich kanns nicht lange anschauen. mir gefallen die farben nicht, die unruhe nicht die von den ästen ausgehen inkl. dem schatten … und am ende bleibt nicht mal die person als interessantes objekt.

    also für mich definitiv kein bild, sprich: ich bin nicht die zielgruppe die damit angesprochen wird :)

      • Ich schließe mich hier an. Endlich mal kein Kitsch und kein Photoshop. Das Ergebnis der Farben dieser Adox-Filme ist schwer vorhersehbar. Gerade das macht den Reiz aus. Und trotzdem ist es gekonnt, keine Lomografie, kein reiner Zufall.

        Bitte mehr davon!

      • Geht es hier um Filmmaterialien, also eine Seite mit technischen Webauftritt (dann hab ich die Seite falsch verstanden) oder geht es um Bilder und Kunst? Weil dann ist mir der Film recht egal, dann interessiert mich nur das Ergebnis. Aber vielleicht sehe ich die Welt der Fotografie ganz anders? :)

    • @Alexeander G.

      Zu deiner letzten Frage, worum es hier geht. In erster Linie wohl um die Faszination und Leidenschaft Fotografie. Wir und unsere Gastautoren reden darüber was es bedeutet zu fotografieren, wie wir es in unser Leben integrieren usw. aber nicht nur, natürlich. Wir tauschen Erfahrungen aus.

      Dein erster Kommentar bringt mir beispielsweise genauso viel, wie jene Antwort der Bäckerin heute morgen, als ich fragte ob in den Brötchen Eier oder Milch verarbeitet wurde und sie mir entgegnete: Weiß ich nicht, aber da ist Dinkel drin.

      Ah ja. Interessant. Und?

      Für dich ist es kein Bild, aus deinen genannten Gründen. Und? Was schlussfolgere ich daraus? Das ich dir sicher nie ein Bild verkaufen werde, das du von meinen Bilder sicher nie berührt sein wirst, das ich es nicht schaffe in deinem Gedächtnis der besten Fotografen festzusitzen. Ok, kann ich mit leben. Also alles gut. Mir gefällt auch vieles nicht. Aber würde ich das überall drunter schreiben, würde ich meines Lebens nicht mehr froh.

      Ich frag mich beispielsweise, warum unbedingt heiraten muss und davon auch noch Bilder macht. Kann ich nur die Schultern zucken und nett lächeln. Is halt so.

  3. Ich liebe meine Adox Golf mit einem schön körnigen Ilford, aber hier muss man einfach mal stoppen und hinhören :) Der Text zum Bild ist fast so spannend wie die Entstehung dieser feinen Fotografie. Manchmal braucht man einen Klapps, um der Kreativität Raum zu schaffen und sich wieder und wieder selbst zu finden…hast du gut gemacht !!

  4. Danke an Alle für ihre Kommentare. Ja, es hat in erster Linie Spass gemacht. Ob ich mit diesem Film weiter experimentiere, da bin ich mir noch nicht wirklich sicher. Aber mich würde interessieren, wie der Film sich drinnen anschickt. Einen habe ich noch da. Mal sehen was das wird. Dieses Farbkorn ist halt schon Geschmackssache, ne?

  5. Kann deine Sinneskrise nach der ersten Ausstellung gut nachvollziehen – ging mir ganz genauso. Die winterliche Kaelte traegt da auch nicht dazu bei, um wieder aus dem Loch rauszukommen.
    Das Foto ist da als Kontrast super fruehjahrs/sommerlich geworden – hoffe das hat dich wieder in eine positivere Richtung gebracht!