susannprobst
10. Januar 2012 Lesezeit ~ 4 Minuten

Stilllife Teil 2: Lichtgestaltung

Im ersten Teil habe ich Euch gestern bereits erzählt, wie ich Ideen finde und wie sie sich nach und nach entwickeln. In diesem Teil wird es hauptsächlich um die Lichtsetzung gehen.

Entscheidend für die Wirkung einer Aufnahme ist das Licht. Unabhängig davon, ob man eine natürliche oder eine künstliche Lichtquelle wählt, sind folgende Funktionen des Lichtes grundlegend: Licht symbolisiert Raum und Tiefe, es gibt einem Bild Stimmung und Atmosphäre und es beeinflusst die Zeichnung im Bild. Verstärken oder abschwächen lassen sich diese Eigenschaften durch die Lichtrichtung.

Wählt man ein Licht von vorn, wirkt die Beleuchtung sehr flach, weil die Schatten hinter den Gegenstand fallen und so keine Plastizität entstehen kann. Befindet sich die Lichtquelle als Gegenlicht hinter dem Gegenstand schafft man eine sehr kontrastreiche Beleuchtung, die zu dramatischen Bildern führt.

Die Lichtrichtung, die in der Stillifefotografie am häufigsten Verwendung findet, ist das Seitenlicht. Man erhält eine starke Dreidimensionalität und kann so perfekt Formen und Strukturen herausarbeiten. Außerdem hat dieses Licht eine sehr natürliche Wirkung. Beim Ausarbeiten einer Form kann man die Plastizität noch durch ein hartes Streiflicht hervorheben. Durch eine Beleuchtung, die fast parallel zur Objektoberfläche läuft, wird der Kontrast verstärkt, indem Erhöhungen angeleuchtet werden und Vertiefungen im Schatten bleiben.

Ich möchte mich besonders auf das natürliche Licht konzentrieren, weil man auch ohne Blitzlicht wunderschöne Aufnahmen erzeugen kann. Wenn ich Blitzlicht verwende, versuche ich meist, natürliches Licht zu imitieren. Bei der Verwendung von Tageslicht ist es allerdings äußerst wichtig, das Lichtverhalten im Raum zu beobachten, um genau die Wirkung zu erhalten, die man sich für seine Aufnahme wünscht.

Neben den Lichtrichtungen kann man außerdem hartes und weiches Licht unterscheiden. Hartes Licht erhält man bei direkter Sonneneinstrahlung. Die Folge davon sind harte Schatten und hohe Kontraste, die eine dramatischere Stimmung erzeugen als diffuses Licht, das sehr weich ist. Mit den einfachsten Hilfsmitteln kann man sich selbst Lichtformer basteln und das Sonnenlicht so auch ohne technischen Schnickschnack zu seinen Gunsten einsetzen.

Jeder kennt Aufheller, diese sind aus der Stillifefotografie kaum wegzudenken. Ich benutze sie in allen möglichen Größen und Formen. Dafür muss es kein professioneller Aufheller sein. Alles was man braucht, sind Styroporplatten oder besser noch Kapa Plast aus dem Baumarkt. Diese kann man sich dann in der gewünschten Größe zuschneiden. Allein damit kann man schon viel erreichen. Nicht nur aufhellen, sondern auch Reflexe erzeugen und mehr.

Es braucht auch nicht immer einen silbernen Aufheller. Man kann die Platten auch einfach mit Alufolie bespannen und schon hat man einen harten Aufheller. Kleine Aufhellungen lassen sich auch perfekt mit kleinen Spiegeln erzeugen. Je nachdem, ob es ein Hohl- oder ein Wölbspiegel ist, lassen sich so weiche oder gerichtete Lichter erzeugen.

Bei dieser Aufnahme kommt mein Grundlicht von einer Softbox, die schräg von links hinten auf die Vase ausgerichtet ist. Um die Holzplatte nicht zu hell erscheinen zu lassen, sondern als dunklen Kontrast zur Vase, habe ich sie mit einer schwarzen Pappe etwas abgeschattet. Auf der anderen Seite, also rechts von der Vase, habe ich eine weiße Platte zur Aufhellung aufgestellt, um den Schatten auf der Vase etwas zu mildern. Als weitere Aufhellung habe ich einen Hohlspiegel genutzt, der das Blitzlicht gebündelt auf die Blüten lenkt, die unten auf dem Deckchen liegen.

Schöne Lichtspiele kann man zum Beispiel auch durch mit Wasser gefüllte Glasflaschen oder Glasbausteinen entstehen lassen. So kann mehr Spannung erzeugt werden. Natürliche Lichtspiele lassen sich durch Äste oder gelöcherte Styroporplatten erzeugen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Eigenschaften und Auswirkungen des Lichtes hat jeder schon bewusst oder unbewusst wahrgenommen. Die Kunst ist es, sich dieses Wissen zu verdeutlichen und zu Nutze zu machen. Dabei ist es egal, ob man Objekte, Menschen oder Landschaften fotografiert. Eine einfache Übung dafür ist es, ein weißes Objekt auf einem weißen Untergrund zu fotografieren. Dabei kann man genau sehen, wie Formen und Strukturen vom Licht herausgearbeitet werden.

Draußen fotografiere ich am liebsten bei schön diffusem, weichem Licht. Man hat so eine herrlich leichte Lichtstimmung und muss nicht mit harten Schatten oder Lichtreflexen kämpfen, oft braucht es dann auch keine weiteren Hilfmittel und Lichtformer, wie bei dieser Fotostrecke im Herbst.

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33 Kommentare

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  1. Die Wirkung des Lichts wurde sehr schön erklärt. Auch die Bilder hier sind sehr gelungen. In der Fotostrecke finde ich allerdings die Bilder des jungen Paars zu gestellt. Sie wirken meiner Ansicht nach nicht natürlich. Die Stillife-Fotos hingegen mag ich sehr. Danke!

  2. sehr interessant zu lesen, die Einblicke in Arbeitsweise eines Fotografers sind immer so spannend, danke schön! Hast du im Netz ein paar Beispiele zu den Lichteffekten mit gelöcherten Styroporplatten oder Flaschen mit Wasser? Hätter gern gesehen, wie das bei dir realisiert ist.

    VG
    VT

    • Hallo Victor,

      auf die Schnelle habe ich gerade nur dieses hier gefunden:
      http://www.schon-probst.de/gruen.php
      Da siehst du im linken Bild, was zum Beispiel Glasbausteine für einen Effekt zaubern. Mit wassergefüllten Flaschen sieht es ähnlich aus.
      Dabei geht es einfach darum, nicht einfach ein gleichmäßiges Licht zu erzeugen, egal ob weich oder hart, sondern es “leben zu lassen”. Oft nimmt man diese Effekte dann gar nicht so richtig wahr, weil sie manchmal nur Nuancen ausmachen aber dem Bild trotzdem genau das fehlende Etwas geben.

      • Ach ok, sehr schön! Finde deine Bilder so faszinierend schön, und vor allem deine Arbeitsweise in Serien. Zu Vorteilen einer Arbeit in Serien und Projekten habe schon vieles Positives gehört und gelesen, Martina Mettner hat diesem Thema glaube ich sogar ein ganzes Buch gewidmet. Selbst komme ich leider selten dazu, vielleicht das neue Jahr wird mir da mehr Zeitgelegenheiten bieten :)

        Ich hoffe es kommt noch ein Teil 3 von dir mit z.B. Farbverwaltung, wäre toll! :)

        VG
        VT

  3. Wenn mich in der Vergangenheit jemand gefragt hat – was inspiriert Dich am meisten beim Fotografieren… dann habe ich ziemlich schnell gedacht -hauptsächlich Licht. Ich fand das gleichzeitig zu banal, um es auszusprechen. Dachte immer sofort, das weiß doch jeder, der sich länger mit Fotografie beschäftigt.

    Jetzt wo ich Deinen Artikel lese, wird mir gerade klar, dass meine Antwort auf die Frage nicht präzise genug war.
    Mich faszeniert, wie Licht den Charakter eines Gegenstandes oder einer gesamten Situation völlig verändern und beeinflussen kann. Das zu beherrschen und zielsicher einzusetzen, ist mein Hauptziel und treibt mich subtil an.
    Da fällt mir ein Zitat von Gelsen ein “Nicht die Dinge sind banal, sondern unser Blick auf die Dinge.” Das passt an der Stelle.

    Gestern hatte ich mit einer Fotografin ein Gespräch übers Schreiben;
    Wir kamen darauf, dass es das Eine ist, etwas in einer bestimmten Art und Weise zu tun und damit eine starke Wirkung zu erzeugen. Und es ist das Andere, diese Abläufe und Erfahrungen präzise in Worte zu fassen, so dass sie auch jemand, der gerade am Anfang steht, verstehen und umsetzen kann.

    Gerade bei Dingen, die mir selbst sehr vertraut sind und normal erscheinen, Teil meines inneren Autopiloten sind…ist das besonders schwer. Mir ist mal aufgefallen, dass nur wenige Fotografen die Kunst der wörtlichen/schriftlichen Sprache beherrschen.(kann mich täuschen). Vielleicht wird deshalb so viel und ausgiebig über Technik gequatscht.

    Deine Worte und Bilder sind bestechend einfach und klar. Ich schaue regelmäßig auf Deiner Webseite vorbei. Du schaffst es, einfache Dinge, die jeder in seinem Umfeld finden kann, so zu inszenieren, dass sie zu etwas Besonderem werden – fast schon zu sprechen beginnen. Und das oft allein durch Lichtsetzung. Das fasziniert mich immer wieder.

    Was in Deiner Beschreibung so einfach daher kommt, ist für mich in seiner Vollendung Meisterschaft.
    Wenn es nicht mehr nur darum geht, schöne Bilder zu machen und Spaß beim Fotografieren zu haben (nicht abwertend gemeint) und auch nicht mehr um das Streben, mit Fotografie Realität abbilden zu wollen, dann gewinnen diese Fragen an großer Bedeutung. Dann wird Fotografie schnell auch zum Lebensinhalt…

    Vielen Dank für den Artikel
    Lieben Gruß Lis

  4. Sehr anschauliche Erklärung wie man mit einfachen Mitteln super licht setzen kann!

    Aber was mich grade mehr interesiert, wo hast du die Vase her? würde super bei mir auf dem Sideboard machen ;-)

    • Ich fürchte einen dritten Teil wird es nicht geben. Ich habe in einem Studio gelernt, wo Bilder kaum bearbeitet wurden, weil das Foto schon so gemacht wurde, wie es aussehen sollte ;) Farbstimmungen wurden nicht durch Regler, sondern durch Farbfolien erzeugt etc. Einmal ging es darum zu kleinen Bechern farblich passendes Eis zu finden. Das geht sicher ganz einfach in Photoshop aber ich bin damals mit den Bechern los gefahren und habe mir Eis gesucht, was wirklich in den Farbtönen ist. Man könnte sagen, dass das veraltete Methoden sind aber teilweise geht so etwas dann doch schneller als nachträglich alles am Rechner anzupassen. Ich mag nicht dieses: “ach, das kann ich in Photoshop noch machen” Wozu denn? Dann sammeln sich am Ende so viele kleine Dinge, die man ja “schnell mal wegstempeln kann”, dass man doch eine Stunde an der Nacharbeit sitzt, die man “in echt” in 10 Minuten hätten machen können. Also lieber zum Lappen greifen um staubige Gläser zu putzen ;)
      Ich halte es jetzt gern immer noch so und versuche mein Foto so aufzunehmen, wie ich es mir vorgestellt habe.

      • Danke für die Aufklärung. Ich bin auch dafür schon ab Aufnahme korrekt und final wie möglich zu arbeiten. Auch wenn das mehr Vorbereitung und Verständnis erfordert, wie Dein Bericht demonstiert. Aber die Kräftigkeit der Farben und Kontraste in Deinen tollen Bildern hätten mich nicht glauben lassen, dass sie so out of cam kommen. Das gilt auch vor allem für Eure grandiosen S/W Hochzeitsreportagen.

      • (ich kann irgendwie nicht auf deinen zweiten Kommentar antworten, deswegen mache ich es jetzt mal so)

        Unsere Hochzeitsreportagen kann man ja überhaupt nicht mit dem hier vergleichen. Da ist es natürlich nicht möglich Farbfolien zu benutzen :D
        Da ist man auf das gestellt, was da ist. Und in die Bearbeitung unserer Schwarzweißbilder setzen wir sehr sehr viel Arbeit. Dank Lightroom und RAW-Format kann man genauso gut arbeiten wie wir es mit unseren analogen Fotos in der Dunkelkammer machen. Natürlich geht das in Lightroom sogar noch viel genauer. Aber wie gesagt, das ist ein ganz anderes Thema als Food- oder Stilllifefotografie…

    • Ein sehr lehrreiches, ausführliches und schönes Buch zum Thema ist „Plate to Pixel: Digital Food Photography and Styling“ von Hélène Dujardin. Darin geht es um die Grundlagen der Foodfotografie, Kameraeinstellungen und Modelle, natürliches Licht, Kunstlicht, Komposition, Styling etc. mit vielen Beispielbildern (allerdings auf Englisch).
      Klar könnte ich jetzt sagen, dass ich es nicht mit einem Buch gelernt habe und deswegen auch nicht sagen kann, wie gut so ein Buch wirklich ist. Aber es ist für mich auch schwer zu sagen, dass ich es durch Probieren gelernt habe. Das stimmt zwar, aber immerhin hatte ich zwei großartige Ausbilder, die mir dabei über die Schulter geschaut haben =)

      Ein wunderbares, bezauberndes Kochbuch mit perfekten Fotos, dass jeder Foodfotograf im Schrank stehen haben sollte: „Jahreszeiten: 200 Rezepte – schnell und unkompliziert“ von Donna Hay

      • Da du deine Ausbilder gerade erwähnt hast, würde mich interessieren wo bzw. in welchem Betrieb du deine Lehre gemacht hast?

        Super Artikel und wunderschöne Fotos, danke!

        PS: Welches Stativ verwendest du (also das von deinem Setup Foto)?

  5. Wow! Wie schon Teil 1, ist auch Teil 2 fantastisch. Die Beispielbilder machen die Unterschiede mehr als deutlich und ich bin schon auf die anderen Teile gespannt (ich hoffe es kommen noch viele mehr ^_^)!

    Schöne Grüße
    Christina

  6. Danke für diesen großartigen Zweiteiler. Habe total Lust bekommen, mal wieder Food zu fotografieren. Vor allem aber, durch das Vasenbild samt making-of-Bild und Beschreibung, mich mal wieder wirklich mit Licht zu beschäftigen!

    Danke, danke!

    und p.s.
    bin auch dafür, dass du noch weiter schreibst – ich habe beide Teile sehr genossen und verlange mehr davon! so! :o)