03. Dezember 2019 Lesezeit: ~4 Minuten

Wie aus dem Wunsch auf Print ein Zine wurde

Vor einiger Zeit durfte ich schon einen Gastbeitrag hier veröffentlichen. Dort ging es um meine Männerportraits in schwarzweiß. Vielleicht kann sich die eine oder der andere noch daran erinnern. In diesem Beitrag möchte ich ein wenig daran anknüpfen.

Wie wahrscheinlich einige Fotograf*innen habe ich mich an einem Zeitpunkt dabei ertappt, wie ich Fotos „nur noch für Instagram“ machte. Die nächste Fotosession konnte nicht schnell genug kommen, denn wenn es mal nichts zum Posten gibt, dann geht es bergab. Darunter litten aber vor allem die Fotos. Quantität statt Qualität. Dabei vergaß ich für eine kurze Zeit, warum ich überhaupt mit der Fotografie angefangen hatte.

Männerportrait

Also ging ich zurück zum Anfang. Warum hatte ich angefangen und wie möchte ich meine Fotos eigentlich präsentieren? Die Antwort war ganz klar: Ich möchte interessante Menschen treffen, mit ihnen reden, sie fotografieren und die Fotos dann so präsentieren, wie sie es verdienen. Nicht mal schnell auf Instagram, sondern gedruckt.

Daraus entstanden ist nun „Portrait Diaries“. Ein Non-Profit-Magazin mit Portraits, Interviews und Gedichten. Eine Mischung aus Zine und Magazin.

Natürlich stehen wir noch ganz am Anfang. Die ersten beiden Hefte sind gerade erst veröffentlicht worden und es gibt noch viel zu lernen, auszuprobieren und zu optimieren. Aber vor allem war es wichtig, einfach anzufangen und die Vision zum Leben zu erwecken. Den Fotos den Rahmen geben, den sie verdienen. Und nicht nur das, sondern auch noch mehr Möglichkeiten haben, Geschichten zu erzählen, Persönlichkeiten vorzustellen und damit Gutes zu tun.

Mann lehnt an einem ZaunMännerportrait

In das Zine kommen Menschen, die ich interessant finde, aufgrund von den Dingen, die sie tun oder auch einfach, weil sie dieses Gefühl von „wow, die Person muss ich fotografieren!“ in mir wecken. Wichtig ist mir, dass schon eine Geschichte und Ideen in meinen Gedanken entstehen.

Außerdem habe ich eine tolle Autorin mit an Bord holen können: Evee Douglas aus Utah in den USA. Sie schreibt für jede Fotoserie eines oder mehrere Gedichte, die dann zusammen mit der Serie im Zine erscheinen. Sie war vom ersten Moment an genauso Feuer und Flamme für das Projekt wie ich.

Mann streckt Zunge heraus

Durch das Zusammenspiel aus Fotografie und Text möchten wir die Leser*innen für einen Moment lang in das Leben der portraitierten Person entführen und an deren Leben teilhaben lassen. Dabei entsteht eine Symbiose aus Fiktion und Wahrheit, die Raum für eigene Interpretation bietet. Die Wahrheit besteht in diesem Fall aus einem kurzen Interview mit intensiven Fragen.

Einblicke darin kann man auch auf unserem Blog in den „Portrait Diaries“ bekommen. Denn neben dem gedruckten Zine veröffentlichen wir auch kleinere Fotostrecken online.

Es ist ein sehr persönliches Projekt. Eines, das Eindruck hinterlassen und sich von anderen Zines abheben soll. Deshalb mache ich so lange es geht alles in Eigenregie. Das Heft wird selbst gedruckt, von Hand gebunden und persönlich eingepackt und verschickt.

Mann mit Tuch vor dem Gesicht

Wichtig ist auch zu betonen, dass wir mit dem Verkauf des Zines keinen Profit machen möchten, der Gewinn wird an einen guten Zweck gespendet, einzig die Materialkosten behalten wir. Den guten Zweck, an den die Spenden gehen sollen, wählen entweder wir oder das Modell aus. Wohin die Spenden gingen, veröffentlichen wir auch auf unserem Blog.

Ich denke, es ist wichtig, hier und da immer mal wieder zu hinterfragen, was man warum tut und ob man seinen Fotos die Wertschätzung gibt, die ihnen eigentlich zusteht. Daraus können tolle neue Projekte entstehen.

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2 Kommentare

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  1. Das ist ein beeindruckend „einfaches“, aber auch sehr tiefsinniges Projekt, was mich total anspricht. Ich habe mir auch die Beiträge im Blog angeschaut, wirklich klasse. Die Fotos sind für meinen Geschmack allererste Sahne und „sprechen“ für sich.
    Die Mischung aus Fotografien und Texten/Interviews nutze ich selbst auch, und die Eigendynamik, die da entsteht, bringt immer etwas hervor, dass eben nicht planbar ist.
    Die Konzentration auf den eigenen Ansatz, fernab vom oberflächlichen Massenbeifall (Likes), halte ich für die moderne Form von Freiheit. Das Gelingen von Authentizität und Lebendigkeit bringt dein Beitrag, die Fotos und auch der Blog wunderbar hervor.
    Danke dafür!

    Herzlich, Dirk

  2. Ein sehr geiles Projekt. Die Reflektion des eigenen Tuns ist immer lohnenswert, ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Selbstkritik hier ein sehr produktives Element ist und die Qualität des Wirkens sich nochmals steigert.
    Das Zine ist ein ganz tolles Ergebnis. Den Blog habe ich mir auch angeschaut, hier wird das Ganze noch einmal auf eine andere Art greifbar.

    Grüße
    Wilhelm